Premiere eines Debüts

Beate Wedekind5.04.2010Gesellschaft & Kultur, Medien

Ostern 2010: “Waffenstillstand”, der Debütfilm von Lancelot von Naso, 34, ist jetzt im Kino. Spiegel, FAZ, Welt, Bild, Variety, Cinema u. a. loben diesen Film gegen den Krieg, der den Irakkrieg nicht aus der Perspektive des Militärs, sondern aus dem Blickwinkel von Helfern und Journalisten zeigt, die ihr Leben riskieren, um unverschuldet in Not geratene Zivilisten zu retten.

Nach München ist jetzt im Foyer der CineStar-Kinos in der Berliner Kulturbrauerei der rote Teppich ausgerollt, über 800 Premierengäste stehen Schlange. Mittendrin Lancelot von Naso, der, in Heidelberg geboren, in München zur Filmhochschule gegangen, nur wenige Straßen entfernt im Junge-Eltern-Viertel Prenzlauer Berg mit Lebensgefährtin und Kollegin Mara Eibl-Eibesfeldt und Töchterchen lebt. Regisseur und Produzenten lassen sich vom Wirbel der ankommenden Gäste tragen, darunter viele Freunde und Weggefährten, die ihnen voller Erwartung zwischen die Schulterblätter klopfen. Kollegen sind gekommen, um ihre Reverenz zu erweisen: Julia Dietze (“Was nützt die Liebe in Gedanken”, “1 ½ Ritter”) posiert in ihrem roten Minikleid vor den Fotografen, auch ihre Kolleginnen Christiane Paul (“Jerry Cotton”, “Die Welle”), Yvonne Catterfeld und Franziska Weisz kommen nicht unerkannt vorbei. Katja von Garnier, Feo Aladag, Wolfgang Becker, Lars Montag, die Regisseure, geben Kurzinterviews. Unisono wird der Mut der Macher gelobt – Kriegsfilme sind seit eh und je nicht gerade vom Erfolg verwöhnt.

Die Hauptdarsteller fahren vor, strahlen im Blitzlichtgewitter

Hannes Jaenicke, gerade 50 geworden, der mit “Abwärts” schon vor 25 Jahren seinen ersten Kinoerfolg hingelegt hat, Max von Pufendorf, 33, der im Fernsehen im “Tatort” spielt, im Kino in “Crazy” und den “Buddenbrooks”, ansonsten gern Theater, Thekla Reuten, 31, die luzide holländische Schauspielerin, die gerade in Anton Corbijns neuem Film “The American” neben George Clooney die Hauptrolle spielt. Husam Chadat, im Film der Fahrer, im wirklichen Leben Journalist des arabischen Fernsehsender Al Jazeera, einer der inhaltlichen Berater des Regisseurs. Nur Matthias Habich, der Doyen des Films, fehlt, er dreht ununterbrochen. Ostern 2004: Lancelot von Naso liest in der Süddeutschen die Reportage einer englischen Rechtsreferendarin, die in den Semesterferien im Irak als Logistikerin arbeitet, und ist von dem Thema fasziniert. Das wird sein Film. Die Finanzierung stellt sich als extrem schwierig heraus, bis der Zufall, der Bruder des Glücks, dem Regisseur zu Hilfe kam. Auf einem Flug von Berlin nach Zürich setzt der Buchungscomputer der Lufthansa Lancelot von Naso neben Dario Suter, damals 28, einen der Mitgründer von studiVZ, der bei Prof. Peter Glotz an der Hochschule St. Gallen seine Diplomarbeit ausgerechnet über Kriegsberichterstattung geschrieben hat. Die beiden kommen ins Gespräch, und einige Wochen später entscheiden sich Suter und seine Partner Christoph Daniel und Marc Schmidheiny, beide heute 25, die fehlende Finanzierung zu übernehmen. So wird “Waffenstillstand” auch ihr Debüt als Filmproduzenten.

Applaus

Während der Dreharbeiten in Marokko muss sich das Team wochenlangem Regen beugen, bis ins Absurde gehend Flexibilität zeigen. Auch wenn “Waffenstillstand” schon vier Preise gewonnen hat und vom Fachpublikum geliebt wird, steigt, als der Abspann läuft, die Anspannung. Doch dann gibt es auch in Berlin minutenlangen begeisterten Applaus für Lancelot von Naso, die Produzenten, die Darsteller, das Team. Die Party dauert bis zum Morgengrauen. Jetzt ist “Waffenstillstand” im Kino – und Lancelot von Naso kann seinen ersten Spielfilm noch nicht loslassen. Beinahe jeden Abend stellt er sich den Fragen des Publikums. Die Autorin dieser Kolumne ist an der PR für “Waffenstillstand” beteiligt.

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