Der Euro wird kommen, aber er wird keinen Bestand haben. Alan Greenspan

Lucky Basterd!

Was für eine Inszenierung! Was für ein eleganter Abend! Was für eine Stimmung! Vollzählig waren sie versammelt, die Größen des amerikanischen und internationalen Films, um sich, um die Besten der Besten ihrer Zunft zu feiern.

Und um es gleich vorwegzusagen: Was für eine Pleite am Anfang – zumindest für die Zuschauer, die sich – wie ich – die 82. Verleihung der Academy-Awards auf Pro 7 ansahen. Ein hilfloser Moderator am roten Teppich, der dumme Fragen stellte. Erst als endlich die Originalübertragung des US-Fernsehens übernommen wurde, ging’s richtig los.

Hungern für die Abendgarderobe

Ich hatte mich mit einem Facebook-Freund online verabredet, und rasch gesellte sich ein harter Kern von anderen Oscar-Fans zu uns. Zwischenzeitlich schalteten wir um auf den Lifestream von ABC, wo wir mitverfolgen konnten, was im deutschen Fernsehen nicht zu sehen war, diese Family of Friends, die sich selbst auf die Schippe nahm. Da zeigte George Clooney der Reporterin einen Flachmann, mit der er sich während der Verleihung “über Wasser” halten wollte. Und Sandra Bullock verriet, dass sie Heißhunger auf einen Burger mit Pommes habe; in den Tagen zuvor hatte sie sich ein paar Pfund runtergehungert, damit sie in ihr hautenges Abendkleid passte.

Und dann ging’s los auf der Bühne des Kodak Theatres mit einem Feuerwerk von schlauen Scherzen: Steve Martin und Alec Baldwin, die Moderatoren der Verleihung, nahmen sich die Nominierten vor, die erwartungsfroh in den Reihen saßen.

Was für Preisträger!

Was für ein Bühnenbild! Glamour und guter Geschmack gepaart mit allen technischen Raffinessen! Was für Laudationes! Was für Laudatoren! Was für Preisträger!

Der erste gleich “unser” Mann, Christoph Waltz, Fernseh- und Theaterschauspieler aus Österreich, der mit dem Oscar für die Beste Nebenrolle für seine Interpretation des SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Taratinos Nazi-Groteske “Inglorious Basterds” ausgezeichnet wurde. Sein 18. Preis für die Rolle! Er bedankte sich mit der ihm eigenen verschmitzten Bescheidenheit und in perfektem Englisch. Seine erste Rolle in einem amerikanischen Film, seine erste Nominierung für einen Oscar, sein erster Oscar. “Überbingo”, rief er und strahlte Penélope Cruz an, die Vorjahrespreisträgerin, die ihm den Preis überreichte.

Schier aus dem Häuschen war Jeff Bridges, der für seine Rolle in “Crazy Heart” mit dem Oscar als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Vor 40 Jahren war er bereits zum ersten Mal nominiert worden – dies aber war sein erster Oscar. Da ging einem großen Mimen das Herz auf, er wollte den ganzen Saal, ach was, die ganze Welt umarmen.

And the Oscar goes to …

Wie anders Sandra Bullock, die mit sehr, sehr ernster Miene reagierte, als sie die berühmten Worte hörte: “And the Oscar goes to: Sandra Bullock.” Erst im Laufe ihrer Dankesworte, als sie auf die Familie zu sprechen kam, um deren Geschichte es in “The Blind Side” geht, kamen ihr die Tränen.

Später, als der hochgelobte Regiemeister Quentin Tarantino im Rennen um den Oscar für die beste Regie leer ausging, stand dem die Enttäuschung im Gesicht geschrieben. Während der Saal über den Sieg von Kathryn Bigelow jubelte, die für das hochpolitische Irak-Drama “The Hurt Locker” aus der Hand von Barbra Streisand ihren Oscar entgegennehmen durfte, verzogen Konkurrent Tarantino und ihr Exmann James Cameron, der mit “Avatar” ebenfalls nominiert war, keine Miene.

In der 82-jährigen Geschichte des Preises war dies zum ersten Mal eine Frau, die mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde – und das am 100. Internationalen Frauentag. Nur Meryl Streep, die tat mir tatsächlich ein bisschen leid: Zum 16. Mal nominiert und wieder leer ausgegangen. Sie lächelte souverän, als ihr Sandra Bullock eine kleine Liebeserklärung machte.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Beate Wedekind: Klimawandel

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