Für das was Snowden getan hat, fehlt mir der Mut. Juli Zeh

Filmlaboratorium Berlin

Berlinale! Die 60.! Eine Stadt im kreativen Ausnahmezustand. Die Kinokarten für Publikum in Nullkommanix ausverkauft, Tausende von Berlinern, die sich bei Minusgraden von Fritz Langs Meisterwerk “Metropolis” am Brandenburger Tor open air faszinieren lassen.

Der Begeisterung von Dieter Kosslick, dem alerten und agilen Festivaldirektor – sein Markenzeichen ist der notorisch rote Schal, seine Magie seine unerschütterliche gute Laune –, kann sich auch in diesem Jahr niemand entziehen. Kosslick absolviert an manchen Tagen mehr als 40 Termine, souverän und seine Entertainmentqualitäten wohl dosiert einsetzend. In manchen Nächten gibt es mehr als 50 parallele Einladungen, Dinners, Empfänge, Partys. Die Hotspots der Stadt sind hoffnungslos überbucht – das Borchardt: vibrierendes Zentrum der Filmemacher und Stars, das Grill Royal: der Jahrmarkt der Eitelkeiten, die Paris Bar, das Florian: die Klassiker im Westen der Stadt, das Cookies: der hippste Place to be, Bar 1000, Weekend, Berghain: Be entertained! Überbordende Aufgeregtheit, Hoch-Zeit der Selbstdarsteller, hier und da ein ordentlicher Schuss von Dekadenz. Wenn nicht jetzt, wann dann …

Ein neues Refugium

Und in all der Betriebsamkeit hat sich innerhalb von wenigen Tagen ein neuer Ort zum geheimen Refugium entwickelt, eine originelle Film-Lounge im Stil der 50er-Jahre, eingerichtet mit Requisiten aus dem Fundus von Studio Babelsberg aus der Zeit der Gründung der Berlinale. Ein Raum, klein und gemütlich wie ein Wohnzimmer, intim wie eine private Einladung. Die Lounge widmet sich dem Thema eines neuen Filmprojekts, “Love Berlin – How We Met” (zu dessen Produktionsteam ich gehöre), das in zehn Episoden von schicksalhaften Begegnungen in der deutschen Hauptstadt erzählen wird, in Szene gesetzt von namhaften deutschen und internationalen Filmregisseuren, gedreht wird im Sommer dieses Jahres. Federführend sind die Produzenten Steffen Aumüller und Claus Clausen, die mit Oren Movermans für zwei Oscars nominierten Film “The Messenger” letztes Jahr den Silbernen Bären gewannen. Moverman wird eine Episode von “Love Berlin” verfilmen. Für die drei jungen Filmproduzenten Dario Suter, der nach erfolgreichem Aufbau von StudiVZ zusammen mit seinen Partnern Christoph Daniel und Marc Schmidheiny die DCM Mitte Productions gegründet hat, ist “Love Berlin” das erste internationale Filmprojekt. Ihr vielfach ausgezeichneter deutscher Debütfilm “Waffenstillstand” von Lancelot von Naso kommt demnächst ins Kino.

Man trifft sich, um Projekte zu planen und um sich zu vernetzen

Auf Einladung der Produzenten trifft man sich an der Französischen Straße, gleich neben dem Borchardt, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, um Projekte zu planen, um sich zu vernetzen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, oder einfach nur, um zu entspannen. In den ersten beiden Tagen dabei: Kulturjournalisten wie Wolfgang Herles (Aspekte/ZDF), Dieter Moor (Titel, Thesen, Temperamente/ARD), Star-Reporter wie Hendrikje Kopp (RTL) und Inga Grömminger (BZ), Berlin-Liebhaber wie Alfred Biolek und der russische Botschafter Vladimir Kotenev und seine glamouröse Frau Maria, Schauspieler Hannes Jaenicke, Max von Pufendorf, Thekla Reuten, Robert Stadlober und Barbara Philipp, Start-up-Unternehmer wie Kolja Hebestreit (Team Europe) konferiert mit Kollegen, Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger diskutiert mit Produzenten. “How We Met”: Victoria Aitken, der englische Popstar, die mit ihrem im Internet veröffentlichten Song “I’ll Be Your Bitch” die Charts stürmte, fachsimpelt mit Schauspielerin und Sängerin Sharon Brauner. Isa Gräfin Hardenberg, Ko-Gastgeberin der Lounge, stellt mir den israelischen Unternehmer Zvi Heifetz vor, ehemaliger Botschafter seines Landes in London. Der berichtet von der – filmreifen – dramatischen Lebensgeschichte seiner in Berlin geborenen Mutter.

“Love Berlin”, zu Zeiten der Berlinale schreibt die Stadt eben die besten Geschichten …

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Beate Wedekind: Klimawandel

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