So ein Zirkus!

von Beate Wedekind11.01.2010Gesellschaft & Kultur, Medien

Die internationalen Boulevardmedien frohlocken, die Auflage des ersten Quartals 2010 ist gerettet. Und das nur, weil ein rücksichtsloser Ehemann sich nicht zu blöd vorkommt, öffentlich mit einer neuen Flamme zu flirten.

Seine Königliche Hoheit Ernst August Prinz von Hannover, 55, ist so frei und lässt sich beim fröhlichen Planschen mit einer unbekannten Schönen im thailändischen Phuket fotografieren. Bezeichnenderweise an einem Strand mit dem schönen Namen Freedom Beach. So what?! Der Mann ist noch verheiratet und das mit einer der bekanntesten Frauen der Welt. Ihre Königliche Hoheit Caroline Prinzessin von Hannover, 52, geborene Prinzessin von Monaco, die gemeinsame Tochter ist gerade mal zehn, die anderen fünf Kinder aus früheren Ehen der beiden sind aus dem Haus. Aus ist’s, so scheint’s – weltweit dokumentiert durch die Fotos eines verliebt miteinander schäkernden Paares. Wenige Tage vor dem 53. Geburtstag der Ehefrau und dem elften Hochzeitstag Ihrer Hoheiten. Paris Match, das französische Reportageblatt, seit Jahrzehnten gut für exklusive Klatschstorys aus Monaco, hat mal wieder die Vorreiterrolle gespielt, als erstes die Fotos abgedruckt und so eine weltweite Maschinerie angeworfen. Paris Match war früher mal so was wie das offizielle Organ der Grimaldis, schließlich hatte ein Redaktionsdirektor des Magazins Grace Kelly, den Hollywoodstar, und Rainier, den Fürsten, einander vorgestellt. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Der Boulevard jubelt

Bunte und Bild sind in Deutschland als Erste aufgesprungen, aber mittlerweile jubeln alle Boulevardmedien. Und so funktioniert das: Das eine Blatt zitiert das andere, natürlich unter ausführlicher Nennung der Quelle, genau in der maximal möglichen Zeilenzahl, druckt die Seiten mit den kompromittierenden Fotos inklusive des gut sichtbaren Logos der Zeitung oder der Zeitschrift ab – beides ist nicht justiziabel. Ein nicht aufzuhaltendes Karussell der gegenseitigen Nennungen. Eine gegenseitige Auflagenbefruchtung, die besonders gut bei royalen Dramen funktioniert. Das Scheitern einer Ehe ist beinahe so ergiebig wie eine tödliche Erkrankung oder gar der Tod. Menschliches Leid in den europäischen Königshäusern lässt sich schon immer ideal ausschlachten.

Immer richtig temperiert

Der traurige Zustand der Ehe derer von Hannover lässt sich nun wochenlang trefflich rauf- und runterdeklinieren. In wohldosierten Häppchen, damit die Story lange heiß bleibt. Wenn die Nachricht keine Nachricht mehr ist und alle Kommentare – und die werden bis in die Feuilletons vordringen, denn die Boulevardisierung ist dort ja längst angekommen – geschrieben, dann folgen die Psycho- und Beraterstücke, die Sammelstorys, in denen andere royale Dramen wieder aufgewärmt werden. Die Analysen über die Auswirkung einer Scheidung auf die Thronfolge in Monaco und auf die gerade anstehende Fortsetzung des Prozesses um eine Prügelei im kenianischen Lamu, in die der temperamentvolle Prinz 2000 verwickelt war, dient schon jetzt als Information für allfällige Informationskästen. Wie drehen wir das Thema weiter, heißt die Frage in den Redaktionskonferenzen, wer kann Zitate besorgen von Freunden des Paares, wann gibt es ein offizielles Kommuniqué vom Palast, wann wird das Aus der Ehe verkündet? Und was wird die düpierte Ehefrau tun? Sie wird sich zurückziehen – und schweigen. Wenigstens eine, die Stil hat in diesem ganzen Zirkus.

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