Das neue Jahr mit Freunden und Fremden

von Beate Wedekind4.01.2010Gesellschaft & Kultur

Am ersten Tag des neuen Jahres hat sich im Atelier eines Berliner Malers am Nachmittag ein Dutzend Gäste versammelt, eine Mischung, wie sie nicht typischer für die neue Berliner Gesellschaft sein kann – kosmopolitisch, eigenwillig, offen …

… eine deftige Kartoffelsuppe köchelt auf dem Herd, köstlicher Riesling und kühles Bier helfen über den Nachdurst hinweg, gemeinsam mit einer kleinen, aber vergnügten Müdigkeit, Überbleibsel der durchfeierten Silvesternacht.

Fünfzig Jahre Altersspanne

Der Gastgeber, geboren in Madrid, aufgewachsen in Paris, studiert in London, gearbeitet in New York, seit zehn Jahren in Berlin, ein geistreicher, kritischer, streitbarer Zeitgenosse, hat in seinem Freundes- und Bekanntenkreis rund gerufen. Einige begegnen sich gerade zum ersten Mal. Es wird englisch, deutsch, spanisch und russisch gesprochen. Die Jüngste ist Anfang 20, Modedesignerin, frisch zugezogen aus New York. Im Gespräch stellt sich heraus, dass ihr Großvater einer der Songwriter von Elvis Presley und Willie Nelson war. Sein “Always on My Mind” kennt jeder in der Runde. Jean, ein stiller Schweizer, entpuppt sich als großartiger Sänger. Er ist Schauspieler ohne Engagement und verdient sich seine Brötchen als Fahrradkurier. Der Älteste der Gäste, ein Filmregisseur, an die 70, feste Größe in der Kultur der Stadt, berichtet über die wechselvolle Geschichte des Hauses, in dem wir uns befinden und in dem er seit den 80er-Jahren lebt. Erbaut im ausgehenden 19. Jahrhundert für die Rittmeister einer nahen kaiserlichen Kaserne, in den 60er-Jahren Herberge einer Politkommune, später im Hinterhof Asylantenheim, heute Heimat für Familien der unterschiedlichsten Nationalitäten. Ein junger Regisseurskollege aus Barcelona berichtet von seiner Dokumentation über Kunstsammler, Barbara, die Schauspielerin, über ihre Dreharbeiten für einen neuen “Tatort”. Wir sprechen über “Klimawechsel”, die TV-Serie von Doris Dörrie über Frauen in den Wechseljahren, die ausgerechnet das ZDF, nicht gerade bekannt für seine junge Zielgruppe, auf einen Sendeplatz nach Mitternacht zu verbannen gedenkt.

Porträts von unglaublicher Intensität

Der Gastgeber und ein Wiener Verleger vertiefen sich in einen Fotoband, eine Trouvaille, die er in einem Antiquariat entdeckt hat. Die Originalausgabe von “East 100th Street” zeigt die Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Magnum-Fotografen Bruce Davidson aus dem New York des Jahres 1970, Porträts von unglaublicher Intensität. In der Küche hat sich ein Grüppchen um zwei äthiopische Brüder, Studenten der Informatik, geschart. Ihre Eltern waren vor den Kommunisten nach Kanada geflohen. Vor Kurzem hatten sie zum ersten Mal das Dorf ihrer Großeltern besucht. Der eine zückt sein Handy und zeigt ein Video. Mädchen, die am Fluss sich und ihre Kleider waschen. Eine alte Frau, die einen schweren Tonkrug schultert. Ein russischer Freund, zu Besuch aus Sankt Petersburg, macht rasch ein Telefonat in seiner Muttersprache, erzählt dann, dass sein Vater, ein Techniker, tatsächlich just in diesem Dorf in den 80er-Jahren als sowjetischer Experte gearbeitet hatte. Small world. Irgendwann bringt einer das Gespräch darauf, was uns wohl aus dem vergangenen Jahrzehnt als neu im Gedächtnis haften bleiben wird. Wir sammeln: Coffee to go, Easy-Jet, MP3-Player, iPhone, Facebook, Strandbar, Heizpilz. Die junge New Yorkerin trifft den Nagel auf den Kopf, spricht von der unaufhaltsam fortschreitenden Aufhebung von Distanz und von der Sehnsucht danach, sich nicht vollends vereinnahmen zu lassen. In diesem Sinne: auf viele solcher entspannten Nachmittage mit interessanten Freunden und Fremden!

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