Turn back the clock – Stil ist Stil ist Stil

von Beate Wedekind14.12.2009Gesellschaft & Kultur

Über den Geburtstag der Society-Fotografin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, bekannt als Mamarazza.

Wenn man seit fast 30 Jahren als Gesellschaftsreporterin unterwegs ist, dann kommt es vor, dass man sich plötzlich in einer Situation befindet, die zwar im Hier und Heute passiert, aber gleichzeitig ein Flashback ins Gestern ist und ein Ausblick auf morgen. Was Wunder: Ich möchte heute von einem 90. Geburtstag berichten, dem einer Dame der Gesellschaft, mit der ich 1981, also vor 28 Jahren, zum ersten Mal zusammentraf. Das Geburtstagskind ist Ihre Durchlaucht Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, geboren am 9. Dezember 1919 als Baronesse Meyer-Melnhof auf Schloss Glanegg bei Salzburg, Urenkelin der Kaiserin Sisi. Mein Respekt gilt der Mutter von fünf Kindern, der Großmutter von 20+, der Urgroßmutter von 30+, der Ururgroßmutter von einem halben Dutzend Jungs und Mädchen. Das Fest zu Ehren ihres 90. findet in Salzburg statt, in den prachtvollen mehr als vier Meter hohen Salons einer Galerie, deren Wände zu ihren Ehren in ihre Lieblingsfarbe Kornblumenblau getüncht worden sind und geschmückt mit den Fotos ihres Lebens. Sie, die Fürstin, ist nämlich vor allen Dingen Fotografin, weltbekannt als Mamarazza, wegen all der Fotos, die sie seit den 60er-Jahren in der internationalen High Society schoss und in Illustrierten wie der Bunten veröffentlichte – weil sie, die Witwe, ihren Lebensunterhalt verdienen musste. So wurde sie, die Durchlaucht, meine Kollegin, als ich, Newcomer im Society-Circle, von Herzen neugieriges Kind des Ruhrpotts, anfing, für meine Gesellschaftskolumne Anfang der 1980er-Jahre die Welt zu durchforsten. Die Fürstin und ich, wir zogen gemeinsam um die Welt. In St. Tropez durften wir bei Gunter Sachs hoch über der Bucht von Ramatuelle exklusive Fotos von seinem neugeborenen gehandicapten Sohn machen, während uns seine Frau Mirja von der großen Aufgabe berichtete, ein solch spezielles Kind großziehen zu dürfen. In St. Moritz nahm sie mich mit in den Suvretta-Kreis des Schahs von Persien und von Gianni Agnelli; in Gstaad stellte sie mir Elizabeth Taylor und Roger Moore vor.

Ave Maria über dem Meer

Wir flogen nach Hawaii, um drei Tage mit Ferdinand und Imelda Marcos zu verbringen. Nie vergesse ich diese Stunde, als wir mit der ehemaligen First Lady der Philippinen und einigen Lakaien in einer eilig aufgebauten Wellblech-Kapelle die Heilige Messe für den ehemaligen Diktator feierten. Anschließend nahm die Frau des Diktators die Fürstin und mich am Arm und führte uns hoch auf die Klippen über dem Meer, nur um mit uns das Ave Maria zu singen. Ich fühlte mich wie in einem anderen Film, aber: Ich genoss den Moment, der in meinen Memoiren eines Tages ein Kapitel bekommen wird. Jetzt aber, zum 90. Geburtstag dieser leidenschaftlichen Reporterin, waren die gekommen, die ihr die Treue gehalten haben als Mensch, als Frau, als Respektsperson, als Künstlerin: Gunter Sachs und Ferdinand, der Fürst von Bismarck, die entzückende schlitzäugige Witwe Lady Rothermere, der alerte Kunsthändler Thadeucz Ropac, die Enkel, die heute im internationalen Banking und im Internet-Business ihre Erfolge feiern.

90 Jahre Interesse

Was dieses Fest so modern machte? Weil es um Erlebnisse ging, die egal ob heute oder gestern, das Leben ausmachen. Und weil diese jungen Leute all die alten “Säcke” permanent neugierig befragten und weil diese Fürstin trotz ihrer 90 Jahre überaus interessiert am Morgen ist. Sie fragt an diesem Abend jeden, was sie oder er denn mache in der nächsten Zeit – und sei es, um anzumelden, dass sie gern dabei wäre. Im Angebot: eine Partie auf einem Segelschoner des Baujahrs 1912 durch die Ägäis, ein Diner im Adlon während der Berlinale und eine Sommerwoche in Ramatuelle hoch über dem Strand von St. Tropez. PS: Einen Abend zuvor war ich Gast auf einem “Event” in Hamburg. Ich werde den Anlass und den Ort nicht nennen. Nur soweit: Es war laut und langweilig und nicht der Rede wert.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die Bluse zu!

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminismus

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Busen starren

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deutsche Seelenhygiene

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu