Mehr als Small Talk

Beate Wedekind30.11.2009Gesellschaft & Kultur

Über vorweihnachtliche Berliner Eindrücke.

Was man so alles hört, wenn man in dieser Hochzeit der vorweihnachtlichen Cocktails und Empfänge beinahe täglich unterwegs ist in Berlin. Viel Small Talk, über den man sich amüsieren kann oder den Kopf schütteln, über ignorante Anmerkungen zur Krise, über die störrischen Kinder und die verzogenen Hunde, über den Nachbarn, der sich in seinem Garten einen Tunnel zu seiner Garage baut, damit er die 20 Meter zum Haus vor Wind und Wetter geschützt zurücklegen kann. Was man aber auch so alles erfährt, das wert ist, darüber nachzudenken in diesen Tagen der Ruhe vor dem Sturm, bevor sie zur Feiertagsvorbereitungshektik mutieren.

Das Beste geben

Weisheiten, wie die von Enoch zu Guttenberg, dem Dirigenten und Vater des Verteidigungsministers K-T zu G. Nach seinem Verdi-Konzert in der Philharmonie zugunsten von Innocence in Danger, einer internationalen Initiative gegen den Missbrauch von Kindern im Internet, antwortet er bei einem Empfang auf die Frage, ob es für ihn denn noch immer ein besonderes Erlebnis sei, solch frenetischen Applaus entgegen nehmen zu können: “Wir versuchen, was jeder immer versuchen sollte: sein Bestes zu geben.” Neuigkeiten, wie die von Bernd Schultz, dessen Berliner Auktionshaus Villa Grisebach in der feinen Fasanenstraße zu einer der ersten Kunstadressen der Welt gehört. Bei einem adventlichen Brunch in einem Berlin-Mitte-Penthouse von gemeinsamen Freunden berichtet er berstend vor Stolz von seiner eigenen neuesten Errungenschaft: Zusammen mit zwei Partnern hat er das Neuköllner Kieztheater Heimathafen an der Karl-Marx-Straße neu zum Leben erweckt.

Engagiertes, Ansteckendes, Nachdenkenswertes

Engagiertes, wie der erste Erfahrungsbericht von Heike Maria von Joest, der neuen Vorstandsvorsitzenden der Bürgerstiftung Berlin, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, damit sie mit ihrer ganzen Kraft selbst die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft in die Hände nehmen können. Ansteckendes, wie die Begeisterung, mit der Roland Emmerich bei einem Dinner im Borchardt von seinem neuen Filmprojekt spricht, bei dem es um die spannende Frage geht, ob William Shakespeare seine Werke auch tatsächlich selbst verfasst habe. Emmerich, der mit “2012” sein vorläufig letztes Weltuntergangsszenario gedreht haben will, zieht für einige Monate von Los Angeles nach Berlin. Und entdeckt gerade voller Neugier die Stadt. Nachdenkenswertes, wie die Anmerkung von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck (“Das Leben der Anderen”), der bei einer Lecture in der Neuen Nationalgalerie “Über das Deutsche am Filmemachen” über Berlin sagt, dass die deutsche Hauptstadt einer der wenigen Orte der Welt sei, dem er keine schlüssige Farbwelt zuordnen könne. Als eine Zuhörerin kontert, dass für sie in Berlin eine klare Farbe vorherrsche, nämlich das Grau, erntet sie von einer anderen als Kommentar: “Dann schauen Sie nicht richtig hin.” Schauen wir doch in diesen Tagen einmal wieder richtig hin auf diese Stadt, deren Reiz in den vielschichtigen Kontrasten liegt und in den Möglichkeiten, die sie demjenigen bietet, der danach Ausschau hält.

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