Haltung lässt sich leichter bewahren als wiedergewinnen. Thomas Paine

This is it. Michael Jackson, dance or die – tanz und stirb …

Michael Jackson mit 25. Eine Begegnung im Morton’s Restaurant.

Es war zwei Uhr am frühen Morgen des 10. April 1984. Nach der 56. Oscarverleihung war ich von Swifty Lazar, dem legendären Agenten der Stars, zum supper in Morton’s Restaurant eingeladen. Die Party war im Begriff sich aufzulösen, nur am Tisch des Gastgebers wurde noch fröhlich Champagner getrunken. Was für eine Runde! Shirley MacLaine und Jack Nicholson mit ihren Oscars für “Zeit der Zärtlichkeit“, Barbra Streisand und Michel Legrand, der “Yentl“-Komponist, auch er seinen Oscar fest in der Hand. Swifty sah mich, die junge Society-Reporterin aus Deutschland, stand auf und küsste mir zum Abschied die Hand.

Noch ganz beseelt von dem überaus interessanten Abend stand ich im Vorraum, als ein junger, fragiler Schwarzer schnurstracks auf mich zu kam: Michael Jackson. Allein! Er, damals 25 und schon Thriller-Star, fragte mich, die Fremde, scheu, ob Barbra noch da wäre. Ja, antwortete ich, sie sitzt da hinten. Da nahm er mich sanft am Arm und bat: “Kannst Du mich bitte begleiten?” “Of course!” Er fragte nach meinem Namen und wo ich her käme, hakte sich bei mir unter, und gemeinsam liefen wir durch den fast leeren Raum. Federleicht fühlte er sich an; und ich schwebte auch – vor Reporterglück.

Das ist Beate, eine Freundin aus Germany, stellte Michael Jackson mich vor. Ich wurde rot, denn Swifty, der Gastgeber, wusste ja, dass das nicht die Wahrheit war. Er nahm mich beiseite, und ermahnte mich: “Ich vertraue auf Deine Diskretion.” Dann durfte ich neben Jack Nicholson Platz nehmen. Der sah, wie ich seinen Oscar anstarrte und drückte ihn mir grinsend in die Hand: Touch gold, girl, sagte er.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zu so später / früher Stunde klatschten meine Hollywood-Helden wie die Waschweiber über Personal und Kollegen, über Geld, Yachten, Aston Martins und andere Leidenschaften. Michael Jacksons Schüchternheit, die ihn daran gehindert hatte, den Raum im Morton’ss allein zu durchqueren, war verflogen. Er kicherte wie ein kleiner Junge und flüsterte Barbra immer wieder etwas ins Ohr, was sie auf jauchzen ließ.

Es war nach vier, als alle aufbrachen. Michael Jackson bestand darauf, mich nach Hause zu bringen und öffnete mir vor dem Beverly Hills Hotel selbst galant den Schlag seiner Limousine, hauchte: Thanx. Seit diesem Abend hatte ich ihn – of course – in mein Herz geschlossen.

Mein Michael Jackson

Wenn ich über diese Episode nachdenke, über diese Zeit, in der sein Leben noch im Lot zu sein schien, zumindest so weit, dass er sich traute, eine Fremde anzusprechen, und über die Isolation, in der er als maskenhafte Marionette, als sprachloser Alien seine letzten Lebensjahre verbrachte – dann war und bin ich traurig und irritiert.

Mehr als 25 Jahre sind seitdem vergangen. Und wieder war es 2 Uhr morgens am vergangenen frühen Mittwoch, als ich “meinen“ Michael Jackson im großen Kinosaal 8 des Cinestar am Berliner Potsdamer Platz wieder sah. Das Kino war bis auf den letzten Platz gefüllt, als das Licht ausging für “This is it“, den grandiosen Film von den Proben für seine ausverkauften Londoner Konzerte, die die größte Show aller Zeiten hätte werden können! Da wirbelte dieser mit ultimativen Talenten gesegnete Künstler über die Bühne, tanzte und sang mit Präzision und Leidenschaft topfit, hellwach, sehr lebendig. Die im Vorfeld viel kommentierten Schwächen des 50Jährigen? Nichts! Michael Jackson in seinem Element, auf der Bühne, wahrscheinlich dem einzigen Ort, an dem er das war, was er für alle Zeiten bleibt, trotz aller Merkwürdigkeiten seines Lebens: der größte Popstar aller Zeiten Ich war und bin fasziniert. This is it ist noch wenige Tage im Kino! Dass er wenige Tage nach diesen Bildern starb, ist jetzt unfassbarer denn je.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Beate Wedekind: Klimawandel

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