Mein Mann des Jahres

von Beate Wedekind28.12.2009Außenpolitik, Innenpolitik

Das erste Mal nahm ich Karl-Theodor zu Guttenberg in absentia wahr. Es war im Sommer 1997 in Neubeuern am Chiemsee. Für die Recherche zu meinem Buch “Alpine Interiors” hatte Enoch zu Guttenberg, Dirigent, Chorleiter, kämpferischer Homo politicus, engagierter Umweltschützer, Vater zweier Söhne, mir in seinem Landhaus freie Hand gelassen …

… wir kannten uns durch einen Freund, dessen Organisation “Artists United for Nature” wir beide unterstützten.

Schließlich wollte ich Details über die exquisite Einrichtung des 1887 erbauten Hauses wissen. Er aber sprach nur von seinen Söhnen – die er, nachdem ihre Mutter ihn verlassen hatte, als die beiden 6 und 4 waren, allein erzog – und welch unterschiedliche Lebenswege sie gerade einschlugen.

Er kannte nur ein Ziel- Politiker werden

Der jüngere, der stillere, (“ein Grüner wie ich”) hatte Ökologie studiert und bewirtschaftete mit 24 bereits ein großes Forstgut. Karl-Theodor, der ältere und eloquentere, studierte Jura und Politik (“ein Schwarzer wie sein Großvater”) und kannte nur ein Ziel, Politiker zu werden. Karl-Theodor zu Guttenberg senior war in den 1970ern ein profilierter Außenpolitiker. Enoch zu Guttenberg: “Die Latte liegt hoch.”

Fünf Jahre später in meinem Büro in Berlin-Mitte. Karl-Theodor zu Guttenberg, 31 und Journalist bei der Welt, nimmt mich mit auf eine sehr persönliche Tour d’Horizon. Studium abgeschlossen, in der CSU auf Landesebene erfolgreich, Familie gegründet. Seine Frau Stephanie, geborene Bismarck, ist gerade mit dem zweiten Kind schwanger. Der nächste Schritt steht an: seine Wahl in den Bundestag.

Ob ich mitarbeiten wolle, fragt er mich. Bisher hatte ich nur für Film- und Fernsehstars PR gemacht, ihn störte das nicht. Mich auch nicht: Sein Star-Potenzial war offensichtlich. Und so erarbeiteten wir mit seinem Team sein öffentliches Profil, seine Webseite, entwarfen Plakate und Flyer, machten Fotos, texteten und diskutierten über seine Auftritte. Er kämpfte mit Verve und Offenheit und gewann seinen Wahlkreis mit sensationellen 63 Prozent.

“Will mit 40 Bundesminister sein!”

Seitdem verfolgte ich, dass “mein” Jungpolitiker auch die kleinen Schritte hinter den Kulissen der großen Politik ernst nahm und wie akribisch er sich eine außen- und verteidigungspolitische Expertise erarbeitete.

Jetzt habe ich die Ordner von damals noch einmal hervorgeholt und auch meine Notizen von unserem ersten Gespräch studiert. “Kein Schwätzer, jungenhaft erwachsen. Worte wie Prinzipienfestigkeit gehen ihm – 31! – glaubhaft über die Lippen”, hatte ich mir aufgeschrieben. Und: “Will mit 40 Bundesminister sein!”

Er war 38, als er zum Wirtschaftsminister vereidigt wurde. Auch in meinem Bekanntenkreis wird natürlich heftig darüber diskutiert, ob zu Guttenberg sich denn halten werde bei dieser Auseinandersetzung um den Vorfall in Kundus und die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan. Ich kann dann nur unsere Gespräche ganz am Anfang seiner Karriere und seine schon damals unumstößliche Geradlinigkeit in die Waagschale werfen.

Neulich dirigierte Enoch zu Guttenberg in der Berliner Philharmonie zugunsten von “Innocence in Danger”. Stephanie zu Guttenberg, die Präsidentin der Organisation gegen Kindesmissbrauch im Internet, hielt eine engagierte Rede. Beim anschließenden Empfang gratulierte ich Karl-Theodor zu Guttenberg – und meinte eigentlich seine neue Aufgabe als Verteidigungsminister. Er strahlte und sagte: “Ja, das hat sie gut gemacht.”

Auf Stern.de kommentierte neulich ein Manfred M.: “Wenn Guttenberg Kanzler wird, dann bleibe ich in Deutschland.” Meiner Meinung nach kann dem Mann geholfen werden.

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