Ich bin Europäer aus Leidenschaft

von Beate Wedekind18.10.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Eine weit ausholende Geste, ein entschiedenes Kopfnicken und ein stolzes, breites Lächeln, das sein ganzes Gesicht erfasst, unterstreicht die Bedeutung, die dieser Satz für Alfred Biolek hat.

Im Sommer 75 geworden und soeben mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, ist er gerade von einer Europareise zurück gekommen, die, Grundlage für ein Buch, ihn von Berlin aus nach Wien, Rom, London, Athen, Paris und Lissabon geführt hat. Allesamt Stätten, zu denen er im Laufe seines spannenden Lebens, besondere persönliche Beziehungen aufgebaut hat.

Mutter der Melancholie

Was ihn so fasziniert an diesen Orten, die er immer wieder und immer intensiver bereist hat, bis sie ihm vertraut wurden wie ein Stück Heimat: die Bohème und die Nonchalance in Wien, dieser Schnittstelle zwischen Ost und West. Die Schönheit Roms und des Vatikans, die für ihn, den geborenen Katholiken, eine besondere Bedeutung hat. Die Theaterszene in London und die Freiheiten, die man dort ausleben kann, und den britischen Humor. Athen als moderne Stadt der Antike, in Griechenland hat er mehr als 30 Sommer verbracht. Paris und sein unvergleichlich genussvolles savoir vivre. Lissabon, die alle Welten verbindende Metropole der Seefahrer und Mutter der Melancholie. Und schließlich Berlin – die wieder vereinigte deutsche Hauptstadt, die für ihn Europa schlechthin ist, die europäischte aller europäischen Metropolen. Für ihn die Traumstadt an sich, spät aber umso heftiger entdeckt als Mittelpunkt seines Lebens.

Überzeugte Europäer unter sich – die Freundschaft mit Rudi Carrell

Der Weg des European Citizen Biolek begann im Osten des alten europäischen Kontinents, im böhmischen Fryštát (Freistadt) in der damaligen Tschechoslowakei, wo er 1934 geboren wurde, führte nach dem 2. Weltkrieg den Knaben Alfred am Ende einer abenteuerlichen Flucht ins schwäbische Waiblingen. Studienjahre in Stuttgart, Freiburg, München und Wien, als Jurist kurz in Mainz lebend. Dann sich als TV-Produzent in München etablierend, wo es ihm Anfang der Siebziger Jahre gelang, die German Episodes von „Monty Python’s Flying Circus“ ins deutsche Fernsehen zu bringen. In Köln traf er auf einen anderen überzeugten Europäer, den Holländer Rudi Carrell, dessen TV-Show „Am laufenden Band“ Biolek produzierte – und wo sich seine eigene Karriere vor der Kamera als d e r Talkshow-Moderator und Entertainer (und hinter der Kamera als einer der erfolgreichsten deutschen TV-Produzenten) manifestierte. Der rote Faden seines Lebens aber war und ist: Reisen, Reisen, Reisen – sich Europa und die Welt erobern, den Horizont erweitern, Menschen entdecken. Und jetzt das junge Europa. Mitten in Mitte, in Berlin-Mitte, versammelt Alfred Biolek, der elder statesman des Entertainment, gern Menschen um sich, junge und solche, die jung im Geist sind, Menschen, die seine Leidenschaften teilen, für Berlin und Europa, für Afrika, wo er mit seiner Stiftung Gutes tut, für das gute Essen und den guten Wein und die Musik und die Literatur und die Fotografie und die Kunst, Menschen eben, die in der Lage sind, dem Leben genussvolle Seiten abzugewinnen.

Zauberflöte in der Berliner U-Bahn

Wir sitzen in einer Runde junger Filmemacher und Journalisten am langen Esstisch seiner ebenso eleganten wie gemütlichen Altbauwohnung. Er springt von einer Begegnung mit Ella Fitzgerald im Köln der Siebziger Jahre zu seinem aktuellen Engagement im E-Werk, wo er – unter der Regie von Christian Wagner, der mit seiner Inszenierung der „Zauberflöte“ in der Berliner U-Bahn Furore machte -, demnächst als Fernsehmoderator einer schrillen Hochzeits-Show „Cosi fan tutte – Sex in the City“ auf der Bühne stehen wird. Was ihn dabei am meisten begeistert? Die unglaubliche musikalische Kraft, die Christian Wagner mit großem Orchester und großem Chor entwickelt. Alles Europäer – in Berlin, und mitten drin ein verschmitzter 75-Jähriger, der jung ist und leidenschaftlich.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Fünf Gründe, die für die E-Mobilität sprechen

Die Absatzzahlen steigen sprunghaft. Die Batterietechnik meldet Durchbrüche. Die Produktion von E-Autos wird ab sofort in gewaltige Volumina vorstoßen. Branchenexperten sprechen vom „Take-off“ der E-Mobilität.

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu