Neues vom Zürcher Filmfest

von Beate Wedekind4.10.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Roman Polanski verhaftet, Til Schweiger taucht erst gar nicht auf und die bessere Gesellschaft der kleinen Schweizer Metropole freut sich der weltweiten Beliebtheit ihres Festivals: das Zürcher Filmfest war für Beate Wedekind ein Erfolg in vielfacher Hinsicht.

Das Leben ein Film? Ja! Wenn man, wie ich, gerade vom 5. Zurich Film Festival in den Berliner Alltag zurück kehrt; inspiriert von den Begegnungen, den neuen Bildern, die sich zu einem / meinem Film der europäischen Gesellschaft aneinander reihen.

Fünf Episoden

Es sind fünf Episoden, die sich in diesen sonnigen Frühherbsttagen zu einem Gesellschaftsdrama zusammenfügen. Der Anfang? Ein Krimi. Das Ende? Happy. Episode 1, am Vorabend des Festival: Da sitzt ein kleiner, alter, weltberühmter Mann in einer wenig komfortablen Gefängniszelle, kein Telefon, kein Fernseher, kein Zürcher Geschnetzeltes. Roman Polanski, der der Star des Festivals hätte sein sollen, bei der Einreise in die Schweiz verhaftet! Wegen einer alten „Sache“, wie die Intellektuellen der Welt sich befleißigen werden, das schäbigste Kapitel seines an bösen und guten Zeiten reichen Lebens zu benennen. Polanski hat – vor 32 Jahren mit 43 ein 13-jähriges Mädchen unter Drogen und Alkohol gesetzt und aufs brutalste vergewaltigt, sich der Strafe bisher erfolgreich entzogen. Episode 2, am Morgen danach: 30 junge aus aller Welt angereiste Filmemacher, die Teilnehmer der Zurich Master Class, warten auf Polanski. Lehrstunden mit den Besten des internationalen Films. Mit Monty Python Terry Gilliam, Easy Rider Peter Fonda, Batman Michael Keaton, mit Morgan Freeman, der schwarzen Ikone des amerikanischen Films. Statt Polanski stellen sich Nadja Schildknecht und Karl Spoerri, die Macher des 5. Zurich Film Festival, vor die jungen Leute, berichten von der Verhaftung. Schock, Schweigen, Entsetzen, und dann greifen alle zu ihren Iphones, schicken per SMS und Twitter die Nachricht um die Welt. Episode 3, wenige Tage später, abends: Auf dem Roten Teppich vor dem Festivalkino geht strahlend schön Nadja Schildknecht, 36, glamouröse Mitgründerin des Festivals, Peter Fonda entgegen, der auf einer Original Easy Rider Harley Davidson der Dyna-Reihe vorfährt, auf dem Sozius eine originelle Dame der Zürcher Gesellschaft und deren Hündchen. Blitzlicht, Fotos, Küsschen hier, Umarmung da, weiter im Text: 40 Jahre nach der Weltpremiere „Easy Rider“ für einen guten Zweck, Peter Fonda unterstützt „Ärzte ohne Grenzen“. Fonda lobt Schildknecht für die hervorragende Organisation des Festivals. Die muss sich wegen ihres spektakulären Aussehens ansonsten eher Attribute wie Model, Muse, Männertraum gefallen lassen. Schöne Frauen, die tüchtig sind, haben es nie leicht. Episode 4, der achte Festivaltag: Til Schweiger, der die Jury des Deutschsprachigen Spielfilmwettbewerbs leiten sollte, legt sein Amt wegen Grippe nieder, reist gar nicht erst nach Zürich an. Enttäuschung bei den jungen Filmemachern, deren Filme er hätte beurteilen sollen. Am Morgen hatte es in den Boulevardmedien noch vergnügte Bilder von Schweiger mit neuer Freundin bei der Berliner Premiere von Simon Verhoevens Film „Männerherzen“ gegeben … Episode 5, Preisverleihung des 5. Zurich Film Festival: Überglücklich steht der junge Berliner Regisseur Lancelot von Naso, 33, auf der Bühne. Sein Debutfilm WAFFENSTILLSTAND hat den begehrten Publikumspreis gewonnen. Keine leichte Kost, spielt im Irak, erzählt vom Krieg aus der Perspektive von Berichterstattern, Helfern und der Not leidenden Bevölkerung. Später spricht ihn US-Star Michael Keaton an, der 2002 mit LIVE AUS BAGDAD selbst einen beeindruckenden Irak-Film vorgelegt hatte. Die Kolumnistin könnte mit der Ausbeute des 5. Zurich Film Festival zufriedener nicht sein: Sie begleitet von Nasos Film publizistisch.

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