Wenn der Mensch nur noch Multitasking macht, dann kommt er nicht mehr zum Nachdenken. Frank Schirrmacher

Sechs Erkenntnisse aus der Vorrunde der Fußball-EM

Die Vorrunde der Fußball-EM ist gespielt. Erstmals traten dazu 24 statt 16 Teams an. Erste Erkenntnisse lassen sich bereits aus dem bisherigen Turnierverlauf ziehen. Kleine Teams gibt es nicht, Außenseiter wie Island, Ungarn oder Wales machten auf sich aufmerksam. Die großen Namen taten sich unerwartet schwer und alles deutet auf eine spannende K.O-Runde hin.

Hooligans gefährlicher als Terror

Was wurde im Vorfeld über die mögliche Terrorgefahr bei der Fußball-EM geredet. Klar, im Hinterkopf sind noch die Ereignisse von Paris im letzten Jahr. Doch Schlagzeilen machten bisher nur die Hooligans. Am schlimmsten wüteten dabei die Fans aus Russland, bei einem erneuten Zwischenfall drohte sogar der Ausschluss der russischen Nationalmannschaft aus dem Turnier. Mit dem sportlichen Ausscheiden hat sich das nun erübrigt. Auch deutsche Fans randalierten in Lille beim ersten Vorrundenspiel.

Bei diesem starken Hooliganismus stellt sich die Frage, ob die französischen Sicherheitskräfte ausschließlich nach Terroristen Ausschau hielten und randalierende Fans nicht auf ihrem Radar waren. Es bleibt zu hoffen, dass der restliche Turnierverlauf ruhiger sein wird.

Topstars kommen nur schwer in Schwung

Cristiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimovic, Thomas Müller, Robert Lewandowski – diese Topstars sollten bei der EM groß aufspielen. Doch sie taten sich sehr schwer und konnten ihren Turbo wenn überhaupt erst gegen Ende der Vorrunde zünden.

Cristiano Ronaldo bekam beim Spiel gegen Österreich, als er mehrere hochkarätige Chancen, inklusive Elfmeter, nicht im Tor unterbringen konnte, eine Menge Häme ab. Immerhin brachte er Portugal mit seinen zwei Toren im dritten Spiel in die nächste Runde. Auch Thomas Müller wirbelte nicht wie gewohnt. Im Spiel gegen Nordirland zeigte er eine ähnliche Chancenverwertung wie der Portugiese gegen Österreich.

Zlatan Ibrahimovic („Wer mich stoppen will, muss mich umbringen“) ließ seinen Sprüchen ausnahmsweise keine Taten folgen und schied mit Schweden sang und klanglos in der Vorrunde aus. Polens Tormaschine Robert Lewandowski wartet schon fast rekordverdächtig lange auf einen Torerfolg. Vielleicht sollte der polnische Trainer ihn ja mal nach der Halbzeit einwechseln (Man erinnere sich an seine fünf Jokertore gegen Wolfsburg).

Es fallen wenig Tore

Es ist bislang noch nicht die EM der Offensivspektakel. Viele knappe Siege kennzeichneten die Vorrunde. Das mag vielleicht auch für die Ausgeglichenheit der Mannschaften sprechen, aber dass kein Sieg höher als das 3:0 der Spanier gegen die Türkei ausfiel, ist dennoch ungewöhnlich. Vom Elfmeterpunkt war die Torausbeute ebenfalls niedrig. Nur zwei von fünf Versuchen gingen ins Tor.
Island überrascht

Island ließ bereits bei der Qualifikation aufhorchen. Die Isländer waren mitverantwortlich, dass wir ohne Holland zur EM fuhren. In der Endrunde knüpften sie an diese Leistung an und blieben in der Vorrunde ungeschlagen. Dank mannschaftlicher Geschlossenheit, die sich bereits in den ähnlichen Nachnamen der Kicker andeutet, sind Sigthorsson, Sigurdsson und Co. auf einem guten Weg, noch den einen oder anderen Favoriten zu ärgern.

Aufpassen in der Nachspielzeit!

Sieben Tore fielen bisher in der Nachspielzeit. Unter anderem schaffte Russland den Last-Minute-Ausgleich gegen England und Wales besiegte die Slowakei in letzter Minute. Last-Minute-Könige waren aber Gastgeber Frankreich. Im ersten Spiel gelang in der 89. Minute der „Lucky Punch“ gegen Rumänien. Gegen Albanien stand es nach 89 Minuten noch 0:0, der Endstand lautete 2:0 für Frankreich.
In der K.O.-Runde gilt also höchste Alarmbereitschaft gegen Ende des Spiels, denn ein entscheidender Fehler kann das Turnieraus bedeuten.

Mit dem Sommer kommt das Märchen

Zu Beginn der EM ließ das Wetter leider meist zu wünschen übrig. Die Public-Viewing-Meilen in den großen Städten waren deswegen häufig nur mäßig besucht. Auch das Fußball-Fieber lässt vielerorts noch auf sich warten. EM-Fahnen an den Autos, große Flaggen an den Fenstern und Leute in Trikots sind noch Mangelware.

In Frankreich ist die Stimmung ebenfalls noch nicht sehr ausgelassen. Das regnerische Wetter hat sicherlich auch in unserem Nachbarland einen Anteil an der Zurückhaltung der Fans. Hoffen wir, dass ein gutes Wetter und spektakuläre K.O.-Spiele die Stimmung anheizen und die Fußball-EM in der zweiten Hälfte so richtig in Schwung kommt!

Der Text erschien auf firstlife

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Markus Ross, Jörg Hubert Meuthen, Andreas T. Sturm.

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