Warum wir eine „Islamologie“ brauchen

von Bassam Tibi26.02.2017Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Die Islamwissenschaft kann die politische Erscheinung des Islamismus in der islamischen Zivilisation nicht erklĂ€ren, gerade weil sie eine Philologie ist, sagt Bassam Tibi. Er plĂ€diert fĂŒr seine „Islamologie“, die die gesellschaftlichen RealitĂ€ten erforscht.

Der Islamismus gehört zu den Basiserscheinungen der islamischen Zeitgeschichte. Der Begriff Islamismus, auf Arabisch al-islamiyya, ist ein neo-arabischer Begriff, der in beiden autoritativen Quellen des Islam – also im Koran und in den Hadithen, also den schriftlichen Überlieferungen des Propheten – nicht vorkommt. Gleichwohl ist dieser Begriff nicht von Westlern geprĂ€gt und zwanghaft als Orientalismus auf den Islam ĂŒbertragen worden. Denn es war Hassan al-Bana, BegrĂŒnder der Muslimbruderschaft und damit der ersten islamistischen Bewegung von 1928, der den Begriff geprĂ€gt hat. Darunter versteht er auf S. 23 seiner gesammelten Schriften[1], dass der Islam ein „nizam islami“ (islamische Staatsordnung) sei, ein System, das alle Bereiche des Lebens durchdringt, diese also als TotalitĂ€t – das heißt: totalitĂ€r – umfasst.

Hiermit will ich die zentrale These dieses Artikels einleiten, nĂ€mlich dass die skriptualistische, also schriftbezogene philologische Erforschung des Islam nicht helfen kann, zu verstehen, was Islamismus ist. Mit dem Credo „sola scriptura“ der Islamwissenschaft als Philologie kommt man kein StĂŒck weiter. Es handelt sich um politische, ökonomische, soziale und kulturelle Erscheinungen (wovon rund zwei Milliarden Menschen in 57 Staaten betroffen sind), die zwar in islamischen Begriffen vorgetragen werden, aber eben nicht um der Skriptur selbst willen.

Als ein Muslim aus Damaskus, der in Frankfurt neben Sozialwissenschaft, Geschichte und Philosophie im Nebenfach auch Islamwissenschaft studiert hat, kenne ich diese akademische Disziplin sehr gut von innen. In meiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit den Islamwissenschaften bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es einen Paradigmenwechsel braucht, um eine akademische Disziplin zu bekommen, die den Islamismus erklĂ€ren kann. Was meint nun Paradigmenwechsel in Bezug auf den Islamismus? In seinem Buch Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen hat Thomas Kuhn die Auffassung vertreten, dass fĂŒr eine Wissenschaft, die nicht mehr in der Lage ist, Sachverhalte erklĂ€ren zu können, ein Paradigmenwechsel notwendig wird. Sowohl bei der Anfertigung meiner Dissertation in den 1960er Jahren als auch meiner Habilitationsschrift in den 1970er Jahren war ich im höchsten Maßen unzufrieden mit dem wissenschaftlichen Instrumentarium der Islamwissenschaft. Deswegen habe ich zu Beginn der 1980er Jahre an einem Paradigmenwechsel gearbeitet. Zwischen 1981 und 2012 habe ich drei Buchtrilogien geschrieben und veröffentlicht, in denen ich die Grundlagen der Islamologie festlege, um einen Paradigmenwechsel anzuregen. Der Widerstand dagegen war und ist bis heute noch sehr groß.

Der zentrale Gegenstand dieses Artikels ist die These, dass die Islamwissenschaft die politische Erscheinung des Islamismus in der islamischen Zivilisation nicht erklĂ€ren kann, gerade weil sie eine Philologie ist. Dagegen kann die entgegengesetzte, auf dem VerstĂ€ndnis von Islam als „fait social“ („sozialer Tatbestand” nach E. Durkheim) basierende Islamologie die Entstehung und Wirkung lokaler islamistischer Bewegungen im Rahmen des ĂŒberregionalen PhĂ€nomens des Islamismus angemessen deuten, weil sie mit sozialwissenschaftlichen und nicht mit philologischen Methoden arbeitet. Kurzum: der Gegenstand der Islamwissenschaft ist die Skriptur; der Gegenstand der Islamologie ist die gesellschaftliche RealitĂ€t.

ZunĂ€chst möchte ich meine analytischen AusfĂŒhrungen mit einer Anekdote veranschaulichen und sie mit einer tagespolitischen Beobachtung assoziieren: eine respektable Monatszeitschrift hat mich 2016 im Internet bei der Vorstellung meiner Person und Arbeit als einen „Islamwissenschaftler” vorgestellt. Auf meinen Protest und meine Bitte hin, die falsche Angabe zu korrigieren und mich als Islamologen vorzustellen, reagierte der betreffende Redakteur verstĂ€ndnislos mit folgender Frage: „Warum diese Besessenheit mit Fremdwörtern, denn schließlich ist der deutsche Begriff Islamwissenschaft besser als das behĂ€bige Fremdwort Islamologie“. Ich war deshalb irritiert, weil ich seit 36 Jahren nicht nur wissenschaftlich, sondern auch publizistisch meinem Leserpublikum den Unterschied zwischen Islamwissenschaft und Islamologie erklĂ€rt habe.

Nicht anders verhĂ€lt es sich mit dem bereits verwendeten Begriff Paradigma. Dieses von Thomas Kuhn eingefĂŒhrte Konzept meint einen Corpus von Theorien, Methoden, Gedanken und Hypothesen, die die Denkweise einer Disziplin dominieren, um mit deren Hilfe einen Gegenstand zu erklĂ€ren. Sobald aber ein Paradigma die wissenschaftliche Leistung einer plausiblen ErklĂ€rung nicht mehr erbringen kann, dann entsteht eine Anomalie. Die Kumulation von Anomalien fĂŒhrt zu einer wissenschaftlichen Krise, die schließlich in einem Paradigmenwechsel mĂŒndet. In der deutschen Öffentlichkeit wird diese Begrifflichkeit dermaßen verhunzt, dass Zeitungen von einem Paradigmenwechsel schon dann sprechen, wenn ein deutscher Politiker seine Meinung Ă€ndert. Mit den Begriffen und Methoden der Islamologie sowie mit dem VerstĂ€ndnis von Paradigma will ich nun an meinen Gegenstand herangehen.

Der Islam ist eine Religion, die die Geburt einer Weltzivilisation anregte und – wie ich in meinem Geschichtsbuch Kreuzzug und Djihad belege – viel mit dem christlichen Abendland zu tun hatte, als Karl der Große die europĂ€ische Zivilisation begrĂŒndet hatte. Zwar gehört der Islam als Religion, Geschichte und Zivilisation – bis auf das andalusische Kapitel in der europĂ€ischen Geschichte – nicht zu Europa. Dennoch hat der Islam mit Europa auf zwei Ebenen viel zu tun. Die erste Ebene ist die der Interaktion beider Zivilisationen und die gegenseitige Wahrnehmung, sowohl negativ als Bedrohung, als auch positiv als Faszination. Diese Ebene reicht zurĂŒck bis ins 8. Jahrhundert. Dann die zweite, zeitgeschichtliche Ebene der Migration aus der Welt des Islam nach Europa, auch nach Deutschland. Mit dieser Migration kommt der Islamismus, der seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 in der Welt des Islam floriert, nach Europa. Seit 2011 schlagen die Völker nicht nur „weit in der TĂŒrkei”, sondern vor allem in Syrien, Irak und Afghanistan aufeinander ein; mittlerweile reichen diese Konflikte auch bis nach Deutschland.

Was kann die Wissenschaft tun? Sie hat die Aufgabe, den Menschen nicht nur zu helfen, ihre Umwelt, Geschichte, Staat und Gesellschaft zu verstehen, sondern auch positiv zu verĂ€ndern. Bei der Geburt der deutschen Islamwissenschaft als akademische Disziplin an der deutschen UniversitĂ€t hat sie in erster Linie den deutschen Interessen gedient. Und was ist daraus geworden? HierfĂŒr möchte ich den promovierten deutschen Islamwissenschaftler Michael LĂŒders zitieren, der in einem ZEIT-Artikel vom 06.01.1995 schreibt: „Der Orientalist klassischer PrĂ€gung versteht sich in erster Linie als Philologe, er ĂŒbersetzt den Orient in Grammatik und Lexikographie 
 die meisten 
 sind deutlich konservativ, das heißt, philologisch ausgerichtet 
 Orientalisten sind Eigenbrötler und logieren gerne im Elfenbeinturm.” Diese Aussage lĂ€sst sich illustrieren an einer der KoryphĂ€en der deutschen Islamwissenschaft: Prof. Tilmann Nagel. Dieser ruft zur Bewahrung der Philologie in der Islamwissenschaft und gegen die Sozialwissenschaft auf. „Die Philologie ist eine Wissenschaft, die jede Beziehung zwischen uns und den Fremden ausschließt.” Und weiter: Philologie „toleriert gewissermaßen die Distanz zwischen uns und den Fremden”. Seine Schlussfolgerung lautet: „Philologie statt Soziologie 
 auch der Fremde wird wieder von Europa fortgerĂŒckt, in dem seine Andersheit betont wird.” Diese Zitate entstammen einer Rede von Tilmann Nagel auf einer Feier der deutschen Islamwissenschaft an der UniversitĂ€t Göttingen, die in der FAZ vom 10.06.1998 veröffentlicht worden ist.

Vor Nagel hat der BegrĂŒnder der deutschen Islamwissenschaft C.H. Becker (1876 – 1933) zusĂ€tzlich zum philologisch-kulturwissenschaftlich dominierten Paradigma Anleihen beim Rassismus genommen: Er hat den homo islamicus sowie die Unterschiede zwischen diesem und dem EuropĂ€er rassenpsychologisch erklĂ€rt. Als Karikatur eines Islamwissenschaftlers erinnere ich mich an eine ARD-Sendung, in der ich als Studiogast mitgewirkt habe, wo es um den von Saddam Hussein erklĂ€rten Djihad im Golfkrieg 1991 ging. Der Islamwissenschaftler verwechselte Vorlesung mit Talkshow, zĂŒckte seine Zettel und las Zitate aus dem Koran vor, um das Verhalten von Saddam Hussein zu erklĂ€ren; also: sola scriptura. Das ist die islamwissenschaftliche skriptualistische Methode. Gegen diese fĂŒhre ich mein historisch-sozialwissenschaftliches Paradigma an, um plausible ErklĂ€rungen fĂŒr die Entstehung des Islamismus bieten zu können.

Die wissenschaftliche Orientierung, die ich hier verfolge, wendet die Methoden der historischen Soziologie an, die in den USA entstanden ist und auf Max Weber als Ziehvater fußt. Die Hauptvertreter dieser Schule sind Barrington Moore und seine SchĂŒlerin Theda Skocpol, die Harvard-Professorin wurde, sowie Charles Tilly. Es geht nicht allein darum, den Skriptualismus der Islamwissenschaft, sondern auch die Religionssoziologie zu ĂŒberwinden, die soziale Erscheinungen ohne Geschichtskenntnisse erklĂ€ren will. Ein angemessenes VerstĂ€ndnis des PhĂ€nomens Islamismus aber erfordert Geschichtskenntnisse und ein begriffliches sozialwissenschaftliches Instrumentarium.

Nicht nur geschichtliche Entwicklung, sondern auch kultureller Wandel sind Bestandteil meines Denkens. Ich bin gegen jede essenzialisierende AhistorizitĂ€t! Der zweite Band meiner ersten bei Suhrkamp 1985 erschienenen Islamtrilogie trĂ€gt den Titel: „Der Islam und das Problem der kulturellen BewĂ€ltigung sozialen Wandels”. Der Begriff des Wandels ist von zentraler Bedeutung, denn durch ihn wird klar, dass der Islam und die Muslime keine ahistorischen Konstanten sind.[2] Zwanzig Jahre spĂ€ter habe ich als Mitglied des Forschungsteams „The Culture Matter Research Project” (CMRP) an der Fletcher School for Diplomacy in den USA kulturelle Wandlungen innerhalb des Islam erforscht und das zweibĂ€ndige Werk Developing Cultures (2006 in London und New York erschienen) mitverfasst.[3] Eines unserer Ergebnisse war auch hier, dass der Wandel in der islamischen Zivilisation in den vergangenen rund 50 Jahren, besonders seit 1970, krisenhaft war und zur Entstehung des Islamismus fĂŒhrte. Dieser wiederum religionisiert die Politik und politisiert die Religion in einer Krise der islamischen Zivilisation. Was können Islamwissenschaft bzw. Islamologie leisten, um diese Krise bzw. ihr Produkt des Islamismus zu verstehen? Ich möchte die deutsche Islamwissenschaft, die sich ebenso wie der Islam wandelt, in drei Stufen des Wandels darlegen. Beim Wandel von einer Stufe zur nĂ€chsten, so behaupte ich, hat aber leider nur ein Ideologie-, jedoch kein Paradigmenwechsel stattgefunden. FĂŒr die drei angesprochenen Stufen steht beispielhaft jeweils ein spezifisches Buch.

FĂŒr die erste Stufe steht ein Buch des oben bereits erwĂ€hnten Carl Heinrich Becker, des BegrĂŒnders der deutschen Islamwissenschaft. Er war Rassist, weil er in seinem Buch „Islamstudien” den Muslim als „homo islamicus” rassenpsychologisch definiert, Muslime also rassenpsychologisch von anderen Menschen trennt. Auf dieser Grundlage meinte C.H. Becker, dass Muslime es nicht so weit bringen könnten wie EuropĂ€er. Das war Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin und heute gibt es in Deutschland genau das Gegenextrem: Professor Thomas Bauer mit seinem Buch „Die Kultur der AmbiguitĂ€t”. Darin geht er vom Extrem der Verteufelung der Muslime als „Gewaltmenschen” zum anderen Extrem der Verherrlichung der Muslime als Super-Kerle der AmbiguitĂ€t ĂŒber. Er zeichnet Muslime als edle Wilde, die dem EuropĂ€er zudem als bisexuelle Lover ĂŒberlegen seien. Beide Extreme sind deutsche Projektionen in uns Muslime.

Beckers Buch „Islamstudien” empört mich als Muslim genauso wie jenes ĂŒber die uns zugeschriebene Kultur der AmbiguitĂ€t. Wie Bauer zu behaupten, der Muslim sei deshalb ein freier Mensch, weil er die freie Wahl zwischen Mann und Frau bei ErfĂŒllung seiner sexuellen Begierde hat, ist völliger Unfug. Weder ist der Durchschnittsmuslim ein bisexueller Lover, noch gibt es eine freie SexualitĂ€t im Orient – genau das Gegenteil ist der Fall, nĂ€mlich Repression. Zu behaupten, diese „Kultur der AmbiguitĂ€t” sei der europĂ€ischen Kultur ĂŒberlegen, ist Orientalismus und heißt, dass wir Muslime besser sein sollen als die EuropĂ€er. Das ist der Übergang von einem Extrem der Verteufelung zum anderen der Verherrlichung. Und nun kommt es zu einem weiteren dritten Extrem mit der Behauptung, der Islam habe bei der ErklĂ€rung der Migrationsprobleme keinerlei Relevanz. Wer sich daran nicht hĂ€lt, steht im Verdacht „rechtspopulistisch” oder gar „rechts” zu sein. Das steht im Buch „Die neuen Deutschen” des Ehepaars MĂŒnkler. Entweder Verteufelung oder Verherrlichung des Islam oder dessen vollkommene Abschaffung.

Ich fasse zusammen: FĂŒr den ersten Fall der Verteufelung steht das Buch von C.H. Becker, fĂŒr den zweiten Fall der Verherrlichung Thomas Bauer, fĂŒr den dritten Fall der Abschaffung des Islam als relevante BezugsgrĂ¶ĂŸe steht MĂŒnklers „Die neuen Deutschen”. All diese BĂŒcher sind deutsch und ideologisch, sie verdunkeln statt zu informieren. Der Islam der Muslime ist nicht der Islam, den diese BĂŒcher zum Gegenstand haben.

Die Islamologie hingegen verfĂ€hrt auch normativ-kritisch, hat jedoch eine andere Denkweise als Edward Saids Orientalismus. Auch ich bin Orientalismus-Kritiker, aber eben kein AnhĂ€nger von Said. Zwar vertrete ich mit ihm die Schule der Entkolonialisierung der Islamforschung, das heißt, Muslime nicht mehr als Objekte westlicher Forschung, sondern als Subjekte zu begreifen, aber Said endet in einer Umkehrung des Orientalismus, also eines „orientalism in reverse”. Das ist nicht die Lösung, die wir benötigen, um die “Krise der islamischen Zivilisation”, aus der der Islamismus hervorgeht, plausibel zu erklĂ€ren.

Ich möchte auf vier BĂŒcher verweisen, die meines Erachtens die gegenwĂ€rtige Situation der islamischen Welt als Krise des Islam deuten und davon absehen, Muslime zu verteufeln oder als Opfer westlicher Machenschaften zu verherrlichen – sondern vielmehr Muslime und ihre Handlungen verstehen wollen. In meinem Buch „Crisis of Modern Islam” (Utah University Press 1988; dt. Original von 1981) habe ich in den 80er Jahren eine Krise des modernen Islam diagnostiziert. In den weiteren drei BĂŒchern, die ich nennen möchte – vom Princeton-Historiker Bernard Lewis mit seinem Buch “Crisis of Islam” ĂŒber den tunesischen Philosophen Hischem Djait mit seinem Buch „The Crisis of Islamic Culture” bis zum Iraker Ali Allawi mit seinem an der Yale University geschriebenen Buch „Crisis of Islamic Civilization” – wird gegen die Opferrolle argumentiert, die die Islamisten unterstellen, ja sogar pflegen. Stattdessen sagen diese Autoren: die Muslime verantworten die Krise selbst, weil sie Subjekte, keine Objekte sind.

Kurz und knapp: der Islamismus hat mit dem Islam und seiner Krise etwas zu tun und das ist der Kontext seiner Entstehung. Dieses PhĂ€nomen lĂ€sst sich weder mit der rassenpsychologischen Einordnung der Muslime von C.H. Becker noch mit der Sexualisierung des Islam in der These der „Kultur der AmbiguitĂ€t” von Thomas Bauer erklĂ€ren. Letzterer entpolitisiert den Islam; er sexualisiert Muslime dadurch, dass er es zur Hauptsorge des Muslims macht, ob dieser sich fĂŒr die Befriedigung seiner sexuellen Triebe einen Mann oder eine Frau nimmt. Das ist der Inhalt der unterstellten AmbiguitĂ€t. Zur DualitĂ€t der Verteufelung und Verherrlichung kommt noch die These des Ehepaars MĂŒnkler, dass der Islam keine Rolle spielt und jeden Bezug hierauf als „Islamisierung der Debatte” Ă€chtet. Der Begriff Islamismus ist nach dieser Logik ein islamophobes Vorurteil, aber keine politische und gesellschaftliche RealitĂ€t.

Ich schließe diesen Aufsatz orientalisch wie ich ihn oben begonnen habe mit einer Anekdote. Im Sommer 2016 hat mich der Deutschlandfunk ĂŒber den Islamunterricht interviewt und nach meiner Meinung hierĂŒber gefragt. Ich antwortete, dass ich natĂŒrlich fĂŒr den Islamunterricht bin, damit die Leute wissen, was Islam ist. Ich fĂŒgte jedoch ironisch hinzu: Vor allem ist ein solcher Islamunterricht fĂŒr deutsche Politiker und KirchenvĂ€ter erforderlich. Ich fĂŒge hier hinzu: auch fĂŒr deutsche Wissenschaftler, die wie ein „djahil” (Ignorant) ĂŒber den Islam reden und einer Belehrung bedĂŒrfen.

_Fußnoten_

1. Hassan al-Bana: „Rasai’il al-Imam al-Schahid“ (Kairo, legale Ausgabe 1990)
2. Siehe hierzu den zweiten Band meiner ersten bei Suhrkamp 1985 erschienenen Islamtrilogie „Der Islam und das Problem der kulturellen BewĂ€ltigung sozialen Wandels”.
3. Es handelt sich um das „Culture Matters Research Project“, in dessen Forschungsteam ich Mitglied war. Die Ergebnisse sind in zwei BĂ€nden erschienen, hrsg. von Lawrence Harrison: „Developing Cultures“, New York 2006; Tibi ist Mitautor beider BĂ€nde.

Quelle: “Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung”:http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus/240743/islamologie-sozialwissenschaftliche-erforschung-islamischer-realitaeten

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