Verhandeln statt bomben

von Arvid Bell28.10.2011Außenpolitik

Mit Raus aus Afghanistan! ist es nicht getan: 2014 will die NATO die Verantwortung in Afghanistan an die einheimischen Sicherheitskräfte übergeben. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Zehn Jahre nach dem Beginn der „Operation Enduring Freedom“ ist kein Ende des Afghanistankrieges in Sicht. Politische Beobachterinnen und Beobachter sind sich uneinig, welches Szenario nach 2014 eintreten wird, wenn die NATO-geführte International Security Assistance Force (ISAF) die Verantwortung an die afghanische Seite übertragen haben will. Wenn es denn so ist, dass sich die „Verteidigung Deutschlands am Hindukusch“ dem Ende zuneigt, sollte die NATO wenigstens dafür Sorge tragen, ihre afghanischen Gastgeber nicht dem Risiko auszusetzen, erneut in einem blutigen Bürgerkrieg zu versinken. Wer nämlich denkt, mit „NATO raus aus Afghanistan“ sei es getan, der irrt: Der NATO-Abzug mag eine notwendige Bedingung für den Frieden in Afghanistan sein, aber keine hinreichende. Wie also könnte ein Weg aussehen, der Afghanistan ein Zurück in die 90er-Jahre erspart?

Der Krieg ist von keiner Seite zu gewinnen

Zuerst müssten die US-geführte Koalition auf der einen Seite und die Taliban auf der anderen Seite anerkennen, dass sie den Krieg nicht gewinnen können: Die Hoffnungen der US-Militärs, die Taliban praktisch an den Verhandlungstisch zu bomben, sind unrealistisch. Ebenso sind Hoffnungen der Taliban unbegründet, die internationalen Truppen militärisch besiegen zu können und 2014 einfach da weitermachen zu können, wo sie 2001 aufgehört haben. Vielmehr bedeutet jeder Tag Krieg mehr Schaden als Nutzen für beide Konfliktparteien: das blutige Patt führt zu hohen menschlichen und materiellen Kosten. “Hauptleidtragende sind die normalen Afghaninnen und Afghanen”:http://www.theeuropean.de/antonia-rados/2188-strategie-in-afghanistan, sie sehnen sich nach einem Ende von Krieg und Gewalt.

Die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen offiziell erklären

Einen solchen veränderten Blick auf die Situation vorausgesetzt, sollten sich USA und NATO dazu durchringen, offiziell die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen zu erklären. Die Taliban als Verhandlungspartner anzuerkennen, bedeutet nicht, ihre Ziele zu teilen oder ihre Methoden gutzuheißen. Es bedeutet lediglich, sie nicht länger als illegitime Akteure zu behandeln und von der Macht auszuschließen (wie seit dem Petersberger Abkommen geschehen). Außerdem könnten USA und NATO die Bereitschaft signalisieren, über die Modalitäten des internationalen Truppenabzugs und weitere Zugeständnisse zu reden – wenn die Taliban im Gegenzug bereit sind, die Waffen niederzulegen, und sich ebenfalls verhandlungsbereit zeigen. Dies könnte die Grundlage für einen umfangreichen Mediationsprozess darstellen, der neben diesen beiden zentralen Konfliktparteien auch die weiteren Beteiligten einbinden müsste. Deutschland sollte seinen Einfluss vor der Afghanistankonferenz im Dezember dazu nutzen, die Chancen für einen solchen Weg der Deeskalation auszuloten. Der Afghanistankonflikt wird militärisch nicht zu lösen sein – diese Tatsache ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Nun müssen auch endlich die Waffen schweigen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Fünf Gründe, die für die E-Mobilität sprechen

Die Absatzzahlen steigen sprunghaft. Die Batterietechnik meldet Durchbrüche. Die Produktion von E-Autos wird ab sofort in gewaltige Volumina vorstoßen. Branchenexperten sprechen vom „Take-off“ der E-Mobilität.

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu