Gebt uns eine Stimme

von Anton Waldburg27.01.2010Medien, Wirtschaft

Die Medienlandschaft ist im Wandel, das Bedürfnis nach Mitbestimmung wächst, und das Internet bedient diesen Wunsch. Ob sich klassische Nachrichten in einem solchen Umfeld noch verkaufen lassen, scheint fraglich.

Vor etwa sechs Monaten starteten Karl Jo Seilern und ich, Anton Waldburg, theblogpaper. Der Grundgedanke ist eine Zeitung zu drucken, die komplett online erschaffen wird: “Nimm das Beste aus dem Netz und bring es auf Papier.” Das Fundament von theblogpaper besteht aus der gleichnamigen Webseite theblogpaper.co.uk. Nach der Registrierung können Neulinge sofort Blogs, Artikel, Meinungen und Fotos veröffentlichen sowie existierenden Content bewerten oder kommentieren. Hier darf jeder veröffentlichen, was er oder sie möchte, stellt sich jedoch gleichzeitig der kritischen Masse der Community. “Kannst du die Mehrheit von der Qualität deines Contents überzeugen, wird dieser in einer monatlichen Gratis-Zeitschrift gedruckt und in London verteilt.” Die Mehrheit hat somit die Kontrolle über den Inhalt des Blogpapers und übernimmt dadurch die Position des Redakteurs. Das Themenspektrum ist breit gefächert und reicht von wirtschaftlichen über politische Themen (vorrangig auf England konzentriert) bis zu den neusten Trends in Mode, Design und Musik. Theblogpaper soll sich hauptsächlich durch Werbung finanzieren. Im Moment bekommen Mitwirkende keine Bezahlung für ihre Arbeit. Dennoch hat unser Konzept einen starken Anreiz, sowohl die Zeitschrift als auch die Webseite bieten eine Plattform, die es dem Benutzer ermöglicht, sich selbst zu promoten. Für uns ist es äußerst wichtig, dass unsere Blogger im Mittelpunkt stehen. Durch Links kann jeglicher Content direkt zur ursprünglichen Quelle zurückverfolgt werden. Des Weiteren hat jeder unserer Blogger ein persönliches Profil, in dem er sich und seinen Blog beziehungsweise seine Webseite vorstellen kann.

Neue Märkte warten auf Eroberung

Das Konzept bietet nicht nur den Bloggern die Möglichkeit, einen neuen Markt außerhalb der Blogosphäre zu erreichen, sondern es erhöht auch den Wettbewerb innerhalb der Community. Man kann schon jetzt beobachten, dass mit zunehmender Quantität und somit “steigendem Druck”, sich zu etablieren, die Qualität der Veröffentlichungen steigt. Die Vorteile der Selbstdarstellung gelten natürlich auch für beispielsweise junge Künstler/Designer, die ihre neuen Kreationen vorstellen möchten. Es ist möglich, scheinbar kostenlos Inhalte zu bekommen? – Ja, wenn es um Meinungsjournalismus und zeitlosen Content geht. Die neuesten Entwicklungen im Social-Media-Bereich deuten darauf hin, dass es bald, zumindest wenn es um Geschwindigkeit geht, auch kostenlose “Breaking News” geben wird. Die ersten Bilder von der Katastrophe auf Haiti, die auf BBC gesendet wurden, kamen von Twitter.

Die Leserschaft hat ein Verlangen nach Beteiligung

Wir glauben, dass in der derzeitigen Medienlandschaft nicht nur die Frage gestellt werden muss, was Qualitätsjournalismus ist und was nicht, sondern auch, was die Masse/Leserschaft ernsthaft interessiert. Die Medienlandschaft hat sich so weit verändert, dass die Leserschaft ein Verlangen nach aktiver Beteiligung hat und ein stark gesteigertes Mitteilungsbedürfnis, denkt man an Facebook oder Twitter. Vor allem das Verlangen nach Mitbestimmung ist ein großes Bedürfnis.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

"Mut verbindet"

Wie gendergerecht muss unsere Sprache sein? Was darf man beim Karneval sagen? Dürfen Kinder im Indianerkostüm zum Fasching? Wie viel Fleisch darf ich essen? Wenn man sich anschaut, in welchem Ausmaß sich Teile der politischen Öffentlichkeit in diesen Debatten engagieren, dann würde jemand mit d

Wie ein Präsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und ausländischen Freunde der Ukraine ist entsetzt über den Ausgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und Geschäftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in Brüssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erläutert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und Parlamentspräsident, sowie den Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grünen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der über dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu