Klimafreundliche Landwirtschaft fördern

von Anton Hofreiter24.08.2018Außenpolitik, Innenpolitik, Wirtschaft

In einem Pressestatement fordert der der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag, Anton Hofreiter, ein Umsteuern in der Landwirtschaft.

“Die Getreideernte 2017 fiel in vielen Regionen Deutschlands sprichwörtlich ins Wasser. In Mecklenburg-Vorpommern konnten Äcker teils nicht einmal abgeerntet werden. Sie waren schlichtweg nicht mehr befahrbar.

2017 zu viel Regen – 2018 Hitze und Dürre

Umso aberwitziger ist es, dass wir auch dieses Jahr enorme Ernteausfälle haben – aber unter umgekehrten Vorzeichen. Seit Ostern hat es in vielen Gegenden Deutschlands kaum noch geregnet. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) waren die Böden im Norden und Osten Deutschlands seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie so trocken wie jetzt. So liegt die Getreideernte 16 Prozent unter dem Mittel der letzten drei Jahre. In Schleswig-Holstein sind es satte 31 Prozent.

Landwirtschaft braucht gesundes Klima

Kein anderer Bereich ist so unmittelbar auf den Erhalt unserer Lebensgrundlagen angewiesen wie die Landwirtschaft. Sie ist daher auch eine der ersten Leidtragenden der Klimakrise, die sich immer weiter zuspitzt.

In den letzten 15 Jahren mussten Bäuerinnen und Bauern durchschnittlich jährliche Ertragsausfälle von circa 470 Millionen Euro verkraften – infolge von Wetterextremen wie Dürre, Hagel und Starkregen. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt, Trockenheit könne künftig gerade in Ost- und Südwestdeutschland zu „verminderter Erntequalität und geringerem Ertrag führen. Häufigere Extremwetterereignisse (…) können Bodenerosion verstärken“.

Landwirtschaft verstärkt Klimakrise

Umso frappierender ist es, dass die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft momentan betreiben, die Klimakrise über zahlreiche Wege verschärft – und dass der relative Beitrag der Landwirtschaft an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland steigt.

Die industrielle Landwirtschaft ist mitverantwortlich für die Klimakrise und ihre weltweiten Folgen wie Dürren, Stürme, Hochwasser und die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Menschen hierzulande und in anderen Teilen der Welt. Wir können daher nicht nachvollziehen, warum Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner und der Bauernverband noch immer der Meinung sind, die Landwirtschaft in Deutschland müsse von einer fortschrittlichen Klimapolitik ausgenommen werden.

Grüne Landwirtschaft

Eine klimafreundliche Landwirtschaft ist Teil einer Landwirtschaft der Zukunft, wie die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land sie sich wünschen. Einer Landwirtschaft, die Tiere respektvoll behandelt, unser Wasser und unsere Artenvielfalt schützt und unsere Böden gesund erhält.

Eine solche Landwirtschaft bietet den Bäuerinnen und Bauern aber auch Schutz vor den Folgen des Klimawandels.

Unsere Landwirtschaft wollen wir unter anderem mit diesen Maßnahmen klimafreundlich weiterentwickeln:

– Tierhaltung – Weniger ist mehr. Treibhausgase in der Tierhaltung entstehen, wenn der Dünger ausgebracht wird, den die Tiere produzieren. Sie werden außerdem von Kühen und Schafen ausgestoßen („ausgerülpst“). Sie entstehen aber auch, weil wir für die Massentierhaltung enorme Flächen für den Anbau von Futtermitteln benötigen. Ökologisch wertvolle Moore und Dauergrünland in Deutschland und Regenwald in Südamerika mussten und müssen dafür weichen.

Wir wollen eine Tierhaltung, die auf Qualität setzt statt auf Masse. Aus der Massentierhaltung wollen wir in den nächsten 20 Jahren aussteigen. Aus unserer Sicht sollte daher eine Begrenzung der Tierzahl auf zwei Großvieheinheiten pro Hektar Voraussetzung für jegliche Agrarförderung sein. Darüber hinaus plädieren wir für regionale Obergrenzen für Tierzahlen. Den Bau weiterer Massentierhaltungsanlagen wollen wir eindämmen.

– Moorböden schützen, Wiesen und Weiden erhalten: Dass Moorböden als Acker- und Grünland genutzt werden, verursacht etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland und etwa vier Prozent der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen.

Deshalb wollen wir Nutzung der Moorböden einschränken. Sie dürfen nicht mehr umgebrochen oder entwässert werden, sämtliche Zuschüsse zur Entwässerung solcher Böden und Direktzahlungen für Ackerbau auf Moorböden werden gestrichen. Regenerierbare Moorböden wollen wir dauerhaft wiedervernässen. Um Wiesen und Weiden und ihren Nutzen als Kohlenstoffspeicher zu erhalten, wollen wir ihren Umbruch bundesweit beenden.

– Stickstoffüberschüsse senken: Die schiere Menge an Stickstoff, die in Deutschland über Gülle, Mist oder Mineraldünger ausgebracht wird, übersteigt, was Pflanzen und Böden aufnehmen können – und zwar um das Doppelte. Der von den Pflanzen ungenutzte Stickstoff landet unter anderem in der Form von extrem klimaschädigendem Lachgas in der Atmosphäre. Die Landwirtschaft verursacht zirka 80 Prozent der gesamten Lachgasemissionen in Deutschland.

Wir brauchen endlich Düngeregeln, die Klima und Wasser schützen. Wir wollen vor allem für ohnehin belastete Gebiete eine deutliche Begrenzung der Menge an Düngemitteln, die ausgebracht werden darf.

– Gesunde Böden: Viele Anbauregionen werden in den nächsten Jahren mit Trockenheit zu kämpfen haben. Umso wichtiger, dass der Boden gesund ist – mit genügend Humus, um ausreichend Wasser zu speichern. Wir wollen Forschung und Beratung im Bereich der humussteigernden Bewirtschaftungsmethoden ausbauen und stärken. Zu diesen Methoden gehören Mischkulturen, Fruchtfolgen und ganzjährige Bodenbedeckung. Auch ein vielfältiges Bodenleben erhöht die Speicherkraft. Chemisch-synthetische Mineraldünger und Pestizide schädigen jedoch die Lebewesen im Boden und ihr Gesamtgefüge. Daher wollen wir ihre Verwendung deutlich reduzieren.

– Robuste Pflanzen: Manche Sorten können der Klimakrise und dem Trockenstress besser trotzen als andere – und brauchen, weil sie robuster sind, auch weniger Pestizide. Wir wollen die Forschung an und Weiterentwicklung von solchen Sorten deutlich stärker fördern.”

Textquelle: “Bündnis 90 / DIE GRÜNEN”:https://www.gruene-bundestag.de/agrar/klimafreundliche-landwirtschaft-foerdern-06-07-2018.html

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