Wir müssen so etwas wie eine Fehlerkultur entwickeln. Thomas de Maizière

Pole Position

Die neuen Regeln des Financial Fairplays bringen viele Vorteile für die deutschen Klubs. Ob sie deshalb am Ende auch Nummer eins sein werden, ist jedoch keineswegs gesagt.

Um gesundes und nachhaltiges Wachstum der Fußballklubs zu fördern, ist die Einführung des Financial Fairplays im Grundsatz ein sinnvolles Instrument. Wer dauerhaft durch „externe Anschubfinanzierung“ über seine eigenen zu erwirtschaftenden Verhältnisse lebt, kann zwar durchaus kurz- und mittelfristig sportliche Erfolge generieren, doch die Abhängigkeit von einzelnen Investoren birgt die unabdingbare Gewissheit, dass bei Veränderungen der Geldgeberinteressen die Entwicklung eines Vereins gravierend konterkariert wird.

Status quo bleibt unverändert

Diese Erfahrung musste aktuell der spanische Erstligist FC Málaga machen, der nach dem Rückzug des arabischen Besitzers Al Thani vor dem finanziellen Kollaps steht. Nun hat der Club bekannt gegeben, „einen Prozess der internen Neustrukturierung zu beginnen, um sich den Standards des Financial Fairplays anzupassen“.

Für jedes sportliche Kräftemessen gilt: Nur ein attraktiver und konstanter Wettbewerb sorgt dafür, dass Zuschauer in die Stadien strömen, Medien über die Spiele ausführlich berichten und Sponsoren interessiert sind, sich bei Vereinen finanziell zu engagieren. Ein faszinierender und die Fans mitreißender Spielbetrieb findet jedoch nur dann statt, wenn es sich um einen „sportlichen Wettbewerb“ basierend auf einer traditionellen Entwicklung eines Klubs und nicht um einen Wettstreit der „erfolgreichsten Investorensuche“ handelt. Wenn sich Fußball zu einem risikoreichen Spekulationsobjekt entwickelt, verliert er an Glaubwürdigkeit und damit langfristig auch an Popularität.

Nicht zu vergessen: Die 1. und 2. Bundesliga haben sich in den vergangenen Jahren auch deshalb so erfolgreich entwickelt, weil trotz aller sportlicher Rivalität ein ausgeprägter Solidargedanke vorhanden ist. Allen Vereinen ist zudem bewusst, dass nur mit starken und verlässlichen Partnern die Attraktivität der gesamten Liga gesteigert wird.

Deutschland in der Pole Position

Financial Fairplay verändert allerdings kaum den Status quo der führenden Klubs in Europa. Aufkommende oder bestehende Konkurrenten, die durch externe Investoren an die Geldtöpfe der Champions League gelangen wollen, werden ausgeschaltet.

Dennoch ist das neue Reglement der UEFA bei strenger Umsetzung und Anwendung ein Schritt in die richtige Richtung. Eine höhere Ausgabendisziplin wird dazu führen, dass zweifelsohne im Fußball vorhandene Gelder vermehrt in die Nachwuchsarbeit und in die Infrastruktur investiert werden. Das trägt zum nachhaltigen und substanziellen Wachstum eines Klubs bei. Dass dies viele Vereine in Deutschland frühzeitig erkannt und zur Leitlinie des eigenen Handelns gemacht haben, verschafft uns darüber hinaus eine Pole Position für den Start in das „Zeitalter der finanziellen Fairness“.

Bei rigoroser Anwendung wird die Bundesliga international profitieren, weil die Klubs – von wenigen Ausnahmen abgesehen – unabhängig von externen Investoren agieren und stabil finanziert sind. Auch in diesem Zusammenhang ist es ein großer Nutzen, dass die Liga an der Regelung „50 plus 1“ festgehalten hat.

Zudem ist zu erwarten, dass in anderen europäischen Top-Ligen, insbesondere in England und Spanien, der Wettbewerb um die vorderen Plätze weiterhin und noch intensiver von einer kleinen Anzahl von Clubs sowie von immer denselben bestritten wird, was dauerhaft kein Treiber für die Lukrativität einer Liga ist.

Während in der Bundesliga in den vergangenen zehn Spielzeiten fünf verschiedene Vereine Deutscher Meister geworden sind, hat in Spanien nur der FC Valencia einmal in diesem Zeitraum die Dominanz von Real Madrid und dem FC Barcelona brechen können. In der abgelaufenen Saison betrug der Vorsprung der beiden Klubs auf den „ärgsten“ Verfolger aus Valencia 30 (Barca) beziehungsweise 39 Punkte (Real).

Premier League bleibt Nummer eins

Dass die sportliche Konkurrenzsituation in der Bundesliga am ausgeglichensten ist, stärkt die Attraktivität der Bundesliga. Es zahlt sich aus, dass in Deutschland eine leistungsorientierte und nicht eine vereinsorientierte und damit eine solidarischere Verteilung der TV-Einnahmen vorgenommen wird. Die Schere zwischen finanzstarken und finanzschwachen Vereinen geht zwar auch hierzulande weiter auseinander, doch fast alle Clubs verfügen in der Regel über eine gesunde finanzielle Basis. Das ist auch auf die modernen Stadien und die gute Werbeerlös-Situation in Deutschland zurückzuführen.

Die Bundesliga hat sich zu einer Top-Marke entwickelt, die eine große Faszination auf die Menschen im In- und Ausland ausübt, durchweg positiv besetzt ist und damit sehr attraktiv für die werbetreibende Wirtschaft ist, ein Ergebnis von seit Jahren national gelebtem Financial Fairplay.

Finanzstärkste Liga wird auf absehbare Zeit dennoch die Premier League bleiben. Das ist in erster Linie auf die Fernsehgelder zurückzuführen. Während die höchste englische Liga ab 2013 pro Jahr durch die Veräußerung der Pay-TV-Rechte rund 1,11 Milliarden Euro erhält, bekommen die 1. und 2. Bundesliga im Schnitt 628 Millionen pro Spielzeit aus der nationalen TV-Vermarktung. Doch der finanzielle Vorsprung der Premier League ist in den vergangenen Jahren geringer geworden. Und die Bundesliga ist trotz dessen ein starkes Produkt. Eine Marke, die mit der Einführung des Financial Fairplays im europäischen Vergleich noch stärker werden wird.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hans-Joachim Watzke, Chris Giovani, Jakob Rosenberg.

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