Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit. Willy Brandt

Wachkoma der CDU

Die neuesten Umfragewerte für die CDU sind miserabel. Im Bund liegt die von Annegret Kramp-Karrenbauer geführte Partei bei unter 30 Prozent, in Hamburg sogar nur noch bei 14 Prozent. Dass das Vertrauen der Bundesbürger in das Amt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einer Umfrage zufolge im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen ist, spielt keine Rolle mehr, befindet Ansgar Lange.

Dabei hatte der Wettstreit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer – von den Medien gleich anbiedernd „AKK“ abgekürzt -, Friedrich Merz und Jens Spahn für ein paar Wochen vergessen lassen, dass die deutsche Christdemokratie Mitglieder, Wähler und sonstige Bundesbürger schon seit langem nicht mehr elektrisiert und emotionalisiert.

Jens Spahn galt von Anfang an als ziemlicher chancenloser Aspirant auf den Parteivorsitz. Manche sagen, seine Zeit werde noch kommen. Er sei der eigentliche Gewinner des Dreikampfs. Friedrich Merz galt dem wirtschaftsliberalen Flügel der Partei als alt-neue Lichtgestalt. Es stellt den Delegierten des Hamburger Parteitages ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus, dass ihn angeblich manche nicht wählten, weil seine Rede nicht gefühlig genug gewesen sei. Die Dame im Bunde hat die Delegierten bei den Gefühlen gepackt. Sie obsiegte und machte einen angeblich konservativen, aber wohl eher um seine Karriere bemühten jungen Mann ohne Abschluss zu ihrem Generalsekretär.

Und was ist nun? Aus Angst vor dem Tode hat die CDU Selbstmord begangen. Sie hat ihr Siechtum, das schon unter Angela Merkel einsetzte, verlängert. Es ist nicht zur offenen Feldschlacht zwischen den einzelnen Flügeln gekommen. Merz hat keine Lust, sich einbinden zu lassen. Wahlkämpfe müssten von denen geführt werden, die sich um Mandate bewerben, sagt er völlig zu recht.

In ihrem gnadenlosen Opportunismus werden auf lange Sicht auch diejenigen ins Lager der neuen Vorsitzenden wechseln, die bisher eher im Merz-Lager zu verorten waren. So läuft eben Politik in der CDU. Der Stärkere setzt sich durch. Dem Verlierer weint man keine Träne mehr nach. Diese Strategie war lange Zeit erfolgreich. Aber wo bleiben die inhaltlichen Impulse, die die CDU wieder zu alter Volkspartei-Stärke führen und Grüne und AfD auf Abstand halten könnten? Hiervon ist bis dato wenig zu hören und zu lesen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Vera Lengsfeld, Franz Sommerfeld, Jörg Hubert Meuthen.

Leserbriefe

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