Wenn man will, könnte man sein Leben entgooglefizieren. Jeff Jarvis

Für einen christlich begründeten Konservatismus

Das linke Denken in Deutschland befindet sich auf dem Rückzug. Die Angsthasen, die ihren bisherigen intellektuellen Herrschaftsanspruch mit Zähnen und Klauen verteidigen, nennt Ulrich Greiner schlicht ‚linksgrüne „kulturelle Hegemonie‘.

Das linke Denken in Deutschland befindet sich auf dem Rückzug. Es überrascht, dass ausgerechnet ein früherer Feuilletonchef der linksliberalen Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem schmalen, sehr lesenswerten Büchlein die Angst vor einer konservativen Wende beschreibt. Die Angsthasen, die ihren bisherigen intellektuellen Herrschaftsanspruch mit Zähnen und Klauen verteidigen, nennt Ulrich Greiner schlicht ‚linksgrüne „kulturelle Hegemonie‘.

Gegen die linksgrüne kulturelle Hegemonie

Der Autor hat seinem Bekenntnisbuch den Titel „Heimatlos“ gegeben. Und genauso fühlen sich derzeit die Konservativen, die sich nicht mehr in den Parteien links der Mitte (so werden zurzeit alle Parteien außer CSU und AfD wahrgenommen) so recht wiederfinden, aber mit den oft unästhetischen Ausfällen der „richtig“ Rechten auch nichts anzufangen wissen.

Greiner beschreibt seine persönliche Haltung, die er im Laufe der Jahre eingenommen hat. Er definiert sich als katholischer Konservativer. Und dies macht schon immun gegen die neuen rechten Gruppierungen, die Greiner zurecht als neuheidnisch beschreibt und die sich selten oder gar nicht mehr auf das Christentum berufen.

Es wäre nicht angemessen, ein Programm des christlich begründeten Konservatismus zu entwickeln. Denn der Konservative ist eher theoriefaul. „So ist meine konservative Haltung kein politisches Programm, sondern eher ein Lebensgefühl“, schreibt der Literaturkritiker Greiner. Diese Spielart des Konservatismus, der sich der Rezensent sehr verbunden weiß, folgt nicht im entferntesten Armin Mohlers „Konservativer Revolution“, auf die sich einige Neurechte gern berufen. Greiners Konservatismus ist daher auch nicht deutschnational, sondern beruft sich – man hat dies lange so nicht mehr vernommen – auf das „christliche Abendland“.

Für das „christliche Abendland“

Und auch wenn Innenminister und Zentralkomitees muslimische Feiertage ins Gespräch bringen, so zeigt der Autor doch aus, dass die kulturelle Tradition des Christentums in unserem Land „derart alltäglich und selbstverständlich ist, dass sie vielen gar nicht mehr bewusst ist“.

Greiner wendet sich unter Berufung auf die Tradition des christlichen Abendlandes gegen jeglichen Kulturrelativismus, „dessen einziges Credo ein Anpassungsdenken ist“: „Es ist kein geringer Unterschied, dass die eine Religion von einem gekreuzigten Wanderprediger gegründet wurde und die andere von einem kriegführenden Kaufmann.“

In eleganter und leichtfüßiger Prosa berührt Greiner diverse Themen. Es geht um die konservative Wende, seine Abkehr von linken Ideen, die Frage der deutschen Identität, die missratene Flüchtlingspolitik, die Sozialpolitik, die längst zu einem Diktat der Fürsorge geworden ist etc.

Als katholischer Christ und Kirchgänger liest man folgende Passage mit großer Zustimmung: „Der Versuch, eine persönliche Gottesbeziehung dadurch scheinbar zu erleichtern, dass man eine alltägliche, jedermann vertraute Sprache verwendet, ist mir ein Graus. Er kriegt leicht etwas Kindergartenhaftes, und wenn ich bei den Fürbitten, die in der Regel von Gemeindemitgliedern formuliert werden, die gestrige ‚Tagesschau‘ gespiegelt finde, sehne ich mich nach der alten Liturgie zurück, in der nur lateinisch gesprochen wurde.“

Greiners kultivierter katholischer Konservatismus ist ein gutes Gegengift gegen verbiesterten links-grünen „Anpassungsmoralismus“ (Greiner) und humorloses teutonisches neurechtes Denken und Schreiben.

__Ulrich Greiner: Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen. Rowohlt Verlag: Reinbek bei Hamburg 2017. 158 Seiten, 19,95 Euro.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Michael Klonovsky , Nik Darlington, Kieron O'Hara.

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