Tesla bewahrt Automobilzulieferer ATW aus Rheinland-Pfalz vor der Liquidation | The European

Expansionskurs: Tesla übernimmt Automobilzulieferer aus Rheinland-Pfalz

Ansgar Graw1.10.2020Wirtschaft

Beim Unternehmen ATW in Neuwied hatten sich bereits 210 Mitarbeiter auf die Kündigung eingestellt. Doch nach exklusiven Informationen von TheEuropean gab es jetzt eine Übernahmevereinbarung mit dem globalen Branchenführer aus dem kalifornischen Silicon Valley

Tesla Model S an einer Supercharger Station: Der kalifornische Branchenführer will auch in Deutschland expandieren, Foto: Picture Alliance

Aufatmen in Neuwied: Das Unternehmen ATW, tätig in der Automobilzulieferung, wird nach exklusiven Informationen des TheEuropean und des Wirtschaftskuriers vom global führenden Elektroautohersteller Tesla übernommen. Damit ist die bislang vermeldete Schließung von ATW vom Tisch. Alle 210 Arbeitsplätze in dem Unternehmen im Norden von Rheinland-Pfalz würden erhalten, war zu hören. ATW befand sich bereits in der Abwicklung. Darum dürfte die Übernahme für Tesla-Chef Elon Musk ein Schnäppchen gewesen sein. Tesla ist derzeit auf Expansionskurs auch in Deutschland.

Geschäftspartner von ATW haben am Dienstag die Mitteilung erhalten, man habe sich auf die Übernahme durch einen Hersteller von Elektrofahrzeugen „in Kalifornien“ geeinigt. Dass es sich dabei um Tesla, ansässig in Palo Alto im kalifornischen Silicon Valley, handelt, wurde in dem Schreiben nicht bestätigt, hat sich aber in der Branche herumgesprochen. Dazu beigetragen haben dürfte eine Feier bei ATW in Neuwied, bei der bereits am Freitag auf die Übernahme angestoßen wurde. Dazu fuhren etliche Tesla-Fahrzeuge mit dem Kennzeichen „BIT“ für Bitburg vor. In Prüm, das zum Eifelkreis Bitburg-Prüm gehört, ist das Unternehmen Tesla Grohmann Automation GmbH ansässig, das bis Januar 2017 als Grohmann Engineering GmbH firmierte. Dann wurde der Hersteller von Airbag-Sensoren, elektronischen Lenkhilfen, Lithium-Ionium-Batteriezellen und Modulen von Tesla übernommen.

Inzwischen ist im brandenburgischen Grünheide nahe Berlin eine Gigafactory im Bau. Das spektakuläre Projekt hatte Musk im November 2019 bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads der „Bild am Sonntag“ angekündigt. Durch Investitionen in mehrfacher Milliardenhöhe sollen in der Fabrik zunächst über 3000 und in einer späteren Stufe bis zu 8000 Arbeitsplätze entstehen. Baubeginn war im ersten Quartal 2000.

ATW produziert Getriebemontagelinien für Magna und modernste Batteriemontagen für BMW und Daimler/Accumotive. Zu den bisherigen Kunden zählen VW, ZF, Vaillant und Brose. Das Unternehmen galt als hoch profitabel. Ein Rückgang an Aufträgen, der dem Vernehmen nach auch auf Corona zurückzuführen ist, zwang zur Kurzarbeit und manövrierte den Betrieb schließlich an den Abgrund – bis der Deal mit Tesla vor der Pleite rettete. Die Kalifornier wiederum brauchen in Deutschland gut ausgebildete Ingenieure und Facharbeiter. So entstand für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Die Meldung aus dem Umfeld von ATW, das zum kanadischen Mutterunternehmen ATS gehören, wurde bis Redaktionsschluss trotz diverser Anfragen von der ATW-Geschäftsleitung weder bestätigt noch dementiert. Allerdings wurde für Freitag eine Erklärung in Aussicht gestellt. Bereits am 25. September vermeldete der bisherige Mutterkonzern von ATW, nämlich ATS (Automation Tooling Systems Inc.) mit Sitz in Cambridge im kanadischen Ontario, man habe eine „bedingte Vereinbarung“ getroffen, spezielle Unternehmensanteile zu verkaufen und Mitarbeiter einer in Deutschland ansässigen Tochtergesellschaften an Dritte zu übertragen. Die finanziellen Bedingungen der Transaktion wurden nicht veröffentlicht.

 

 

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

SignsAward: Der Gute-Geschichten-Abend

Er würdigt mutige, impulsgebende und Zeichen setzende Persönlichkeiten: Der SignsAward ehrte in der BMW Welt München die Zeichensetzer des Jahres 2022. Es war ein festliches Jubiläum voller guter Geschichten.

Existiert Gott? So glaubt Deutschland

In drei Wochen feiern Christen die Geburt Jesu vor mehr als zwei Jahrtausenden. Das Christentum hat Europa und Deutschland tief geprägt. Aber in den letzten Jahrzehnten sank die Zahl der Gläubigen und der Gottesdienstbesucher schnell. Nicht einmal jeder Zweite gehört noch einer der beiden großen

Zentralasien: Nach dem Besuch der deutschen Auβenministerin gibt es noch viel zu tun

Die Reise von Außenministerin Annalena Baerbock nach Kasachstan und Usbekistan vermittelte den Eindruck, dass man die Länder dabei unterstützt, Russland und China die Stirn zu bieten. Doch es bleibt viel zu tun.

Die Ampel-Energiepolitik ist heuchlerisch

Die Meinung von Holger Ohmstedt (red), Tagesthemen

flatexDEGIRO: Vom Frankfurter Fintech zu Europas größtem Onlinebroker – was jetzt?

flatexDEGIRO mausert sich zu einer spektakulären Erfolgsgeschichte. Selbst im branchenweit schwierigen Jahr 2022 geht das Wachstum des Onlinebrokers weiter. Als europäischer Marktführer muss der Konzern aber auch nach strengeren aufsichtsrechtlichen Regularien spielen. Ein Interview mit dem CEO F

Mobile Sliding Menu