Somewhere under the rainbow

von Ansgar Dittmar26.06.2011Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Der CSD ist ein wichtiger Termin für die lesbisch-schwule Bewegung. Während die Teilnehmer zu Kohls Zeiten noch ausgelacht worden sind, bilden sich heute in immer mehr Städte diese Züge der Toleranz. Ein gutes Zeichen.

Am Wochenende ist es wieder soweit – Berlin erstrahlt im Glanz der Regenbogenflagge. Die Christopher-Street-Day-Paraden in Berlin und in der darauf folgenden Woche in Köln bringen jeweils eine knappe Million Menschen auf die Straße. Für viele ist es Karneval – schrill, bunt, laut. Aber die CSD-Paraden sind vor allem eins: eine Demonstration für Toleranz und Akzeptanz, für gleiche Rechte, für den lesbisch-schwulen Stolz. Ich erinnere mich gerne an meine erste CSD-Parade – in Köln. Damals war die Hauptstadt in Bonn, dort saß Helmut Kohl im Kanzleramt, schwul zu sein war immer noch sehr verpönt. Aber die Parade hatte den Teilnehmern Stolz und Kraft gegeben für einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Ich.

Gleichberechtigung gibt’s nicht auf dem Basar

Heute können lesbische und schwule Paare eine Lebenspartnerschaft eingehen, sie sind vor Diskriminierung am Arbeitsplatz geschützt. Aber die gesellschaftliche Intoleranz ist immer noch evident. Nicht selten wird schwulen Männern hinterhergepöbelt, in Betrieben über die lesbische Kollegin hergezogen; die Zahl der Gewalttaten gegen Lesben und Schwule, Bisexuelle oder transidente Menschen ist noch erschreckend hoch. Die Vorurteile sind weiterhin gegeben. Und gegen diese Vorurteile muss angekämpft werden. Es kann und darf nicht sein, dass die gleichen Rechte für Lesben und Schwule auf dem Basartisch politischer Entscheidungen zur Verfügungsmasse werden. Wenn beispielsweise das “Adoptionsrecht für Lesben und Schwule”:http://www.theeuropean.de/kristina-schroeder/4626-moderne-familienpolitik in ein kritisches Licht gerückt wird, weil man damit keine 25 Prozent der Deutschen gewinnen könne, so darf die Konsequenz daraus nicht heißen, dass das Thema nicht mehr weiter verfolgt wird – vielmehr muss dieses Thema erst recht auf die politische Agenda genommen werden. Intoleranz darf nicht geduldet werden, nur weil es vermeintlich nicht en vogue ist. Diese Form politischer Feigheit – andere würden es Kalkül nennen – ist abzulehnen. Umso mehr wird deutlich, dass die Forderung nach Ergänzung von Art. 3 Grundgesetz um die „sexuelle Identität“ mehr als nur ein Signal ist. Es ist eine zwingende Notwendigkeit, um eine – seit 60 Jahren bundesrepublikanische Demokratie – andauernde Ungerechtigkeit zu beenden.

Für eine starke lesbisch-schwule Bewegung

Die lesbisch-schwule Bewegung ist stark geworden, selbstbewusst und zielgerichtet. Insofern sind die CSD-Paraden wichtig. Schön ist es, dass die Paraden nicht nur in den großen Städten stattfinden, sondern auch immer mehr die kleineren Städte erreichen. Gerade die kleinen CSDs sind zum Teil sehr politisch – vielfach politischer als die großen. Vielen Teilnehmern und – noch mehr – vielen Veranstaltern ist aber wieder deutlich zu machen, dass es sich um politische Demonstrationen für “gleiche Rechte von Lesben und Schwulen”:http://www.theeuropean.de/volker-beck/4185-gleichberechtigung-von-homosexuellen handelt. Dabei sollte sich jede und jeder im Klaren sein, dass wir selbst unser Bild in der Gesellschaft prägen. Auch bei den CSD-Paraden. Ein kommerzieller oder ein schriller Auftritt ist sicher gut für Fernsehbilder – aber nicht zwangsläufig für das Selbstbild der Bewegung. Insofern sind die CSD-Paraden, die in diesen Wochen in so vielen Städten stattfinden, wichtig und notwendig für den Kampf um Gleichberechtigung und das Selbstbewusstsein von Lesben und Schwulen, von Bisexuellen und transidenten Menschen. Sie zeigen die Vielfältigkeit von lesbisch-schwulem Leben. Sie zeigen die Notwendigkeit im Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz und sie zeigen Stolz – den lesbisch-schwulen Stolz. Ein wichtiges Zeichen. Ein gutes Zeichen.

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