Zeit, dass sich was dreht

von Annie Rutherford24.09.2014Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Nach dem gescheiterten Referendum sollten wir Schotten keine Uneinigkeit aufkommen lassen – und stattdessen die politische Energie für Veränderungen nutzen.

Es gibt 1001 Dinge, die ich über Unabhängigkeit schreiben könnte. Warum ich mich dafür entschied, mit NO zu stimmen, während viele meiner Freunde und Gleichaltrigen freudig der YES-Kampagne beitraten. Trotz meiner Wahl fühle ich tiefes Bedauern für die zerbrochenen Träume so vieler Menschen, die ich liebe und respektiere. Und trotz dieses Bedauerns ist da auch ein brodelnder innerer Schmerz, den ich jedes Mal fühle, wenn die YES-Kampagne behauptet, dass diejenigen unter uns, die gegen die Unabhängigkeit stimmten, bloß ängstlich, schlecht informiert oder reaktionär sind.

Wie auch immer, es hat in den letzten Tagen genug Schmerz und Wut gegeben. Lasst uns nun über Hoffnung reden. Für viele Anhänger der YES-Kampagne ging es bei der Unabhängigkeitsdebatte vor allem um Hoffnung – um den Traum, ein besseres, gerechteres Land zu erschaffen. Das ist ein Traum, den ich vollkommen nachvollziehen kann – aber für mich ist dieses Land kein unabhängiges Schottland, sondern ein reformiertes, lokales Vereinigtes Königreich. Ich glaube genauso an soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung wie die leidenschaftlich engagierten Befürworter der Unabhängigkeit. Aber ich glaube auch, dass Schottland eine Schlüsselrolle dabei spielen kann, soziale Gerechtigkeit im ganzen Rest des Vereinigten Königreichs voranzubringen.

Hier ist also meine Utopie, mein Traum für die kommenden Jahre.

Schottland hat Glück

So, wie die Dinge stehen, ist Großbritannien einer der am meisten zentralisierten Staaten in der westlichen Welt. Das ist nicht nur ungesund für Schottland. Es ist lähmend für Yorkshire, Manchester und Birmingham, um nur ein paar zu nennen. Die Wirtschaften dieser Regionen und Städte unterscheiden sich drastisch von denen in Südengland. Dennoch sind sie an Gesetze gebunden, die von den Bedürfnissen des Londoner Marktes diktiert werden. Ebenso sehr wie Schottland sind Teile Nordenglands von der alten Labour-Vision eines vollständigen Wohlfahrtsstaates überzeugt, welchen die aktuelle Tory-Regierung Stück für Stück auseinandernimmt. Die wirtschaftliche Verschiebung von gesetzlichen und wirtschaftlichen Themen nach London hat eine Armutskluft zwischen Nord und Süd geschaffen, die durch die aktuelle Krise nur verschärft wurde.

Jetzt ist es an der Zeit, dies zu ändern.

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