Halbwahrheiten über den Klimawandel sind mittlerweile endemisch James Hoggan

Rent a Rentner

Wohnungsnot und unerschwingliche Mieten zwingen Studenten auf die Sofas von Bekannten oder Matratzen in Turnhallen. Die Politiker haben keine Lösungen – aber die Rentner.

Auf einer Matratze in der Turnhalle oder dem Sofa eines Bekannten – so hat für viele Erstsemester im Oktober das Studentenleben begonnen. Und auch Mitte November hat sich für manche an der prekären Wohnsituation nicht viel geändert. Der Grund: Die Wohnheime sind überfüllt und auf dem freien Wohnungsmarkt haben Studenten schlechte Chancen, weil die Mieten teuer sind und weiter steigen.

100 Anfragen für eine Besichtigung

Seit Jahren erhöhen sich die Studentenzahlen, doppelte Abiturjahrgänge und der Wegfall der Wehrpflicht haben die Wohnungssituation für Studenten noch verschärft. Hinzu kommt, dass viele junge Menschen, die früher nach der Familiengründung aufs Land gezogen sind, in den Städten bleiben, weil sie das urbane Leben mit der besseren Infrastruktur und den kostensparenden kürzeren Wegen, etwa zur Arbeit, schätzen. Dadurch öffnet sich die Lücke zwischen dem Angebot von bezahlbarem Wohnraum und der Nachfrage immer weiter. Die Folge sind steigende Mietpreise. War es früher eine Herausforderung, den gewünschten Studienplatz zu bekommen, ist für viele Studenten heute die Suche nach einer preiswerten Unterkunft die größere Hürde.

Wohnraum zu teilen, ist ein Ansatz, um die hohen Mieten erträglich zu machen. Die Idee, dass junge Nicht-Verwandte aus Kostengründen in einer Wohnung zusammenleben, gab es bereits im 19. Jahrhundert. Eine Studenten-WG ist auch heute die beliebteste studentische und junge Wohnform. Doch aufgrund der großen Nachfrage kommt es zu einem Ansturm auf die attraktiven Zimmer. Viele Studenten schreiben mehr als 100 Nachrichten, bevor sie zu einer Besichtigung eingeladen werden – um sich dann gegen weitere Bewerber durchsetzen zu müssen. Auch bei Wohngemeinschaften hilft nur mehr bezahlbarer Wohnraum, um die Situation zu verbessern.

Daher steht fest: Die Politik muss Lösungen erarbeiten, um Wohnraum in den Städten für Studenten, aber auch junge Familien und Geringverdiener wieder bezahlbar zu machen. Es kann nicht sein, dass die führenden Köpfe von morgen wochenlang in der Turnhalle auf einer Matratze oder mehrere Monate bei Bekannten auf dem Sofa schlafen müssen. Die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus, der Bau neuer Wohnheime oder die Umwandlung leerer Kasernen in Studentenwohnheime – Ideen, die nicht neu sind, bisher aber nur unzureichend umgesetzt wurden. Eine schnelle Hilfe für die Studenten, die seit Wochen in Übergangsquartieren schlafen, bieten diese Ideen aber nicht.

Studenten-Senioren-WG

Doch gibt es wirklich zu wenig bezahlbaren Wohnraum in deutschen Großstädten? Oder wird der bestehende nur nicht richtig genutzt? Viele Familien, deren Kinder gerade ausgezogen sind, oder alleinstehende Senioren haben freie Zimmer, die sie vermieten und so einen wichtigen Beitrag leisten könnten. Die meisten tun dies aber nicht. Einige Städte greifen die Idee, bestehenden Wohnraum besser zu nutzen, allerdings bereits auf. Bei der Aktion „Kinderzimmer gesucht“ bieten Eltern zum Beispiel in Kassel Studienanfängern für die ersten Wochen eine Unterkunft, damit diese vor Ort nach einem WG-Zimmer oder einer Wohnung suchen können. Auch das Projekt „Wohnen für Hilfe“ nimmt den Solidaritätsgedanken auf. Dabei leben Studenten mit Menschen in einer Wohngemeinschaft zusammen, die Hilfe benötigen und zahlen dafür weniger Miete. In der Regel helfen die Studenten eine Stunde im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche. Insbesondere Senioren und Familien mit berufstätigen Eltern nehmen junge Menschen bei sich auf. Die Aufgaben sind vielfältig und reichen vom Einkaufen, Kochen oder der Gartenpflege bis hin zur Hausaufgabenhilfe.

Neben der Politik ist also auch die Solidarität jedes Einzelnen, der Wohnraum bereitstellen kann, gefragt, um bezahlbares Wohnen für junge Menschen zu ermöglichen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dietmar Bartsch, Oskar Lafontaine, Dietmar Bartsch.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Immobilie, Stadtentwicklung, Mietpreise

Debatte

Die Enteignung des Denkens

Medium_9e1b2dc1c1

Gehirnwäsche des Neoliberalismus

Die neoliberalen Politiker in CDU, CSU, SPD, AfD, FDP und Grünen sind gegen die Enteignung der Minderheit, die reich wird, weil sie täglich die Mehrheit enteignet. Dafür kriegen sie auch Parteispen... weiterlesen

Medium_169fd8a9b4
von Oskar Lafontaine
13.04.2019

Debatte

Grüne drohen Wohnungsvermietern mit Enteignung

Medium_273efd4366

Robert Habecks Enteignungspolitik

Wohnungsgesellschaften droht die Enteignung. Nach der gescheiterten „Mietpreisbremse“ treibt die Politik eine neue Sau durchs Dorf. Besser gesagt, durch Deutschlands Städte. Und sie hat leichtes Sp... weiterlesen

Medium_42121ee6e7
von Ramin Peymani
12.04.2019

Debatte

"Es braucht eine echte Mietpreisbremse"

Medium_e5447bc4af

Umgehen der Mietpreisbremse bleibt straffrei

"Das Ziel der Mietpreisbremse, die Mietenexplosion aufzuhalten und die Verdrängung zu stoppen, wurde verfehlt. Das Mietrechtsanpassungsgesetz der Bundesregierung soll nachbessern, wird aber an der ... weiterlesen

Medium_ce9fd439b2
von Caren Lay
04.12.2018
meistgelesen / meistkommentiert