Das Wunder der dritten Dimension

Anne Lena Mösken2.11.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

Der technische Aufwand, 3D-Filme herzustellen, ist eigentlich gar nicht so groß. Trotzdem wird es noch eine Weile dauern, bis das Filmerlebnis der anderen Art auch die Wohnzimmer erobert.

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Fragt man den 3D-Experten Kay Delventhal, wie das eigentlich funktioniert mit dem dreidimensionalen Film, dann sagt er: “Alles ist eigentlich ganz simpel.” Der Grund dafür ist der banale Fakt, dass wir Menschen zwei Augen haben. Diese zwei Augen nehmen zwei unterschiedliche Bilder wahr. Die werden im Gehirn wieder zusammengesetzt und so entsteht die Tiefenwirkung, die uns die Dinge sehen lässt, wo sie sind. Wir können greifen, ohne danebenzulangen, und uns durch die Welt bewegen. Will man nun diesen Effekt auf die Kinoleinwand bekommen, muss man eigentlich nichts anderes tun, als die Natur nachzuahmen, und statt eines Bildes zwei projizieren, wobei die Bilder von Kameralinsen gefilmt werden, die etwa im Abstand der Augen zueinander stehen – und fertig ist der 3D-Film. “Mit räumlichen Bildern wird schon lange experimentiert”, sagt Delventhal, der für die Spezialeffekte und die Produktion von digitalen Animationsfilmen wie “Jasper und das Limonadenkomplott” zuständig ist und sich seit Jahren mit 3D-Technik beschäftigt.

Ruckeln, Verschleiß, Filmrisse

Die technische Umsetzung ist schon schwieriger, so gab es die ersten 3D-Filme zwar schon in den 50er-Jahren, diese fristeten aber jahrzehntelang ein Dasein als Attraktion in Vergnügungsparks und Spezialkinos. 3D-Filme haben bis heute eher einen Kuriositäten-Status. Denn so einfach es klingt: Mit den zwei verschiedenen Bildern beginnen bereits die ersten Probleme. Bevor es digitale Filme gab, kämpften 3D-Pioniere gegen die unvermeidlichen Nebeneffekte von Zelluloid: Ruckeln, Verschleiß oder gar Filmrisse erschwerten das zeitgleiche Abspielen der beiden Filmrollen, ohne das kein räumliches Bild entstehen kann.

Mit der Brille in die dritte Dimension

Das bis heute einfachste Verfahren zum Herstellen von 3D-Effekten ist die Stereoskopie. Der räumliche Eindruck entsteht dabei eben genau dadurch, dass jedem Auge ein seitlich versetztes Teilbild dargeboten wird, indem die Zuschauer Brillen tragen. Lange Zeit waren die beispielsweise mit zwei verschiedenfarbigen Gläsern ausgestattet, mit denen die beiden Bilder, die zuvor mit komplementären Farben unterschiedlich eingefärbt wurden, getrennt werden. Dieses anaglyphe Verfahren gibt es bis heute, mittlerweile wurde es weiterentwickelt und funktioniert auch farbneutral. In modernen 3D-Kinos werden jedoch andere Brillen eingesetzt: Shutterbrillen. Die haben zwei steuerbare LCD-Gläser, die nacheinander abwechselnd durchsichtig und wieder lichtundurchlässig werden. Synchron dazu wird auf der Leinwand jeweils ein Bild für das linke und eines für das rechte Auge abgebildet. Damit die Bilder nicht flimmern, muss das rasend schnell geschehen. Weil Shutterbrillen jedoch Strom brauchen, sind sie teuer und gehen zudem noch schnell kaputt. Also benutzen viele Kinos Polarisationsfilterbrillen, die mit zirkular polarisiertem Licht arbeiten.

Prinzip Wackelbild

Doch Brillen, die oft schwer und unbequem sind, sind nicht der Traum eines 3D-Film-Machers. Daher arbeiten die Entwickler an Methoden, dreidimensionale Bilder entstehen zu lassen, die mit dem bloßen Auge ohne Hilfsmittel wahrgenommen werden können. Autostereoskopie heißt dieses Verfahren und der Clou liegt dabei in der Leinwand selbst. Die zwei Bilder werden durch Prismen gebrochen, die ganz ähnlich funktionieren wie die Wackelbilder, die man hin- und herbewegt, und so unterschiedliche Bilder sieht. Mehrere Menschen sollen gleichzeitig den Film sehen können, zudem soll die dreidimensionale Wirkung nicht nur von einem ganz bestimmten Punkt zu sehen sein und verschwinden, sobald der Winkel des Betrachters zum Bildschirm nicht mehr stimmt. Einigen Menschen wird aber vom Zuschauen schlecht, sie bekommen Augenschmerzen, und Ärzte warnen vor epileptischen Anfällen.

Zukunftsmusik

Trotzdem sagt Kay Delventhal: “3D-Filme sind ein Zukunftsmarkt. Damit könnten Kinos sich wieder eine Legitimation verschaffen.” Der Eventcharakter könnte die Menschen wieder ins Kino ziehen. Die Handlung der Filme rückt oft in den Hintergrund, stattdessen geht es eben um die Effekte. Aber wenn zu viel auf der Leinwand passiert, ist der Zuschauer schnell überfordert. Außerdem müssen Filmemacher den 3D-Effekt schon bei den Dreharbeiten im Hinterkopf haben, der Blick der Zuschauer muss gelenkt werden: Denn bei 3D-Aufnahmen verschlechtert sich der Effekt, wenn beispielsweise gerade noch der Fokus in der linken oberen Ecke lag und in der nächsten Sekunde dann in die rechte untere Ecke springt. Angenehm ist so ein Film dann nicht. Besser funktionieren ruhigere Einstellungen, Landschaftsaufnahmen zum Beispiel, die dem Auge Zeit lassen. Nebenbei spielen Produktionsfirmen mit der “vierten Dimension”: bewegliche Kinoräume, die wackeln, nach hinten kippen und so Beschleunigung simulieren, Gerüche werden den Zuschauern um die Nasen geweht und dem reinen Sehen so andere sinnliche Wahrnehmungen zugefügt. “Spielkram”, findet Delventhal. Die ultimative 3D-Version ist das Hologramm: Bilder schweben frei im Raum und können von allen Seiten frei betrachtet werden.

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