Wissensdefizite in der Aufklärung über das andere Sterben von Organspendern und weitere Strategien der Organbeschaffung

Anna Bergmann15.01.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Postmortale Organspende, Spende nach dem Tod, Kadaverspende – solche Bezeichnungen sind in Gesetzestexten, Presseberichten und auf Organspendeausweisen üblich. Diese Todesrhetorik täuscht vor, alle Menschen könnten – egal ob sie Zuhause, auf der Straße oder im Krankenhaus sterben – Organspender werden. Die Vorstellung von der Organspende nach dem Tod ist im kollektiven Bewusstsein so verankert, dass mittlerweile sogar Bestatter von Angehörigen gefragt werden, wo ihre toten Verwandten Organe spenden können.

Laut Umfrageergebnissen geht z.B. ein Drittel der deutschen Bevölkerung davon aus, die Organentnahme finde erst nach dem Herztod statt – darunter auch Menschen, die einen positiv angekreuzten Organspendeausweis bei sich tragen.[i] Das Wissen über den Hirntod, resümieren die Autoren der Befragung, war gering[ii]. Dieser defizitäre Informationsstand über die Bedingungen einer Organspende resultiert aus der seit Jahrzehnten unter Mithilfe der christlichen Kirchen und Medien staatlich betriebenen Popularisierung „der uneigennützigen Organspende nach dem Tode[iii]. Eine solche Wortwahl tabuisiert mehrere strukturelle Probleme der Transplantationsmedizin, die sie seit ihrer Durchsetzung als anerkannte chirurgische Methode immer wieder neu zu bewältigen hat. Das größte Konfliktpotenzial wurde 1968 offenbar, als die erste Hirntoddefinition den Weg dafür frei machte, Organe von Patienten mit Hirnversagen aus ihren nunmehr „lebenden Körpern“ gewinnen zu können. Seither berührt die Organgewinnung das Tötungstabu,[iv] auch wenn die Transplantationsmedizin sich seit 50 Jahren auf Explantationen von „Hirntoten“ zu beschränken und damit den Tötungsverdacht auszuräumen versucht.

Die Wahrscheinlichkeit jedoch, einen „Hirntod“ auf einer Intensivstation z.B. infolge einer Hirnblutung oder Schädelverletzung zu erleiden, war und bleibt extrem gering. So ist der international beklagte „Organmangel“ vor allem einer Tatsache geschuldet: Der Anteil von intensivmedizinisch behandelten Patienten, deren Gehirn vor dem Atem-Herzstillstand auf einer Intensivstation versagt und die unter dieser Voraussetzung als hirntote Organspender in Frage kommen, liegt unter den Verstorbenen bei etwa nur 0,3 Prozent.[v]

Mit aller Macht aber hält die Transplantationsmedizin an der Quadratur des Kreises mit immer weiteren aggressiven Strategien der Organbeschaffung fest. Dazu zählen momentan: die Maximierung der Lebendspende (Nieren, Leber, Lunge); die Aufgabe der ursprünglichen Hirntodkriterien bei Patienten mit Herzstillstand; die Verbindung von Euthanasie und Organspende; die Verpflanzung kranker und alter, sogenannter „marginaler Organe“; Werbekampagnen für Organspende, in denen Zahlen der Wartelistenpatienten genannt, nicht aber die Überlebensraten der Organempfänger offengelegt werden; die auf Hochtouren arbeitende Forschung zur gentechnischen Erzeugung von Mensch-Tier-Mischwesen.

Jede einzelne dieser Methoden bildet einen Mosaikstein in den Versuchen der Organvermehrung und spiegeln strukturelle Probleme dieser Medizin wieder: Sie überschreiten kulturelle, anthropologische und biologische Grenzen und bewegen sich unter medizinethischen Aspekten auf einem sehr schmalen Grat. So ist ein mit Körperverletzungen verbundenes ärztliches Handeln (z.B. Operation) ausschließlich gerechtfertigt, wenn damit das Wohlergehen der jeweiligen Patienten intendiert wird. Keine einzige medizinische Handlung der „Spenderkonditionierung“ sowie der großen Operation einer Explantation hingegen dient den betreffenden Patienten.

Eine weitere Besonderheit der Organbeschaffung ist, dass die sonst gesetzlich vorgeschriebene ärztliche Aufklärungspflicht für sämtliche medizinischen Eingriffe einer Organspende aufgehoben ist: angefangen von der invasiven Hirntoddiagnostik über die intensivmedizinische Spenderkonditionierung bishin zur mehrstündigen, anästhesiologisch betreuten, größten Operation der Multiorgan- und Gewebeexplantation, die von der Chirurgie jemals entwickelt wurde. Immerhin dürfen Spender in bis zu acht Organe und nach dem Herztod im Rahmen der Gewebespende in weitere Körperteile zerlegt werden. Trotzdem ist das zu den Hauptpflichten der behandelnden Ärzte zählende Aufklärungsgebot gegenüber potenziellen Organspendern außer Kraft gesetzt. Auch diese Ausnahmeregelung verweist auf eine systembedingte Notwendigkeit zur Intransparenz der transplantationsmedizinischen Praktiken.

So verwundert es nicht, dass in Ländern mit der Widerspruchslösung, in denen jeder Mensch potenzieller Organspender ist – es sei denn, er hat zu Lebzeiten ein schriftliches Veto eingelegt (z.B. Frankreich) –, eine öffentliche Thematisierung der Organspende vermieden wird. In Staaten mit der erweiterten Zustimmungsregelung hingegen überhäufen moralisch und christlich begründete Werbekampagnen die Bevölkerung. Diese Gesetzgebung setzt wenigstens ein Kreuzchen auf dem Organspendeausweis oder die Zustimmung der Angehörigen voraus. Aber egal, ob die Praxis der Organbeschaffung durch die Widerspruchslösung, die erweiterte Zustimmungs- oder Entscheidungsregelung bestimmt ist: in allen Ländern mit einem etablierten Transplantationssystem herrscht Unwissenschaft über die Bedingungen, unter denen Organspender sterben.

Acht Fakten, die in der Werbung um Organ-„Spende“ verschwiegen werden:

  1. Die Hirntoddefinition: „Tote Personen“ mit „noch überlebenden übrigen Körpern

Die Gleichsetzung des „Hirntodes“ mit dem Tod des Menschen ist in der internationalen Fachdiskussion seit der Einführung der Hirntodvereinbarung von 1968 umstritten. So hat z.B. ein knappes Drittel der Mitglieder des Deutschen Ethikrats in seiner Stellungnahme zur Organspende 2015 erklärt: „Der Hirntod ist keine hinreichende Bedingung für den Tod des Menschen“.[vi] Diese Position ist plausibel, wenn wir uns ein Bild von „Hirntoten“ zu machen versuchen: Die Hirntoddefinition teilt einen Patienten in eine „tote Person“ mit einem „noch überlebenden übrigen Körper[vii] auf.

Eine solche doppeldeutige Wesenszuschreibung erlaubt, den Tod eines Menschen in nur einem Organ (Gehirn) zu lokalisieren und Zeichen des Lebens mit denen eines Kadavers zu vereinbaren. Die Hirntoddefinition fixiert den Tod des Menschen auf ein einziges Organ und einen einzigen Zeitpunkt.[viii] Dadurch wird der prozesshafte Charakter des Sterbens im biologischen Sinne, aber auch als ein sozial hochdramatisches und transzendentes Ereignis, das selbst in säkularen Kulturen weiterhin in spirituelle Bewältigungsformen gefasst ist, verleugnet. Das Herz von Hirntoten schlägt, ihre Lungen atmen mit technischer Hilfe, sie verdauen, scheiden aus, wehren Infektionen ab, haben eine intakte Blutgerinnung, schütten Stresshormone aus und sie sind bis zu 17 Reflexbewegungen in der Lage – etwa Wälzen des Oberkörpers, Hochziehen der Arme, Beine und Schultern.[ix] Sie werden bis zu ihrem Herztod medizinisch betreut, genährt, gepflegt und „hirntote“ Frauen können noch ein Kind austragen.

  1. Das Therapieziel „Hirntod“ im Szenario der Apparatemedizin und die mögliche Reanimation von Organspendern bei Herzkreislaufstillstand

Zu dem weit verbreiteten Unwissen über das Hirntodkonzept zählt auch die Unvereinbarkeit von einer Organspende und einer Patientenverfügung, die das Ende des Lebens eines an Monitore, Schläuche und Apparate angeschlossenen Menschen zu verhindern sucht. Dieser Widerspruch offenbart sich, wenn darin festgelegt ist, bei einer infausten Prognose die Therapie auf der Intensivstation zu beenden, gleichzeitig aber ein positiv ausgefüllter Spendeausweis vorliegt, der eine intensivmedizinische Weiterbehandlung bis zum Eintritt des „Hirntodes“ und schließlich bis zur Explantation erforderlich macht. Das Leben von Patienten, bei denen ein Hirnversagen absehbar, aber noch nicht eingetreten ist, darf zum Zweck der Organgewinnung als Alternative zu einem palliativmedizinisch betreuten Behandlungsabbruch um Tage oder sogar Wochen verlängert werden. Somit ist es nicht nur möglich, den „Hirntod“ zu einem Therapieziel zu machen, sondern aufgrund der Einstellung aller sedierenden Maßnahmen als zwingende Voraussetzung für eine Hirntoddiagnostik kann der Patient unerträglichen Schmerzen ausgesetzt werden.[x]

Ab dem Zeitpunkt der Hirntodfeststellung haben Organspender als Tote alle Patientenrechte verloren. Ihre intensivmedizinische Weiterbehandlung wurde lange als „Spenderkonditionierung“ bezeichnet und dann durch den entmenschlichenden Begriff „organprotektive Therapie“ ersetzt. Die Verwendung dieser Terminologie hat den Effekt, dass sich niemand einen Menschen, nicht einmal mehr einen Toten bildlich vorstellt, dem diese Therapie ‚zugute’ kommt. Sie darf höchst invasive Maßnahmen gegen einen Herzkreislaufzusammenbruch, im schlimmsten Fall eine Reanimation von Organspendern beinhalten, um den Herztod der Patienten bis zur Explantation hinauszuzögern.[xi]

  1. Narkosen für Tote. Der auf dem Operationstisch medizinisch erzeugte Herztod von „hirntoten“ Organspendern

Die große Operation einer (Multi-)Explantation wird anästhesiologisch betreut. Wenn Organspender vom Brust- bis zum Schambein aufgeschnitten werden, erhalten sie Medikamente zur Unterdrückung von Muskelbewegungen, in der Schweiz sind Narkosen obligatorisch. Wenn das Blut durch die kalte Nähr- und Kühllösung gegen Verwesungsprozesse ausgetauscht wird und die eiskalte Flüssigkeit in die Spender dringt, können sie mit Schwitzen, Hautrötungen, Anstieg von Blutdruck, Herzfrequenz oder Zuckungen reagieren.[xii] Das Tötungstabu wird dramatisch verletzt, sollten professionell Beteiligte den Hirntod nicht als Tod des Menschen wahrnehmen: „Wenn der Patient zwar definitorisch für tot erklärt ist”, so Günther Feuerstein, „in Wirklichkeit aber noch leben würde, läge die offensichtliche Unmoral darin, ihn als Leiche zu behandeln und dadurch de facto zu töten”.[xiii] Entsprechend äußert eine Operationsschwester: „Man muß sich immer sagen, wenn die Tür aufgeht und der Patient reingeschoben wird, kommt ein toter Patient rein, sonst würdest du letztendlich mit deinem Team einen Mord begehen.“[xiv]

 

  1. 4. Organspende – Der Verzicht auf palliative Sorge im Sterbeprozess und Pietät

Obwohl die palliativ-hoszipliche Sorge um Sterbende mittlerweile Einzug in die Krankenhäuser gehalten hat, verbietet sie sich bei Organspendern. Denn die Operationslogik der Explantation zwingt zur Aufgabe von Grundsätzen des Hospizgedankens, der Pietät und der Totenfürsorge. Die Organspende nimmt Patienten die Möglichkeit, von ihren Angehörigen bis zum letzten Atemzug umsorgt zu werden, zum anderen verletzt sie den der Familie sonst zugesicherten Rechtsanspruch auf ihren Schutz als Trauernde. Das Pietätsgebot räumt eine von Dritten zu respektierende Tabuzone ein, es schützt die Hinterbliebenen in ihrem Totengedenken. Aber selbst die Toten haben ein Anrecht auf Totenruhe, von dem sich das Strafdelikt der Leichenschändung ableitet. Die Zerlegung von Organ- und Gewebespendern in einzelne Körperteile hingegen kündigt Bräuche unserer Bestattungskultur sowie die „heilige Scheu“ vor dem Leichnam auf. Die Explantation stellt einen massiven Eingriff in den Trauerprozess der Hinterbliebenen dar und kann bei den Angehörigen schwere Traumatisierungen hinterlassen.[xv]

 

  1. Das „gerechtfertigte Töten“ für die Lebensrettung anderer Patienten

In Ländern wie z.B. Belgien und der Schweiz ist die Explantation von sogenannten „Spendern ohne schlagende Herzen“ – den „Non Heart Beating Donors“ erlaubt. Im Gegensatz dazu steht die Organentnahme von Patienten mit Herzstillstand in anderen Staaten wie z.B. Finnland oder Deutschland unter Strafe. Auch die deutsche Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer verwarf sie explizit als Tötung.[xvi] Schließlich ist nach einem Herzstillstand der Mensch noch bis zu maximal 15 bis 20 Minuten aufgrund des weiterhin aktiven Hirnkreislaufs reanimierbar und kann ins Leben zurückgeholt werden. Bei Non Heart Beating Donors erfolgt die Organgewinnung genau in dieser Phase, also zu einem Zeitpunkt, wenn die ursprünglichen Kriterien des „Hirntodes“ nicht erfüllt sind. Im Vergleich zu Organspendern mit schweren Hirnschädigungen ist daher nicht nur eine vollständig andere Operationslogistik notwendig, auch musste eine von der Hirntodvereinbarung unabhängige, neue ethische Legitimation für die Nutzung der „Spender ohne schlagende Herzen“ vorgelegt werden. Mit dieser Problematik befassten sich die US-amerikanischen Bioethiker Robert D. Truog (Harvard Center for Bioethics) und Franklin G. Miller (National Institutes of Health), als sie 2008 erklärten: Die Hirntoddefinition sei biologisch nicht aufrechtzuerhalten.[xvii] Aus dieser Neubewertung der Hirntodvereinbarung leiteten Truog und Miller ein zum verpflanzungsmedizinischen Zweck verallgemeinertes medizinisches Tötungsrecht ab, um die Explantation speziell auch von Patienten mit Herzstillstand zu erlauben. Sie forderten eine vollständige Enttabuisierung des Tötungsverbots, ein „gerechtfertigtes Töten“ („justified killing[xviii]) für die Lebensrettung anderer Patienten.

Truog und Miller haben dieses Argumentationsmuster, das die ethische Reputation der Transplantationsmedizin zu beschädigen droht, vor einem guten Jahrzehnt vorgelegt. Sie werden bevorzugt von Kritikern der Hirntodvereinbarung zitiert, aber sehr viel weniger von Verpflanzungsmedizinern offensiv vertreten. Um jede Diskussion über das medizinische Töten im Kontext der Organgewinnung zu umgehen, wagte man stattdessen einen neuen Griff in die Trickkiste der transplantationsmedizinischen Rhetorik: Die Forderung nach einem Freibrief für das Töten, um das Leben anderer Menschen zu retten, wurde durch eine Nivellierung von Hirn- und Herzversagen einfach ersetzt, so auch in der Schweiz. „Es gibt nur einen Tod“,[xix] heißt es in einem Kommentar der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. In den nunmehr auf die Todesdiagnostik der Non Heart Beating Donors neu zugeschnittenen Richtlinien zur Feststellung des nur noch „einen (Hirn-)Todes“ sind die ursprünglichen Durchführungsbestimmungen zur Hirntoduntersuchung aufgegeben und als ein novelliertes Hirntod-Diagnoseverfahren präsentiert. Dagegen kommentiert die Medizinethikerin Ruth Baumann-Hölzle diese neuere Praxis: „Anders als bei herkömmlichen Transplantationen sind diese Patienten nicht hirntot, sondern leben noch.“[xx]

  1. Die Palliative Care wird bei Spendern mit Herzstillstand pervertiert

Die Organentnahme der größten Gruppe der Non Heart Beating Donors erfolgt im Rahmen eines palliativ begleiteten Behandlungsabbruchs der Intensivtherapie (Kategorie: „Awaiting cardiac arrest“). Die Palliative Care ist bei der Explantation dieser Spendergruppe tätig und übernimmt nunmehr eine zweckentfremdete Funktion. Im Vergleich zur Explantation von „Spendern mit schlagenden Herzen“ dürfen Angehörige die Sterbenden zwar länger begleiten, sie sind aber vorweg von einem „Care Team“ darauf vorzubereiten, nach dem Herzstillstand den Operationssaal zügig verlassen zu müssen. Ihnen bleibt kein Raum, keine Stille für den letzten Abschied.

Palliativmediziner haben in der Vorbereitungsphase der Explantation weitere spezielle Dienste zu leisten.[xxi] Wie bei einem auf der Intensivstation üblichen Behandlungsabbruch, erfahren Organspender mit Herzstillstand eine Palliativersorgung. Dabei geht es aber auch um die Präparation der Patienten für die Organentnahme: Es werden Kühl- und Nährflüssigkeit, Perfusionssonden und Kanülen bereit gestellt. Die Spender erhalten vor dem Herzkreisstillstand eine hochdosierte Injektion eines blutverdünnenden Mittels, um die Durchblutung der Organe abzusichern. Beim Therapieabbruch zählt es zur Aufgabe der Palliative Care, schmerzbetäubende und sedierende Mittel zu geben. Palliativmediziner könnten verführt sein, gegen das Verbot zu verstoßen, den Sterbeprozess durch eine erhöhte Dosis zu beschleunigen, um eine bessere Organqualität zu erzielen. Denn die Spende wird hinfällig, wenn die Phase ab dem Behandlungsabbruch bis zum Herzstillstand zwei Stunden überschreitet.[xxii]

Nach einer ‚no-touch’ Periode, die jede medizinische Maßnahme verbietet, folgt die Todesfeststellung. Die Zeitspanne dieser ‚no-touch’ Phase liegt zwischen dem letzten Herzschlag und dem Beginn der Durchströmung der Organe mit der Nähr- und Kühlflüssigkeit. Sie schwankt in europäischen Ländern zwischen zwei und 20 Minuten:[xxiii] in Spanien und der Schweiz beträgt sie z.B. fünf, in Italien 20 Minuten. Nach der Todesfeststellung wird der Spender wieder künstlich beatmet. Treffend charakterisieren die Transplantationsmediziner Hendrik Treede und Hermann Reichenspurner diese Form der Explantation als „Reanimationsprogramm[xxiv]. Für die Sicherstellung „lebensfrischer Organe“ ist der Sterbeprozess rückgängig zu machen und wie schon bei Patienten mit Hirnversagen kann der betreffende Mensch sein Sterben nicht im eigenen Rhythmus vollenden. Die Rolle der Palliative Care ist pervertiert: Die Sorge um den sterbenden Menschen tritt vollends in den Hintergrund und der Patient degeneriert im Zuge eines gewalttätigen medizinischen Aktes der Wiederbelebung zu einer Organressource.

  1. Organspende-Euthanasie“: Statt verrotten, verwerten und recyceln im Zeichen von Patientenautonomie

In Anlehnung an Truogs und Millers Konzept des „justified killings“ fordern die Bioethiker Dominic Wilkinson und Julian Savulescu (Oxford University) die Einführung der „Organspende-Euthanasie“,[xxv] um jährlich tausenden von Menschen das Leben zu retten. Statt „die Mehrzahl dieser Organe verrotten[xxvi] zu lassen, so die Recycling-Mentalität der Autoren, wäre eine reiche Organressourcenquelle zu erschließen, wenn Menschen mit einer aussichtslosen Erkrankung sich für ein „selbstbestimmtes Sterben“ durch die Operation einer Explantation entscheiden dürften. Mit ihrem Vorschlag wollen die Bioethiker den „Organmangel“ beheben und die Organqualitäten erhöhen. Die unter transplantationsmedizinischen Kriterien organisierte Euthanasie böte weitaus bessere Organe als die von „hirntoten“ Patienten und Non Heart Beating Donors.

Belgien, Holland und vielleicht auch die Schweiz könnten Vorbild für die „Organspende-Euthanasie“ werden: In den Niederlanden und Belgien erfolgt bereits auf Grundlage der Euthanasiegesetzgebungen eine Kombination von aktiver Sterbehilfe und der Organgewinnung nach Herzstillstand.[xxvii] Und in der Schweiz gibt es seitens der Transplantationsmedizin ernsthafte Überlegungen,[xxviii] den Spenderpool durch die Nutzung von Patienten im Rahmen des assistierten Suizids zu vergrößern. Felix Straumann rechnet im Schweizer Tages-Anzeiger vor: […] das Potenzial wäre beträchtlich. Im Jahr 2014 nahmen gemäss aktueller Statistik des Bundes 740 Personen eine Freitodbegleitung in Anspruch. Überträgt man die niederländisch-belgische Studie auf die Schweiz, kämen geschätzte 74 Personen als potenzielle Spender infrage.“ [xxix]

  1. Der Mythos vom „neuen Leben“ und die Verpflanzung von Organen alter sowie kranker Menschen

Die Transplantationsmedizin verspricht todkranken Menschen ein „neues Leben“. Wie keine andere Medizin scheint sie ein Stück Unsterblichkeit zu bieten. Die säkulare Heilsbotschaft, den Tod durch einen harmlosen Austausch von „alten“ durch „neue“ Organe überwindbar zu machen, bemüht einen immer gleichen Darstellungsmodus: Vorher vom Tod gezeichnete Patienten und nach der Transplantation überglückliche Familien, die den Sieg über den Tod verkörpern, während das Sterben sowohl von Organspendern als auch von Organempfängern, deren Transplantation nicht zu dem erhofften Erfolg führt, von der Bildfläche verschwindet. Aber diese Therapieform beruht auf einem alten, mechanistischen Körperbild, das mit unserer leiblichen Verfasstheit kollidiert und gleichzeitig ihr zu entfliehen sucht: Gegen das bisher ungelöste Grundproblem der Organabstoßung muss die natürliche Immunabwehr der Empfänger tagtäglich medikamentös bekämpft werden, teilweise erfolgt die Immunsuppresion auch mit gentechnisch erzeugten Präparaten. Lebensgefährliche „Nebenwirkungen“ sind die Folge. Aber die großen, durch unseren Körper vorgegebenen, biologischen Hindernisse für die Verpflanzung von Organen anderer Menschen sowie die Grenz- und Tabuüberschreitungen dieser Medizin gehen in dem unerschütterlichen Machtbarkeitsglauben unserer Kultur unter.

Der Mythos vom „neuen Organ“ fällt jedoch wie ein Kartenhaus zusammen, wenn wir uns die Strategie der Organvermehrung durch die sogenannte „Liberalisierung der Spenderkriterien“ vergegenwärtigen: Seit Ende der 1990er Jahre nimmt der Anteil älterer Menschen, die einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung erleiden, in dem sogenannten „Spenderpool“ kontinuierlich zu. Die Multiorganentnahmen von älteren Patienten stiegen „von ehemals 20 % auf jetzt 70 %“,[xxx] beklagten 2008 Transplantationsmediziner wegen der höheren Risiken für die Empfänger solcher Organe. Auch in der Schweiz ist dieser Trend feststellbar: 2017 waren hier 39 Prozent der Spender über 65 und nur acht Prozent unter 30 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Organspender stieg allein 2017 von 55 auf 58 Jahre.[xxxi]

Die Relationsverschiebung von älteren und jüngeren Spendern ist das Ergebnis einer maximierten Organgewinnung: 1999 eröffnete Eurotransplant das „Eurotransplant Senior Program“ (ESP) unter der Floskel „Old-for-Old“. Mit dieser Regelung wurden erstmals Auswahlkriterien hinsichtlich des Alters von Nierenspendern und ihren Empfängern gelockert. Aus dem „ESP-Program“ erhalten Patienten Nieren von Spendern, die 65 Jahre und älter sind. Die Transplantationschirurgen Ulrich T. Hopt und Oliver Drognitz erläutern diese Innovation: „Nieren von alten Spendern wurden früher nicht verwandt, da sie eine geringere Funktionsdauer […] haben. Da andererseits alte Patienten eine limitierte Lebenserwartung haben, wurde das sogenannte ‚Old-for-Old Programm’ initiiert.“[xxxii] Die ursprünglich auf Nieren und Alter beschränkte Liberalisierung der Spenderkriterien gilt mittlerweile für andere Organe, ebenso für Empfänger, die unabhängig von ihrem Alter aufgrund weiterer Erkrankungen die geringsten Lebenserwartungen haben.

Angesichts der Kompliziertheit schon einer „normalen“ Transplantation ist diese Verpflanzungspraxis umso befremdlicher, denn sie kalkuliert den therapeutischen Misserfolg von vornherein ein. Der Kanon dessen, was mittlerweile in todkranke Patienten operiert werden darf, beschränkt sich nicht mehr nur auf Senioren.[xxxiii] Für eine neuartige Selektionsdiagnostik sind die Begriffe des „marginalen Organs“, des „marginalen Spenders“ und sein Pendant: des „marginalen Empfängers“[xxxiv]“ (lat. marga: ‚Rand’) eingeführt worden. Aus der Erfindung dieser statistisch keineswegs als „marginal charakterisierbaren Patientengruppen sind weitere Wortschöpfungen entstanden: „grenzwertige“,[xxxv] „suboptimale“ oderschlechte Organe“.[xxxvi] Für jedes einzelne Organ hat die Transplantationsmedizin bestimmte Kriterien für den „idealen Spender“ mit „soliden Organen“ und den „marginalen Spender“ festgelegt. „Marginale Spenderorgane“ weisen folgende Merkmale auf: Sie „sind in ihrer Organqualität infolge eines hohen Spenderalters, Vorerkrankungen, anatomischer Anomalien, langer Intensivzeit, Reanimationsphasen, Schäden bei der Organentnahme etc. beeinträchtigt.“[xxxvii] So stellen Verpflanzungen von Wasser- und Raucherlungen[xxxviii] oder Lebern mit dem höchsten Verfettungsgrad von „mehr als 65 %[xxxix] keine Hindernisse mehr dar.

Patienten, die für die Transplantation solcher Organe in Frage kommen, sind folgendermaßen charakterisiert: „’Marginale’ Empfänger werden durch fortgeschrittenes Alter oder relevante Komorbiditäten [weitere Krankheiten, die zu der Grunderkrankung hinzukommen] definiert.“[xl] Auch die Konservierungszeiträume während des Transports im blutleeren Zustand (kalte Ischämiezeit) wurden für „marginale“ Organe erweitert, teilweise verdoppelt.[xli] Im Fall einer verlängerten Ischämiezeit „bei alten Spenderherzen“ stellen die Kardiologen Daniel Höfer und andere fest, dass bis zu 40 Prozent aller Empfänger solcher Herzen die Transplantation das erste Jahr nicht überleben.[xlii]

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist für das Ziel der Organvermehrung eine ausdifferenzierte Diagnostik zur Selektion von „marginalen“ und „soliden Organen“ unter Gesichtspunkten der Verwertbarkeit systematisiert worden. Die Kategorien „marginale Spender“ und „marginale Empfänger“ beruhen auf einer biologischen Einteilung in höher- und minderwertige Patienten. Solche Klassifizierungen von Organempfängern zeugen – wie schon die Kennzeichnung von Patienten mit einem Hirnversagen (z. B. „Herz-Lungen-Pakete“, „lebende Restkörper“) – von einer menschenverachtenden, utilitaristischen Mentalität dieser High-Tech-Medizin.

[i] Vgl. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/101153/Grosse-Wissensluecken-beim-Thema-Organspende; vgl. auch: Wagner, Elias, Marckmann Georg, Jox, Ralf J.: Koinzidenz von Patientenverfügung und Zustimmung zur Organspende: Was wünschen die Betroffenen? Eine Befragung deutscher Senioren. In: Gesundheitswesen. Stuttgart/New York 2019. Online-Publikation in: DOI https://doi.org/10.1055/a-0837-0882)

[ii] Wagner/Marckmann/Jox 2019, S. 1.

[iii] Arbeitskreis Organspende (Hg.): Organspende rettet Leben!, Neu-Isenburg o.J., S. 8.

[iv] Vgl. Bergmann, Anna: Der entseelte Patient. Die moderne Medizin und der Tod. Stuttgart 2015 (2. aktualisierte Auflage), S. 265-280.

[v] So kommen in dem „beschaffungsfreundlich(en)“ Land Österreich (vgl. Schmid, Christof/Schmitt, Jan. D./Scheld, Hans, H.: Herztransplantation in Deutschland. Ein geschichtlicher Überblick. Darmstadt 2003, S. 82) etwa maximal 0,25 Prozent der Gestorbenen als „hirntote“ Organspender in Betracht. Vgl. Statistik Austria, Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung, Gestorbene nach ausgewählten Merkmalen, Lebenserwartung und Säuglingssterblichkeit seit 2007. In: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/gestorbene/index.html (17.05.2019); vgl. Eurotransplant: Statistical Report 2017. Leiden o.J., S. 2: https://www.eurotransplant.org/cms/mediaobject.php?file=803150+020288+Statistical+Report+2017+%28online%2913.pdf (17.09.2018).

[vi] Deutscher Ethikrat: Hirntod und Entscheidung zur Organspende. Stellungnahme. Berlin 2015, S. 84, 166, 172.

[vii] Spittler, Johann Friedrich: Der Hirntod. Tod des Menschen. Grundlagen und medizinische Gesichtspunkte. In: Ethik in der Medizin 7 (1995), S. 130. Vgl. auch für das Folgende: Baureithel, Ulrike/Bergmann, Anna: Herzloser Tod. Das Dilemma der Organspende. Stuttgart 1999.

[viii] Vgl. Baureithel/Bergmann 1999; Lindemann: Beunruhigende Sicherheiten. Zur Genese des Hirntodkonzepts. Konstanz 2003.

[ix] Vgl. Pendl, Gerhard: Der Hirntod. Eine Einführung in seine Diagnostik und Problematik, Wien – New York 1986, S. 30 ff.

[x] Vgl. Sahm, Stephan: Der Übereifer vor dem Tod. In: FAZ vom 25.02.2019. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/neues-gesetz-fuer-organspende-der-uebereifer-vor-dem-tod-16057911.html; Erbguth, Frank/Dietrich, Wenke: Therapieziel Hirntod. Soll ein potenzieller Organspender mit aussichtsloser Prognose zugunsten einer möglichen Transplantation lebensverlängernd behandelt werden? In: Bayerisches Ärzteblatt (2014), H. 3, S.116 (Hervorhebung A.B.). http://www.bayerisches-aerzteblatt.de/fileadmin/aerzteblatt/ausgaben/2014/03/einzelpdf/BAB_3_2014_116_119.pdf; Sahm, Stephan: Hirntod und Organspende. Die Leerstelle in Spahns Debatte. Wer mehr Organspenden möchte, muss die Spender zu Lebzeiten auswählen und länger künstlich am Leben halten – Stunden, Tage oder Wochen. Wollen die Spendenwilligen das? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.10.2018. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/leerstelle-in-spahns-debatte-hirntod-und-organspende-15863180/die-behandlungen-in-den-15864023.html (01.02.2019); Blum, Karl: Inhousekoordination bei Organspenden. Abschlussbericht. Forschungsgutachten im Auftrag der Deutschen Stiftung Organspende (DSO). Hrsg. von dem Deutschen Krankenhausinstitut. Düsseldorf 2012, S. 71.

[xi] Vgl. Neitzke, G. u.a.: Entscheidungshilfe bei erweitertem intensivmedizinischem Behandlungsbedarf auf dem Weg zur Organspende. Positionspapier der Sektion Ethik und der Sektion Organspende und -transplantation der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) unter Mitarbeit der Sektion Ethik der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), S. 2 und Passus: „hochgradige Eingriffsintentsität“. Onlinepublikation: https://doi.org/10.1007/s00063-019-0578-3

[xii] Vgl. Schwarz, Gerhard: Dissoziierter Hirntod. Berlin u. a. 1990, S. 44-45.

[xiii] Feuerstein, Günther: Feuerstein, Günter: Das Transplantationssystem. Dynamik, Konflikte und ethisch-moralische Grenzgänge. Weinheim – München 1995, S. 229.

[xiv] Zit.n. Witt de, Maxi: Transplant. Hamburg 2012, S. 100.

[xv] Vgl. z.B. Kalitzkus, Vera: Dein Tod, mein Leben. Warum wir Organspenden richtig finden und trotzdem davor zurückschrecken. Frankfurt/M. 2009; Greinert, Renate: Konfliktfall Organspende. Unversehrt sterben! Der Kampf einer Mutter. Mit einem Vorwort von Franco Rest. München 2008.

[xvi] Vgl. Erklärung der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer: Tötung durch Organentnahme widerspricht ärztlicher Ethik. Abgedr. in: Deutsches Ärzteblatt 94 (1997), H. 28/29, S. A1963; vgl. auch Heide, W.: „Non-heart-beating donors“ sind nicht geeignet. In: Nervenarzt 87 (2016), S. 161-168.

[xvii] Vgl. Truog, Robert D./Miller, Franklin G: The Dead Donoar Rule and Organ Transplantation. In: The New England Journal of Medicine 359 (2008), H. 7, S. 669-675, hier S. 674 und vgl. dies.: Rethinking the Ethics of Vital Organ Donations. In: Hastings Report 38 (2008), H. 6, S. 38-46, hier S. 41.

[xviii] Ebd., S. 42.

[xix] SAMW: Es gibt nur einen Tod. Kommentar der SAMW zu den zentralen Revisionspunkten der Richtlinien „Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen“ 2011. Vgl. auch: Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften: Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen. Medizin-ethische Richtlinien. Basel 2011, S. 6.

[xx] Warten bis das Herz stillsteht. Interview mit Ruth Baumann-Hölzle. Abgedr. In:Tages-Anzeiger vom 15.02.2013. https://www.swisstransplant.org/fileadmin/user_upload/Swisstransplant/In_den_Medien/Printmedien/2013-02-15_Tages_Anzeiger_Warten__bis_das_Herz_stillsteht.pdf

[xxi] Vgl. Lenherr, Renate/Krones, Tanja/Schwarz, Urs: Organspende nach Herz-Kreislaufstillstand im USZ (Donation after Cirulatory Determination of Death, DCD). In: Kröll, Wolfgang/Schaupp, Walter (Hg.): Hirntod und Organtransplantation. Medizinische, ethische und rechtliche Betrachtungen. Baden-Baden 2014, S. 115-132, hier S. 118.

[xxii] Vgl. ebd., S. 123.

[xxiii] Vgl. Siegmund-Schultze, Nicola: Organe von Herztoten werden transplantiert – aber ohne Konsens über das Vorgehen. In: Ärzte Zeitung vom 08.10.2009. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinsuffizienz/article/569865/organe-herztoten-transplantiert-aber-konsens-vorgehen.html (26.07.2019)

[xxiv] Treede, Hendrik/Reichenspurner, Hermann: Was gibt es Neues in der Lungen- und Herz-Lungen-Transplantation? In: Meßmer, Konrad/Jähne, Joachim/Neuhaus, Peter (Hg.): Was gibt es Neues in der Chirurgie? Berichte zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, den in ihr vertretenen Fachgesellschaften und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Jahresband 2005. Landsberg/Lech 2005, S. V–1/1-9, hier S. V/5. Vgl. für die Schweiz: Lenherr, Renato: Organspende nach Herzstillstand: https://www.swisstransplant.org/fileadmin/user_upload/Events/Wintersymposium/LenherrRenato_DCD_SichtIntensivmediziner.pdf (26.07.2019).

[xxv] Wilkinson, Dominic/Savulescu, Julian:Should we allow Organ Donation Euthanasia? Alternatives for Maximizing the Number and Quality of Organs for Transplantation. In: Bioethics 26 (2012), H. 1, S. 32-48.

[xxvi] Wilkinson/Savulescu 2010, S. 32: „Thousands of patients every year die on the waiting lists for transplantation. Yet there is one currently available, underutilized, potential source of organs. Many patients die in intensive care following withdrawal of life-sustaining treatment whose organs could be used to save the lives of others. At present the majority of these organs go to waste.“

[xxvii] Vgl. z.B. Wijngaarden van, A.K.S./Westerloo, D.J. van/Ringers, J.: Organ Donation After Euthanasia in the Netherlands: A Case Report. In: Transplantation Proceedings 48 (2016), H. 9, S. 3061-3063. In: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0041134516301439; Feyerabend, Erika: Das belgische Experiment. In: Bioskop, Nr. 50 (2010), S. 11; Detry, Olivier u.a.: Organ Donation after Physician-Assisted Death. In: European Society for Organ Transplantation 21 (2008), S. 915.

[xxviii] Vgl. Straumann, Felix: Wenn Sterbewillige ihre Organe spenden. Ärzte diskutieren über die Organspende nach dem begleiteten Freitod. Sie wäre in der Schweiz erlaubt, praktiziert wird sie aber nicht. In: Tagesanzeiger vom 26. April 2017. In: https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/aerzte-diskutieren-organspende-nach-begleitetem-freitod/story/24017726 (26.08.2019)

[xxix] Ebd.

[xxx] Drognitz, Oliver u. a.: Was gibt es Neues in der Transplantationschirurgie? In: In: Meßmer, Konrad/Jähne, Joachim/Neuhaus, Peter (Hg.): Was gibt es Neues in der Chirurgie? Berichte zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, den in ihr vertretenen Fachgesellschaften und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Jahresband 2008. Landsberg/Lech 2008, S. 233-263, hier S. 234.

[xxxi] Vgl. Swisstransplant. Schweizerische Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation (Hg.): Jahresbericht 2018. Basel 2019, S. 24. https://www.swisstransplant.org/fileadmin/user_upload/Swisstransplant/Jahresbericht/Jahresbericht_und_Grafiken_2018/Swisstransplant_Jahresbericht_2018.pdf (17.05.2019)

[xxxii] Hopt, Ulrich T./Drognitz, Oliver: Was gibt es Neues in der Transplantationschirurgie. In: Meßmer, Konrad/Jähne, Joachim/Neuhaus, Peter (Hg.): Was gibt es Neues in der Chirurgie? Berichte zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, den in ihr vertretenen Fachgesellschaften und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Jahresband 2005. Landsberg/Lech 2005, S. IV/1-22, hier S. IV/17.

[xxxiii] Vgl. zur rechtlichen Grauzone über die Aufklärung der Organempfänger über die Qualität des ihnen eingepflanzten Organs: Müller, Sebastian: Die Aufklärung des Organspendeempfängers über Herkunft und Qualität des zu transplantierenden Organs. Ärztliche Pflichten im Spannungsfeld zwischen Standardbehandlung und Neulandmedizin. Frankfurt am Main 2013.

[xxxiv] Höfer, Daniel u. a.: Der potentielle Organspender – Evaluierung unter besonderer Berücksichtigung der Herzentnahme. In: Wiener klinische Wochenschrift 122 (2010), S. 441-451, hier S. 442.

[xxxv] Schrem, Harald/Becker, Thomas/Klempnauer, Jürgen: Lebertransplantation. In: Krukemeyer, Manfred G./Lison, Arno E. (Hg.): Transplantationsmedizin. Ein Leitfaden für Praktiker. Berlin/New York 2006, S. 183-205, hier S. 193.

[xxxvi] Lehmann, Thorsten: Die Bedeutung der toxischen Sauerstoffradikale beim Ischämie/Reperfusionsschaden nach Lebertransplantation in der Ratte – protektive Therapie durch adenoviralen Gentransfer von Superoxiddismutase. Habilitationsschrift. Chirurgische Klinik der Charité Berlin 2004, S. 11.

[xxxvii] Palmes, Daniel/Spiegel, Hans-Ullrich/Dietl, Karl-Heinz: Strategien zur Kompensation des Spenderorganmangels. In: Krukemeyer/Lison 2006, S. 81-94, hier S. 82.

[xxxviii] Vgl. Warnecke, Gregor/Haverich, Axel: Was gibt es Neues in der Lungentransplantation?. In: Meßmer, Konrad/Jähne, Joachim/Neuhaus, Peter (Hg.): Was gibt es Neues in der Chirurgie? Berichte zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, den in ihr vertretenen Fachgesellschaften und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Jahresband 2010. Heidelberg u. a., S. 221-229, hier S. 225, 226f., 228; außerdem Palmes/Spiegel/Dietl 2006, S. 83.

[xxxix] Weissenbacher, Annemarie/Schneeberger, Stefan/Pratschke, Johann: Was gibt es Neues in der Transplantation? In: Meßmer, Konrad/Jähne, Joachim/Neuhaus, Peter (Hg.): Was gibt es Neues in der Chirurgie? Berichte zur chirurgischen Fort- und Weiterbildung. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, den in ihr vertretenen Fachgesellschaften und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Jahresband 2011. Heidelberg u. a. 2011, S. 197.

[xl] Höfer u. a. 2010, S. 448.

[xli] Vgl. die Kriterien für die einzelnen Organe: Palmes/Spiegel/Dietl 2006, S. 83.

[xlii] Vgl. Höfer u. a. 2010, S. 442.

Zuerst erschienen in: Im Fokus. Die Zeitschrift von Dialog Ethik. Nr. 141, September 2019, S. 32-34.

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