Gegengift Globalisierung

von Andrew Denison10.02.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur

Wer Terrorismus bekämpfen will, der muss sich um die Köpfe und Herzen der Menschen bemühen. In der Globalisierung mit ihrer Perspektive eines besseren Lebens liegt der Schlüssel für den Erfolg – das sollte vor allem Europa verstehen.

Neue Schauplätze wie der Jemen erinnern uns an eine komplizierte Welt der vernetzten regionalen Akteure, die lokal denken, aber allzu oft global handeln. Gleichzeitig erkennen wir ähnliche Konfliktmuster in den unterschiedlichsten Ländern um die europäische Peripherie. Wir sehen eine hohe Korrelation zwischen korrupter, fanatischer, somit gescheiterter Staatsmacht sowie erdrückender Armut und Gewalt und einer jungen Generation ohne Schulen, dafür mit gefährlich frustrierten Männern und furchtbar unterdrückten Frauen. Wir sehen aber auch, dass Al-Qaida als Organisation und Markenzeichen immer weniger Achtung erfährt und immer weniger Erfolg in der arabisch-islamischen Welt hat. Trotz bedrückender Schlagzeilen sollten wir die Verhältnismäßigkeit behalten und auf die Nachhaltigkeit achten. Die Strategie in einer sich rapide verändernden Welt muss sich ständig und rigoros an die neuen Gegebenheiten anpassen. Die bisher entwickelten Grundsätze aber bleiben gültig: Moderne Wirtschaft entwickeln, transparente und berechenbare Staatsmacht fördern, Bildung und Konnektivität ermöglichen und für Sicherheit sorgen—mit Zuckerbrot, wenn möglich, mit Peitsche, wenn nötig. Rechtsstaatlichkeit und Entwicklung zu verbreiten ist ethisch und wirtschaftlich eindeutig sinnvoll. Wenn dies die Sicherheit vor Terrornetzwerken stärkt, umso besser. Man könnte höchstens über eine Veränderung der Dimension des Einsatzes sprechen. In den USA gibt jeder Bürger für Verteidigung, Diplomatie und Entwicklung rund 1500 Euro aus, jeder Deutsche aber nur 500. Selbst die beste Vernetzung der zivilen und militärischen Instrumente kann diesen klaffenden Unterschied des Engagements nicht kompensieren.

Heilige Gral im Terrorkampf

Aufklärung und Information sind das sine qua non der Terrorismusbekämpfung im Internet-Zeitalter. Viel kann man aus der Luft beobachten—aber das kampfentscheidende Wissen ist auf dem Boden zu finden. Mühsam aufgebaute Informantennetzwerke, Penetration der inneren Kreise des Feindes, „Umkehren“ der Kämpfer, dies sind die alles entscheidenden Waffen. Wie der spektakuläre Angriff auf die CIA in Khost zeigt, liegt der heilige Gral der Aufstandsbekämpfung darin, diese Informationswaffen einzusetzen, ohne gleichzeitig Feindagenten und Maulwürfen freien Lauf in den eigenen Reihen zu lassen. Informationsdominanz bedeutet nämlich Vertrauen und Hoffnung, also Gewinnung der Köpfe und Herzen. Und wir sollten nicht vergessen: Auf dem Informationsfeld sowie mit Vertrauen und Hoffnung hat Europa mit seinen 15 Millionen Muslimen und historisch fundierten Beziehungen mit dem Nahen Osten theoretisch einen großen komparativen Vorteil gegenüber den Vereinigten Staaten. Mit der Globalisierung wird die Welt zwar kleiner, aber Europa und seine Einflussgebiete werden größer.

Terrorismus ist eine ruchlose Taktik

Terrorismus ist keine Ideologie, sondern eine ruchlose Taktik, die durch Globalisierung an Potenz gewinnt—aber an Haftung verliert. Die Vernetzung des Wissens und Wertschöpfens ermöglicht nämlich die Stärkung des Gegengifts des Terrorismus—die Hoffnung auf ein besseres Leben. In den letzten Jahrzehnten sind immerhin zwei Milliarden Weltbürger in China, Indien und anderswo der absoluten Armut entkommen. Nur die Globalisierung, mit ihrer Botschaft der Hoffnung und der Perspektive eines besseren Lebens für die Nachkommen, kann der Gefahr des Terrorismus Paroli bieten. Ein Rückzug in die Festungsmentalität erschöpft die eigenen Kräfte—und motiviert die Gegner.

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