Kultusministerin Eisenmann geht ins Rennen

Andreas T. Sturm6.06.2019Politik

Winfried Kretschmann ist die fleischgewordene Erfolgsgarantie für die Grünen im Ländle. Auch wenn er einigen Grünen zu konservativ sein mag, trifft er genau den Ton der Baden-Württemberger Wählerschaft. Der schwarze Wolf im grünen Schafspelz?

Mit Kultusministerin Susanne Eisenmann bekommt der erste grüne Ministerpräsident eine Gegenkandidatin mit Format. Landeschef Strobls Entscheidung Eisenmann als Kandidatin ins Rennen zu schicken sei eine kluge Entscheidung.

Eine durchwachsene Historie: Die CDU-Kandidatennominierungen

In der Südwest-CDU, einst der stärkste CDU-Landesverband, bestand der Wunsch, die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Jahr 2021 frühzeitig zu benennen. Die letzten Kandidatennominierungen sind nicht in freudiger Erinnerung geblieben. Um die Nachfolge des prototypischen Landesvaters Erwin Teufel, dessen Art an Kretschmann erinnert, traten im Jahr 2004 Annette Schavan und Günther Oettinger an; der Mitgliederentscheid kürte Oettinger und spaltete die Landespartei. Nach Oettingers Abschied nach Brüssel übernahm Stefan Mappus und wurde von Kretschmann abgelöst. Landtagspräsident Guido Wolf gewann den Mitgliederentscheid zur Wahl 2016 gegen Thomas Strobl, dem damaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU-Bundestagsfraktion. Gegen den Amtsinhaber Kretschmann konnte Wolf kaum Akzente setzen und unterlag. Strobl führte die schwierigen Koalitionsverhandlungen und wechselte als Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident ins Kabinett Kretschmann II.

Strobls Verzicht öffnet Eisenmann Türen

Die CDU Baden-Württemberg will Kretschmann im Jahr 2021 als Ministerpräsident ablösen, zu groß ist die Sogwirkung des populären Ministerpräsidenten, der die Grünen im Alleingang zur stärksten Partei gemacht hat; zahlreiche, sichere Wahlkreise gingen den Christdemokraten seitdem verloren. Immer weniger traute man Thomas Strobl diese Mammutaufgabe zu, die CDU bewegt sich im Land zwischen 23 und 28 Prozent, immer einige Prozente hinter den Grünen. Bei einer Direktwahl würden Landeschef Strobl nur 5 Prozent wählen.

Strobls Vorschlag Kultusministerin Susanne Eisenmann als Spitzenkandidatin ins Rennen zu schicken ist geschickt und weitsichtig. Eisenmann, die promovierte Germanistin und frühere Stuttgarter Schulbürgermeisterin (2005-2016) ist eine kompetente, durchsetzungsstarke und engagierte Politikerin, die ein hohes Maß an Bürgernähe besitzt. Auf Einladung von Landtagsabgeordneten kommt sie gerne in die Wahlkreise und füllt Nebenzimmer wie keine andere Ressortinhaberin. Thomas Strobl hat sich nach seiner Niederlage gegen Guido Wolf in den Dienst der Partei gestellt und als Landesvorsitzender den letzten Landtagswahlkampf mitbestritten. Während es Strobl damals nur noch übrig blieb auf seine Niederlage zu reagieren, agiert er nun klug und weitsichtig. In Anbetracht der grünen Höhenflüge und der eigenen schwachen Umfragewerte ist die Nominierung Susanne Eisenmanns ein Befreiungsschlag: Schließlich findet sich Eisenmann durch ihre lange Tätigkeit als Stuttgarter Schulbürgermeisterin im liberal-großstädtischen Milieu zurecht, dem zentralen Grünen-Wählerklientel. Durch ihre klare konservative Linie begeistert sie die christdemokratischen Parteifunktionäre und das konservative Wählerklientel. Thomas Strobl überraschte viele, als er im Jahr 2016 die Kommunalpolitikerin Eisenmann zur Kultusministerin berief und nicht etwa den favorisierten bildungspolitischen Sprecher Georg Wacker. Während die Personalie Eisenmann damals noch eine Überraschung war, könnte sie 2021 zu Strobls größtem Coup werden – das Potential hat sie.

Ministerpräsident Kretschmann, der in Kürze seinen 71. Geburtstag feiert, hat sich noch nicht zu seiner Kandidatur erklärt – er verkündete lediglich Kretschmann-like: »Man muss schon mit mir rechnen.« Und das muss man mit Susanne Eisenmann genauso.

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