Sport muss nicht adrett sein

von Andreas Stockmann11.12.2009Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Mixed Martial Arts (MMA) wird, genau wie früher Kickboxen, zu Unrecht in der Öffentlichkeit nicht als Sport gesehen. Denn: MMA ist alles andere als regellos und entspricht der Sport-Definition, die der Deutsche Olympische Sportbund für entscheidend hält.

Was ist Sport? Diese Frage und der Versuch einer Definition sind auf der Homepage des Deutschen Olympischen Sportbunds zu finden. Mixed Martial Arts entspricht in allen Punkten dieser Definition. Und trotzdem sehen wir von der FFA – der Dachorganisation für den Mixed-Martial-Arts-Sport – uns den gleichen Vorurteilen und falschen Anschuldigungen gegenübergestellt wie vor einigen Jahren das Kickboxen. Unser Sport verbindet optisch gesehen die olympischen Sportarten Boxen, Ringen, Judo und Taekwondo mit weiteren Kampfsportarten, ohne jedoch nur ein einfacher Mix aus den genannten Sportarten zu sein.

Tiefe Wurzeln

Unsere Wurzeln als eigenständige Sportart liegen im antiken Griechenland. Damals traten im Rahmen der Olympischen Spiele Kämpfer – unter Aufsicht von Schiedsrichtern – im Pankration gegeneinander an. Natürlich hat sich das Regelwerk in den letzten 2.000 Jahren geändert und deshalb sei es mir gestattet, den Hauptvorwurf “MMA ist ein regelloser Sport” einfach mit den Worten “Das ist eine Lüge!” abzutun. MMA ist ein Sport, der einen hohen Trainingsaufwand und sportliche Höchstleistung verlangt, da er eine Vielzahl an höchst anspruchsvollen Techniken in sich vereint. Dazu fordert und fördert im MMA-Sport, wie bei jeder anderen Sportart, das Training in der Gruppe ein faires Miteinander und die soziale Kompetenz. Ein Fakt, der Presse und Politik – vielleicht auch gerade im Zuge der öffentlichen Diskussion über eine “erhöhte Gewaltbereitschaft” – dazu verführt hat, unseren Sport als regellose Schlägerei von kriminellen und gelangweilten, sozial inkompetenten Menschen darzustellen, da wir auch auf einen am Boden Liegenden schlagen dürfen.

Die Regeln

Unsere Kämpfer dürfen tatsächlich am Boden mit der Faust zum Kopf schlagen und genau dieses Bild polarisiert am meisten. Denn die Menschen verbinden mit dem unten Liegenden meist einen wehrlosen Menschen, ohne zu wissen, dass: a.) kein Sportler im Stand den am Boden Liegenden schlagen oder treten darf; erst wenn er sich selbst in den Bodenkampf begibt, dürfen beide Sportler zum Kopf des Gegners schlagen. b.) kein Sportler den am Boden Liegenden zum Kopf treten oder mit dem Ellenbogen attackieren darf. c.) erst in den höheren Leistungsklassen am Boden ein Schlagen zum Kopf erlaubt ist. d.) der unten liegende Athlet nicht wehrlos ist, sondern ein Sportler, der sich über Jahre auf diese Situation vorbereitet hat, oder … e.) … es sich gar um einen Bodenspezialisten handelt, der genau diese Position benötigt, um seine Angriffe zu starten und aus dieser Position damit sogar einen Vorteil zieht. f.) … sehr oft alte Videoaufnahmen oder Bilder einer amerikanischen High-Profi-Liga zur Unterstützung einer Contra-MMA-Meinung verwendet werden. Das “Warum” möchte ich hier nur kurz andeuten, geht es doch um den Verkauf von Informationen und den Hang unserer Medien zur Darstellung von Gewaltszenen. Die Realität innerhalb des größten deutschen MMA-Verbands sieht bei Weitem nicht so spektakulär aus und wird deshalb nicht gern gezeigt. Respekt gegenüber den Trainingspartnern und damit selbstverständlich auch gegenüber dem Wettkampfgegner wird beim MMA-Sport täglich eingefordert! Wir MMA-Sportler bitten nicht um Anerkennung, wir fordern sie ein, denn unser medizinisch- und sportwissenschaftlich untermauertes Regelwerk mit strengen Vorgaben zur Sicherheit unserer Sportler gibt uns mit unserer 20-jährigen MMA-Verbandsgeschichte das Recht, unseren Sport auszuüben!

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