Welche Ziele verfolgen Islamische Hochschulgruppen?

von Andreas Stadler11.10.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

“Welche Ziele verfolgen Islamische Hochschulgruppen, insbesondere die islamische Hochschulgemeinde an deutschen Universitäten tatsächlich) Information und Aufklärung oder Überzeugung und Missionierung”, fragt Andreas Stadler.

Vor gut drei Wochen wurde ich von einem befreundeten muslimischen Studenten wieder Mal zu den Islam-Wochen an der Hochschule eingeladen, per Facebook. Veranstaltet wird die Reihe von der Islamischen Hochschulgemeinde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Eine studentische Arbeitsgemeinschaft.

Schon einige Male war ich seiner Einladung gefolgt. Die islamische Hochschulgruppe lädt jedes Jahr zu interessanten Themen ein, die sonst in der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden, beispielsweise: Islam und Wirtschaft oder Geld im Islam. Hierzu werden muslimische Dozenten und Dozentinnen aus ganz Deutschland und Österreich eingeladen. Zum Empfang und hinterher gibt es eine leckere Tasse Schwarzen Tee, Kuchen und kleines Gebäck. Ein Vortrag pro Tag, jeweils 90 Minuten.

An Universitäten gilt das Gebot der freien Lehre. Hieraus ergibt sich, dass auch die Vorträge wertneutral, frei von Ideologie und politischer Überzeugung sein müssen. Nun geschieht es, dass die islamische Hochschulgemeinde ihre Vorträge jedes Mal mit einem Koran-Rezitator beginnen lässt, der Suren in einer sehr eindrucksvollen Weise vorträgt. Die gesungenen Verse werden in Deutsch per Beamer an die Wand geworfen, so dass man sie mitverfolgen kann. Spitzfindige könnten zwar in diesem Punkt meinen, dass auch diese Form der kleinen Einstimmung auf den Abend die Ideologiefreiheit und Neutralität er Hochschule verletzen könnte, aber sei es drum.

In diesem Semester hatte die islamische Hochschulgemeinde das Thema “Islamophobie” auf ihren Plan gesetzt. An fünf Tage sollten wieder verschiedene Redner zu diesem Thema sprechen. “Raus aus der Distanzierungsfalle” hieß einer der Vorträge, an dem ich teilnahm. Klar, dass auch hier wieder die üblichen Sätze fielen: Der Islam hätte nichts mit Terrorismus zu tun und warum solle man sich von etwas distanzieren, was nichts mit dem eigenen Glauben zu tun hat?Jüngst hatte die betreffende Gemeinde Schlagzeilen in der Unizeitung „Der Albrecht“ an der Christian-Albrechts-Universität gemacht, als der Vorstand der Gemeinde ein mit zwei Vertreterinnen zuvor geführtes Interview zum Thema Islam und Reform prompt nicht autorisieren wollte. Der Grund: „Einige Äußerungen der beiden Studentinnen könnten missverstanden werden und zu unangenehmen Diskussionen führen“, so Der Albrecht. ((K)Ein Interview mit der islamischen Hochschulgemeinde Kiel, Der Albrecht, Mai 2018, S.3)

Stein meines Anstoßes war dann ein kleines Heft, das im Vorraum von der Hochschulgruppe neben anderer Lektüre ausgelegt wurde. Der Titel: “Muslim und Christ im Dialog” Ein kleines braunes, unscheinbares, dünnes Heft, herausgegeben von der Coveying Islamic Message Society in Ägypten. Weltoffen kommt die 112 Seiten starke Lektüre zunächst daher, aber nach ein paar Seiten, besonders auf Seite 79 schwindet dann dieser Eindruck schnell. Hier tritt der Christ dann nämlich zum Islam über mit den Worten: „Das ist der Glaube, nach dem ich suche.” Danach nimmt ihm der Muslim das Glaubensbekenntnis ab: “Meinst du nicht, dass es an der Zeit ist, das Glaubensbekenntnis auszusprechen?” Christ: Doch ich denke ich bin bereit die Wahrheit des Islam akzeptieren,…Ich bezeuge, dass niemand angebetet werden darf außer Allah und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist…Asch-hadu an laa ilaaha illa Allah ua asch-hadu anna muhammadan abduhuu ua rasuuluh!” (Muslim und Christ im Dialog, S. 79)

Im vorhergehenden Gespräch zwischen den beiden fiktiven Personen wird der Christ als jemand dargestellt, der über das 1×1 des Christentums nicht hinausgekommen zu sein scheint und auch sonst nicht mehr recht verwurzelt im christlichen Glauben erscheint. Der freundliche Muslim ist natürlich bereit, dem nicht ganz bibelfesten Christen Nachhilfe in dessen eigener Religion zu geben. Doch warum fühlt sich hier ausgerechnet ein Muslim dazu berufen, ihn über die Bibel aufzuklären? Die Machtverhältnisse sind in dem kleinen Heft jedenfalls klar verteilt. Der Muslim als der Wissende, der (Ober-)Lehrer, der Christ der Schüler, der Unwissende.

Diese Zeilen sollten aufhorchen lassen. Hiermit dürften das Neutralitätsgebot verletzt sein. Möglich, dass die Islamische Hochschulgemeinde nicht wusste, nichts über den konkreten Inhalt des Heftes wusste. Möglich, dass sie selbst auf den offenen Titel “Muslim und Christ im Dialog” reingefallen ist. Es ist aber ebenso möglich, dass hier ganz bewusst Grenzen überschritten werden. Nur dann muss man sich fragen, welche Ziele Islamische Hochschulgruppen, insbesondere die islamische Hochschulgemeinde an deutschen Universitäten tatsächlich verfolgt. Information und Aufklärung oder Überzeugung und Missionierung? Wieso hält es auch die Kieler Universität hier nicht für nötig, einmal einen näheren Blick auf die Inhalt zu werfen, bevor sie der islamischen Hochschulgemeinde die Erlaubnis zur Nutzung der Gebäude erteilt und die Schlüssel übergibt?

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