Die digitale Entblödung

von Andreas Plöger9.03.2018Gesellschaft & Kultur, Medien

Digitalpolitik ist Symbolpolitik, mit der sich Politiker als zukunftsweisend, modern und am Puls der Zeit präsentieren. Das Tragische: sie kommen damit davon, weil der Rest auch keine Ahnung hat oder haben möchte, was das denn nun genau eigentlich sein soll, diese Digitalisierung.

Digitalisierung ist die heilige Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Mit einer schönen Schleife wurde dem armen Vierbeiner ein Tablet auf den Kopf gebunden, das er nun ein wenig ratlos, aber gut sichtbar den Anwesenden präsentiert. „Diese Sau ist jetzt digital“. Zufrieden wird zur Pressekonferenz eingeladen. Frau Bär, die neue Staatsministerin für Digitales, durchtrennt das Band. Pressevertreter applaudieren, „Bitkom“ veröffentlicht ein Statement, in dem von verspäteten Einsichten gefaselt wird. Das Tablet indes fällt in den Schlamm und die arme Sau ist klug wie als zuvor.

Tablet- und Augenwischerei

Digitalpolitik ist Symbolpolitik, mit der sich Politiker als zukunftsweisend, modern und am Puls der Zeit präsentieren. Das Tragische: sie kommen damit davon, weil der Rest auch keine Ahnung hat oder haben möchte, was das denn nun genau eigentlich sein soll, diese Digitalisierung. Bär forderte jüngst: „Unsere Kinder müssen programmieren lernen wie lesen und schreiben“
Tablet- bzw. Laptop-Klassen schneiden im Schnitt schlechter ab als Vergleichsklassen. Das ist ein offenes Geheimnis. Überhaupt sind Grundschulen bereits jetzt völlig überfordert. Den meisten Grundschullehrern fehlen dringend benötigte Fachkompetenzen in den Fächern, die sie ohnehin schon unterrichten. Zudem: Wer „lesen und schreiben“ sagt, sollte eigentlich auch „rechnen“ sagen. Ein Grundschüler soll nun – wenn er Migrant ist, sind Spracherwerb bzw. Sicherung der Sprachkenntnisse noch hinzuzurechnen – also idealerweise Englisch lernen und jetzt auch noch Programmieren. Aha.

Natürlich! Wer nüchtern die Probleme der deutschen Grundschulen betrachtet, kann sich keine größeren Sorgen ausmalen, als Kindern neben dem korrekten Umgang mit Schere, Füllfederhalter und Papier (idealerweise ohne Verletzungen) nun „das Programmieren“ beizubringen.

Programmieren erfordert logisches Denken

Es darf bezweifelt werden, dass Frau Bär bis zum Ende ihres Politikwissenschaftsstudiums jemals „programmiert“ hat. Schlimmstenfalls hält sie wie manch anderer ihre ersten Gehversuche in der Textformatierungssprache HTML für erste „Programmiererfahrungen“. Aber das wäre eine Unterstellung.

Frau Bär, was soll denn „programmiert“ werden? Den Computer fröhlich „Hallo Welt“ (dank Englischunterricht reicht es auch für das klassische „Hello World“) ausspucken lassen? Alles, was darüber hinaus geht, erfordert ein gewisses mathematisches, mindestens aber logisches Vorverständnis, die Fähigkeit also, Denk- und Handlungsprozesse in ineinandergreifende Sequenzen, also einen Algorithmus zu übersetzen und mittels einer „Sprache“ (Spracherwerb!) so zu formulieren, dass der Computer dies „versteht“. Ein Compiler vergibt so schnell nicht und erfordert ein Mindestmaß an Präzision.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Code auf dem Touchscreen eines Tablets einzugeben – verzeihen Sie mir den Ausdruck – zum Kotzen ist. Bevor man also an das Programmieren denkt, sollte die mathematisch-logische Grundbildung verbessert werden. Dazu sind andere Hebel erforderlich als „Digitalisierung“, z.B. die Reform der mitunter katastrophalen Lehrerausbildung in Bayern. Ups, die ist ja – wie die Schulsysteme im Allgemeinen – Ländersache. So etwas könnte ja z.B. nur die Generalsekretärin einer…lassen wir das.

Mal wieder vergessen: Mittel- und Realschulen

Ein Offenbarungseid ist zudem, dass von Bär gegenüber Pressevertretern wieder über Grundschulen und Gymnasien gesprochen wird, nicht aber über Mittel- und Realschulen. Das von einer Staatsministerin, in deren Bundesland das dreigliedrige Schulsystem – in meinen Augen zu Recht – hochgehalten wird. Es wäre sinnvoll, z.B. die Dauer der Schulausbildung in den Mittelschulen grundständig zu verlängern, anstatt die dortigen Schüler wie soziale Abschreibungsmasse zu behandeln. Das ließe auch Raum für das, was in den Grundschulen ja angeblich versäumt würde. Aber dies nur am Rande.

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