Pandemie steigert Wert von Gesundheit und Prävention | The European

Pandemie bringt neuen Digitalisierungsschub

Andreas Kolb4.06.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Corona hält die Welt in Atem, sensibilisiert dabei aber auch für Gesundheit und sorgt für einen bemerkenswerten Digitalisierungsschub. In Sachen Digitalisierung hat die Pandemie in kurzer Zeit nicht nur Videosprechstunden von Patienten mit Ärzten zum Durchbruch verholfen, sondern auch die Zuschaltung von Spezialisten aus den Unikliniken in kleinere Krankenhäuser ermöglicht und ein bundesweites Melderegisters freier Intensivbetten etabliert.

Der Arzt betrachtet das Konzept der Coronavirus, Shutterstock

Für die Zeit nach dem Lockdown wird die flächige Nutzung einer Tracing-App vorbereitet, die Corona-infizierte Kontaktpersonen nachvollziehbar macht. Damit das greift, müssten ca. 70 Prozent der Bürger die App nutzen. Zum Vergleich: Für eine solche Reichweite hat die bislang populärste App „Whatsapp“ rund zehn Jahre gebraucht. Dass ein solches Unterfangen dennoch als aussichtsreich angesehen wird, zeigt sehr eindrucksvoll die enorme Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Telemedizin mit breiter Akzeptanz

Die Vermeidung von Fremdkontakten in einer Arztpraxis zur Verminderung der Ansteckungsgefahr führt derzeit zu einer hohen Akzeptanz von Online-Sprechstunden. Aktuell heißen diese Art des Arztkontakts 66 Prozent der Bürger für gut, wie eine aktuelle Befragung des Digital-Branchenverbands Bitcom ergab. Auch unsere Kunden sind aktiv dabei: Schon im Januar haben wir allen Kunden in einer Aktion den Zugang zu unserer digitalen Sprechstunde ermöglicht. Seitdem haben gut 5.000 Personen eine telemedizinische Sprechstunde in Anspruch genommen. Gut 30 Prozent davon entfielen auf Corona; knapp 70 Prozent auf andere medizinische Fragen. Die Nutzung der Telemedizin sorgt nicht nur für schnelle Wege und Diagnosen gerade bei häufigen und weniger schweren Krankheitsbildern, sondern auch für eine merkliche Entlastung der medizinischen Infrastruktur und den Wegfall von Wartezeiten sowie eine Verminderung des Ansteckungsrisikos.

Elektronische Patientenakte

Neben der Telemedizin ruht die Digitalisierung des Gesundheitswesens auf zwei weiteren wichtigen Säulen, nämlich der elektronischen Patientenakte sowie der Anwendung künstlicher Intelligenz (KI). Unsere elektronische Patientenakte nutzen inzwischen über 40.000 Kunden: Auf der digitalen eHealth-Plattform „Meine Gesundheit“ bringen wir Kunde, Arzt und Versicherungsunternehmen unter Wahrung höchster Sicherheitsstandards zusammen und bieten gleichzeitig viele nützliche Anwendungen und Services. Die Gesamtheit aller Gesundheitsdaten des Patienten ermöglicht ein „full picture“ für die bestmögliche Versorgung des Patienten.

Die Kunden des Portals sehen bereits auf der Startseite, welche Ärzte die Nutzung von „Meine Gesundheit“ anbieten: Sie können ihre Ärzte dann freischalten, Rechnungen direkt im Portal abrufen, deren Status verfolgen und bei der Leistungsabrechnung mittels Beitragsrückerstattungs- und Selbstbehalt-Check entscheiden, ob die Rechnung eingereicht oder selbst bezahlt wird. Daneben können wichtige Dokumente wie Impfpass, Röntgenbilder, Arztbriefe oder Befunde in Portal oder App hinterlegt werden und dem Arzt bei Bedarf zugänglich gemacht werden. Ärzte können durch das Portal Rechnungen an ihre Kunden übermitteln oder elektronisch Termine vereinbaren, sog. eTermine.

Künstliche Intelligenz

KI und vernetzte Daten verbessern Qualität und Effizienz in der medizinischen Versorgung. Beispiele dafür sind etwa der Datenabgleich mit tausenden ähnlichen Diagnosen in der Radiologie oder das Rechnungsmanagement bei komplexen Klinikrechnungen. Da Anspannung und Ängste in der Corona-Zeit steigen, haben wir eine Kooperation mit dem Health-Tech-Startup KENKOU begonnen: Hier erkennt eine App via Deep-Data-Nutzung das Stress-Level des Nutzers, qualifiziert dieses und schlägt dem Kunden dann individuelle Maßnahmen zur Stresskontrolle vor. Das rechtzeitige Erkennen und Gegensteuern ist wichtig zur Vermeidung von Burnout oder Herz-Rhythmus-Störungen.

Zwar setzen wir schon seit etlichen Jahren auf einen Mix an Digitalisierung, KI und Prävention; die aktuelle Pandemie erhöht jedoch die Akzeptanz vieler unserer Services nun deutlich schneller: So erhält unser Angebot „digitaler Pflegepartner“, mit dem Angehörige die Pflege der Eltern untereinander abstimmen und organisieren können, aktuell ebenso neue Aktualität und erhöhte Aufmerksamkeit wie unser neuer Service RehaCare, Deutschlands erste wöchentlich buchbare Alarmanlage für zu Hause, etwa bei längeren Krankenhaus-Aufenthalten oder auch Urlauben. Geplant ist, beide Services miteinander zu verknüpfen.

Pandemie steigert Wert von Gesundheit und Prävention

Schließlich führt die Pandemie gerade zu einer Sensibilisierung in Sachen Prävention und Gesundheit. Dabei erhalten nicht nur Hygiene- und Verhaltensregeln einen neuen Stellenwert, sondern auch die Gesundheit an sich: Mit dem Lockdown wurden Sport, Bewegung oder gesunde Ernährung wichtiger, aber auch die Frage nach der eigenen gesundheitlichen Absicherung und die der Angehörigen. Mittelfristig dürfte davon nicht zuletzt die Nachfrage nach passenden Versicherungsleistungen profitieren, insbesondere im Bereich der Zusatz-, Pflege- und betrieblichen Krankenversicherung.

Schließlich ist noch zu erwähnen, dass Corona auch unser eigenes Arbeiten verändert: Neben der reibungslosen Sachbearbeitung im Homeoffice funktioniert auch der Kontakt zu Kunden und Vertriebspartnern via Skype, Mail oder Chat reibungslos. Zudem haben wir unsere Vertriebs-Prozesse so angepasst, dass ein Antrag für einzelne Produkte auch ohne Unterschrift rechtssicher erfolgen kann.

Digitalisierung schafft mehr Effizienz, PKV geht voran

Bereits 2018 hat die Unternehmensberatung McKinsey 26 digitale Gesundheitstechnologien in verschiedenen Ländern untersucht, u.a. den digitalen Austausch von Gesundheitsdaten, eTermine in Kliniken und Praxen oder eRezepte und den Online-Versand von Medikamenten. Würde all dies auch in Deutschland genutzt, ergäbe sich ein Einsparpotential von 34 Mrd. Euro pro Jahr. Viele dieser digitalen Technologien erhalten unter den aktuellen Corona-Vorzeichen gerade einen deutlichen Schub und stiften vielfältigen Nutzen.

Es ist davon auszugehen, dass dieser Digitalisierungsschub auch nach der Pandemie anhält. Dabei nimmt die konsequente Digitalisierung unseres Gesundheitswesens niemandem etwas weg, sondern nutzt vielmehr allen: So vermeiden vernetzte Daten nicht nur Fehler in Diagnose, Behandlung und Medikation sowie unnötige Doppelarbeit; sie führen auch zu einer besseren Auslastung der medizinischen Infrastruktur; Kunden erhalten somit eine bessere Behandlung, werden rechtzeitig auf gesundheitliche Risiken hingewiesen bzw. darauf, wie sie diese vermeiden können und sie bekommen schneller die für sie beste Behandlung.

Die Digitalisierung bietet daher für unser Gesundheitswesen und alle daran Beteiligten großes Potenzial. Gerade die Private Krankenversicherung hat hier bereits viel erreicht und ihren Kunden schon seit einigen Jahren viele digitale Angebote verfügbar gemacht. Unser bewährtes duales System entfaltet somit auf diesem wichtigen Zukunftsfeld seine alten Stärken: Die PKV investiert in Innovation, die allen Versicherten, egal ob privat oder gesetzlich versichert, zu Gute kommt.

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