Zurück mit Glanz und Glamour

von Andreas Kern8.05.2015Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Mit der Versöhnung hat die Zukunft des Power-Paars erst begonnen. Alles scheint jetzt möglich, vielleicht sogar eine Karriere als Brangelina der internationalen Politik.

Es gibt sie noch, die guten Dinge! Für alle, die vor lauter ISIS, BND und NSA keine Nachrichten mehr einschalten, muss diese Meldung wie ein inneres Bad im Ganges sein: Deutschlands First Couple der Herzen, Christian und Bettina Wulff, leben nach fast zweieinhalb Jahren der Trennung wieder zusammen. Ein Anwalt der beiden hat das offiziell bestätigt.

Was Liz Taylor und Richard Burton oder J. R. und Sue Ellen Ewing können, das kann das Powerpaar aus Großburgwedel selbstverständlich auch. Und so erlebt Deutschland das größte Liebescomeback – sagen wir mal – seit der Reunion von Modern Talking. Und wir dürfen hoffen, dass der ehemalige Bundespräsident und die gelernte PR-Beraterin dem illustren Buch ihres Liebes- und Ehelebens noch einige Kapitel hinzufügen.

Seien wir ehrlich! Ohne die Wulffs wäre die Bundesrepublik nicht die liebenswerte Republik, die sie heute ist. Nein, nicht allein der Satz, dass der Islam zu Deutschland gehört, wird auf ewig mit diesen „Clintons von der Leine“ verbunden bleiben. Für den gesellschaftlichen Wandel waren sie auch so etwas wie der personifizierte Katalysator. Erstmals zog eine Patchwork-Familie in den Berliner Präsidentenpalast ein. Geschiedener Mann, moderne junge Frau, kleine Kinder aus verschiedenen Beziehungen. So sieht das wahre Leben in jeder Daily Soap aus. Außerdem werden die vereinigten Tattoo-Fans aller Länder Bettina Wulff irgendwann eine Ehrentätowierung dafür verpassen, dass sie dieser Art von Körperschmuck zu höchsten protokollarischen Ehren verhalf. Na gut, die englische Premierministergattin Samantha Cameron hatte das schon eher – aber die Frau eines Regierungschefs rangiert gemäß diplomatischer Etikette nun einmal unterhalb der Partnerin eines Staatsoberhaupts.

Adieu, Piefigkeit, willkommen, Glamour!

Urlaub machten die Wulffs nicht einfach in irgendeiner Absteige am Wolfgangsee oder einer Pension in Südtirol. Nein, derart trendige Zeitgenossen gehen mit Jet-Set-Unternehmern und Aktricen auf Mallorca in Sommerfrische. Adieu, Piefigkeit, willkommen, Glamour! Was einem französischen Staatsoberhaupt recht ist, muss einem Bundespräsidenten doch billig sein. _That’s the way it is!_

Und nur dank Bettina Wulffs Enthüllungsbuch „Jenseits des Protokolls“ ahnen wir überhaupt, was für eine Höllenpein es ist, First Lady der Bundesrepublik Deutschland zu sein. Der totale Stress! Von einer 40-Stunden-Woche konnte Bettina Wulff während der Schicksalsjahre im Schloss Bellevue nur träumen! Immer wieder Überstunden aufgrund von Abendterminen und Dienstreisen! Und dann hat die Küche dieser Bundesbutze nicht einmal eine richtige Dunstabzugshaube! Außerdem soll sich eine Bundespräsidentengattin ständig mit Persönlichkeiten wie Michelle Obama treffen, mit denen Bettina Wulff nicht so zwanglos wie mit ihrer „Freundin Silke“ über Jobstress, Klamotten und Nachbarn schnacken konnte. Auch das Private wird plötzlich politisch – und das zum Nulltarif! _Don’t cry for, me Alemania!_

Unvergessen auch das Martyrium, das mit dem Auszug aus Bellevue endete! Aus einem Affärchen um die undurchsichtige Finanzierung eines eher durchschnittlichen Vorort-Klinkerbaus wurde eine Staatsaffäre, an deren Ende Christian Wulff das Amt des Bundespräsidenten aufgeben musste. Ein Berlusconi hätte sich ein Schloss finanzieren lassen – und halb Italien hätte das noch cool gefunden. Von der bösen Presse zum Auszug aus dem Gelobten Land getrieben, ging es im Skoda Yeti zurück nach Niedersachsen. Last Exit, Großburgwedel. Danach als trauriger Höhepunkt die Trennung. Einsam wurde es um und für Christian und Bettina Wulff. Nur dank Klatschpresse und beiderseitiger Versuche als Nachwuchsautoren blieben wir auf dem Laufenden.

Das Märchen darf nicht in den Armen eines früheren Tennislehrers enden

Seien wir ehrlich, wurde uns nicht schwer ums Herz, als wir unser einstiges Staatsoberhaupt einsam und abgemagert auf Fotos sahen? Und fremdelten wir nicht, als wir Bettina zu irgendwelchen Sportunternehmern in SUVs einsteigen sahen? Dabei spürten wir doch innerlich, dass dieses präsidiale Märchen einfach ein Happy End haben muss. Eine Story, die damit begann, dass eine lebensfrohe blonde Schönheit aus der Medienbranche einen strebsamen, nur an Job und Karriere denkenden, Provinzpolitiker wachküsste und ihn zum modernen Staatsmann des 21. Jahrhunderts machte, durfte nicht in den Armen eines früheren Tennislehrers enden.

Nein, die Wulffs haben sich nach der Zeit ihrer Katharsis eine zweite Chance verdient. Dass Christian und Bettina nach der Trennung der Schröders nun wieder unangefochten das Politpaar Nummer eins in Hannover sind, kann nur der erste Schritt sein. Das First Couple der Herzen wird sich sicher wieder höhere Ziele setzen. Ein Einsatz für mehr Verständnis für muslimische Zuwanderer läge nahe, kann aber die Potenziale der beiden nur begrenzt auslasten.

Wulff als neuer Heiner Geißler der UNO?

Familienbuddy Carsten Maschmeyer könnte natürlich beim Einstieg ins Business helfen – was aber dem gesellschaftspolitischen Anspruch des Paares nicht gerecht würde. Geldsorgen haben sie ja dank Ehrensold nicht. Nein, als Mann, der schlimmsten Krawall überstanden hat und zur Versöhnung nachweisbar fähig ist, könnte Wulff zunächst als Schlichter im Bahnstreik oder bei der Lufthansa neues Profil gewinnen. Nachdem er seine Fähigkeiten als Versöhner hinreichend nachgewiesen hat, dürften sich auf internationalem Parkett prompt weitere Verwendungsmöglichkeiten ergeben. Der UNO stünden die Wulffs sicher gut zu Gesicht. Christian schlichtet Konflikte, Bettina besucht mit Angelina Jolie Flüchtlingscamps. _The sky is the limit!_

Mit so viel dazugewonnener Reputation wären die Wulffs in Deutschland rasch wieder präsidiabel. Das Schloss Bellevue erhielte seine natürlichen Hausherren zurück. Zwar ist die Amtszeit eines Bundespräsidenten in Deutschland auf nur zwei Amtszeiten begrenzt. Aber ähnlich wie das argentinische Power-Paar der Kirchners könnten sich ja auch die Wulffs an der Staatsspitze abwechseln. Zwanzig Jahre wären sicher. Und auch aus Argentinien könnte die Idee eines Musicals über das Paar kommen. Die Wulff-Freunde Klaus Meine von den Skorpions oder Liedermacher Heinz-Rudolf Kunze finden sicher den passenden Text für „Bettinita“.

Die Zukunft scheint mit der Versöhnung erst begonnen zu haben!

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