Darf James Bond schwarz sein?

von Andreas Kern10.04.2015Gesellschaft & Kultur

Idris Elba könnte der erste schwarze Bond werden. Aber dann wäre 007 nicht mehr er selbst, findet Andreas Kern.

Ob die Queen „amused“ ist, weiß niemand. Roger Moore, der Bond-Darsteller der 1970er- und 80er-Jahre, ist es nicht. „Agent 007 soll ‚English-English‘ sein! Ein schwarzer Bond? Eine interessante Idee, aber unrealistisch“, “so kommentierte der 87-Jährige Gerüchte(Spiegel Bond Debatte)”:http://www.spiegel.de/panorama/leute/james-bond-yaphet-kotto-gegen-schwarzen-007-a-1027651.html, dass der farbige Idris Elba demnächst die Rolle übernehmen solle. Vorhersehbar, dass sich Moore bald darauf “Rassismus-Vorwürfen erwehren musste(Guardian Moore Reaktion)”:http://www.theguardian.com/film/2015/mar/30/roger-moore-denies-racist-comments-about-idris-elba-playing-james-bond.

Der 87-Jährige wird gut daran getan haben, mit britischer Coolness zu reagieren. Ist Bond doch längst zum Symbol für das Urbritische an sich geworden. Ganz so wie Cream Tea, Porridge oder der London Tower. Die roten Telefonkabinen hat British Telecom ja schon Zug um Zug durch Glaskästen ersetzt. Mit dem Siegeszug der Smartphones wird wohl bald auch die letzte „telephone box“ verschwinden. Wie kann man britischen und anderen 007-Fans dann noch einen Agenten mit einem völlig anderen Stil zumuten? Schließlich ist man auf der Insel traditionsbewusst!

Allein die Tatsache, dass Bond mit der Amtsübernahme durch Daniel Craig blond wurde, löste bei den Briten Diskussionen aus. Ebenso irritierte zunächst die härtere und rauere Interpretation der Rolle durch Craig – offenbar als Antwort auf US-Serien wie „24“ – langjährige Fans.

Rassismus wird es auch mit einem schwarzen Bond geben

007 ist eben kein x-beliebiger Agent, den man gerade nach gesellschaftlichem Geschmack umstricken kann. Bond is Bond – and Bond is Britain! Selbst für die Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London wurde der Spion im großen Stil vor den Karren gespannt. Gemeinsam mit einer Darstellerin der Königin ließ ihn der Regisseur der Show, Danny Boyle, per Fallschirm ins Stadion einspringen. Weltweit dürfte der Mann mit der Lizenz zum Töten nach der Queen herself ohnehin der bekannteste lebende Vertreter des Britentums sein.

Mit Idris Elba wäre Bond nicht mehr Bond, sondern nur noch eine Filmfigur, die Bond hieße. Und eben kein starker Botschafter für gesellschaftliche Vielfalt. Ohnehin sollte man die Kirche im Dorf lassen. Eine Filmfigur bleibt eine Filmfigur. Es ist kaum zu erwarten, dass Rassismus und Diskriminierung bald verschwinden, nur weil in einem Blockbuster plötzlich ein anderer Hauptdarsteller auftaucht. Soziale Prozesse sind komplexer.

Ein neuer, authentischer und unverwechselbarer Filmcharakter wäre ohnehin die vielversprechendere Alternative zu einem Bond-Relaunch. Britischen Drehbuchautoren, die jüngst so genialische Serien wie Cumberbatchs „Sherlock“, „Downton Abbey“, „Torchwood“ oder eben Elbas „Luther“ hervorgebracht haben, könnte man da einiges an kreativem Potenzial zutrauen. Gerade dann könnte auch ein gesellschaftlicher Fokus gesetzt werden.

Es wäre besser, 007 sterben zu lassen

Ein ehemaliger Gegenspieler von 007 bringt die Sache auf den Punkt. “So meint Yaphet Kotto(The Big Issue Yapeth Kotto )”:http://www.bigissue.com/features/interviews/5042/yaphet-kotto-interview-james-bond-cannot-be-black, der erste farbige Rivale des Superagenten, dass Bond einfach nicht schwarz sein könne. Weiter sagte der 75-Jährige, der in „Leben und sterben lassen“ den – an Haitis „Papa Doc“ François Duvalier angelehnten – Inseldiktator Dr. Kananga gespielt hat: „Zum Teufel mit der politischen Korrektheit, wir müssen bei dem bleiben, was buchstäblich korrekt ist. Es gibt doch die Möglichkeit, sich Rollen auszudenken, für die es noch keine etablierten Vorbilder gibt. (Autor) Ian Fleming hat James Bond als weiße Figur erschaffen, die von weißen Schauspielern verkörpert werden sollte.“

Kotto schlägt vor, dass „003 oder 006 schwarz sein könnten, aber nicht 007“. Es sei lächerlich, alles spielen zu wollen. „Wenn ich sage, dass ich JFK spielen will, sollte ich ausgelacht werden.“ Was allerdings auch der Fall sein sollte, wenn Brad Pitt auf die Idee käme, Barack Obama zu spielen – oder Heiner Lauterbach etwa Angela Merkel.

Wenn die Story eines traditionell britischen Superagenten Bond wirklich auserzählt sein sollte, wogegen die Zahlen des letzten Bond-Streifens „Skyfall“ sprechen, dann wäre es besser, ihn den Filmheldentod sterben zu lassen. Oder ihn mit ein paar Martinis in der Hand in die Agentenrente zu schicken. Gleichzeitig wäre es die Gelegenheit, einen neuen – vielleicht farbigen – Superspion einzuführen.

Bei einer anderen britischen Kultfigur wurde bereits ähnlich verfahren. Weil Schauspieler John Nettles nicht mehr den Inspector Tom Barnaby geben wollte, machte der Fernsehsender ITV seine Hauptfigur flugs zum Berufsaussteiger. Ein fiktiver Cousin gleichen Namens ermittelt nun in der ebenfalls fiktiven Grafschaft Midsummer weiter – was den Zuschauerzahlen keinen großen Abbruch tat.

Elba hat das Potenzial zum Filmhelden

Eigentlich sind solche Kunstgriffe gar nicht nötig. Es gibt neben James Bond genügend andere prominente Filmhelden – auch farbige. Bereits in den 80ern wurde Eddie Murphy als „Beverly Hills Cop“ zum Dauergast in den Kinos, ebenso brilliert Will Smith seit den 90ern als Agent J in der „Men in Black“-Reihe. Gewiss kommen bald ähnlich populäre Figuren hinzu.

Gerade Idris Elba hat das Potenzial dazu. In US-Blockbustern wie „Thor“ oder „Prometheus“ spielte er wichtige Rollen. In „Mandela – der lange Weg zur Freiheit“ überzeugte er als südafrikanischer Volksheld. Und wer sich sonntagabends durch die bleierne Durchschnittlichkeit eines mittelprächtigen „Tatorts“ gequält hat, dem kann es nur als Erlösung biblischen Ausmaßes vorkommen, wenn der gebürtige Londoner anschließend den DCI John Luther gibt. Gegen die Ballaufs und Lannerts – oder wie die politisch korrekten deutschen Beamtenermittler sonst heißen – ist Elbas Interpretation seiner genialisch-ambivalenten Titelrolle wirklich ganz großes (Fernseh-)Kino.

Allein deshalb wünsche ich Idris Elba alles Glück der Welt, beste Filmrollen, volle Kinosäle und gesellschaftliche Vorbildwirkung. Vor allem sollte er uns als John Luther erhalten bleiben. Gute englische Kriminalserien kann es nicht genug geben!

Als eingefleischter Bond-Fan wünsche ich mir 007 aber weiterhin mit vornehmer britischer Blässe, Nonchalance, Martini – geschüttelt, nicht gerührt – und der Lizenz zum Töten. Gerne nochmals 23 Folgen davon – mindestens.

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