Italien verordnet Impfpflicht für Lehrer und Dozenten | The European

Draghi macht Ernst: Ohne Impfung kein Gehalt

Andreas Kempf6.08.2021Europa, Medien

Mario Draghi macht Ernst – Italien verordnet Impfpflicht für Lehrer und Dozenten – Im September weitere Verschärfungen. Ein Beitrag von Andreas Kempf.

Mario Draghi, Italiens Regierungschef, Quelle: Shutterstock

Italien macht ernst: Ab heute muss man zwischen Bozen und Palermo den „Green Pass“ vorweisen, wenn man ein Restaurant, Bars, Museen, Thermen oder Sportstätten betreten will. Die Regierung hat zudem den Lehrern und Dozenten die Daumenschrauben angesetzt, um mehr Impfungen durchzusetzen. Wer mit dem Green Pass keine vollständige Impfung nachweisen kann, darf nicht unterrichten. Nach fünf Tagen gibt es kein Geld mehr. „Wir wollen mit dem Green Pass die Bedeutung von Impfungen aufwerten und somit besser in den Herbst kommen“, erklärte Gesundheitsminister Roberto Speranza im Anschluss an die Kabinettssitzung in Rom. Und er setzte mit der bei den Italienern beliebten Sportvergleich nach: „Mit den Impfungen können wir im laufenden Spiel die entscheidende Wende herbeiführen“.

Mit dem Green Pass, der als App oder Dokument eine vollständige Impfung oder eine überstandene Corona-Erkrankung belegt, wollen die Italiener nicht warten, bis ein Europäischer Impfausweis eingeführt wird. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, dem drohen Kunden und Betreibern drakonische Strafen zwischen 400 und 1000 Euro. Werden Betriebe mehrmals erwischt, folgt eine Schließung von zehn Tagen. Laut Gesundheitsstaatsekretär Andrea Costa wurden bereits 53 Millionen der App heruntergeladen, die den Zugang zu vielen Stätten des täglichen Lebens ermöglicht.

Ausnahmen gelten für Menschen, die eine Impfung nicht bekommen können. Aber auch die Bewohner von San Marino haben einen Freischein. In dem Kleinstaat wurde das russische Sputnik verimpft, das von der Europäischen Gesundheitsagentur EMA bisher nicht freigegeben worden ist. Doch für das italienische Lehrpersonal hat Rom eine umfassende Impfpflicht ausgerufen, „um den Auftrag der Bildung sicherstellen zu können:“ Wer wegen fehlendem Green Pass nicht unterrichte, fehle unentschuldigt. Dann werde die Gehaltszahlung eingestellt. Auch die Studenten müssen sich impfen lassen, um die Hochschulen betreten zu können. Für Schüler wurde eine umfassende Maskenpflicht erlassen.

Mit dieser Entscheidung hat sich Ministerpräsident Mario Draghi gegen die mitregierende ultrarechte Lega durchgesetzt. „Es läuft wie Super-Mario will“, kommentierte die Tageszeitung „Mattino“ aus Bari. Und der Premier kündigte am Donnerstagabend bereits weitere Maßnahmen an. Bereits am 1. September tritt die nächste Verschärfung in Kraft: Ohne Gesundheits-App dürfen dann keine Flugzeuge, Fähren sowie Fernzüge und -busse benutzt werden. „Wir haben mutig gehandelt und wollen diesen Weg entschlossen fortsetzen“, betonte der Regierungschef in Rom. So habe man bereits Impfstoff für eine dritte Runde beschafft.

Der Impfnachweis gilt auch für Touristen. Alle einreisenden Personen müssen ihre Ankunft den zuständigen Behörden mittels Registrierung auf dem Portal European Passenger Locator Form melden“, teilt die italienische Botschaft auf ihrer Webseite mit. Bei Kontrollen könne diese Registrierungs-Bestätigung digital auf dem Smartphone oder ausgedruckt in Papierform vorgelegt werden. Die Registrierung sei für alle aus dem Ausland einreisenden erwachsenen Personen verpflichtend: Mitreisende minderjährige Kinder können über die erwachsende Begleitperson registriert werden.

Der harte Kurs der Regierung in Rom stößt nicht überall auf Zustimmung. In mehreren Städten protestierten Impfgegner gegen die jetzt umgesetzten Maßnahmen. In Rom wurde ein Lokal verwüstet, dessen Besitzer einen Green Pass verlangt hatte. „Fatta la legge, trovato l’inganno – Mit dem Gesetz kommt auch der Betrug“, lautet ein italienisches Sprichwort. Und tatsächlich kursieren im Netz bereits falsche Apps, um die Impfung zu umgehen. Das kann Strafen zwischen 1500 Euro und mehreren Jahren Haft für Käufer und Händler zur Folge haben, warnt die Steuerpolizei „Guardia di Finanza“:

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Bürger sehen keine Zukunft für die Ampel

Die Ampel-Koalition in Berlin steckt in einer tiefen Krise. Die Umfragewerte insbesondere für den Kanzler und die SPD brechen regelrecht ein. Nun wünschen sich nurmehr 29 Prozent der Deutschen , dass die Ampel-Koalition überhaupt noch bis zum Ende der Legislaturperiode halten sollte. Von Hermann

Das Maggie Thatcher-Double hat gewonnen  

Die bisherige Außenministerin Liz Truss tritt die Nachfolge von Großbritanniens scheidendem Premierminister Boris Johnson an. Truss setzte sich bei der Wahl unter den 200.000 Parteimitgliedern gegen ihren Rivalen, den Ex-Finanzminister Rishi Sunak, knapper als gedacht durch. Truss weckt an der Par

Allah und die Linke

Ob nach der Ermordung von Samuel Paty oder dem Attentat auf Salman Rushdie: aus Furcht, Rechten Zündstoff zu liefern, schweigt die parteipolitische und außerparlamentarische Linke zum Thema Islam. Der „Islamophobie“-Vorwurf soll Kritiker mundtot machen. Es ist an der Zeit, die Zurückhaltung

Energie-Krisen-Management: Finanzielle Hilfs-Pakete oder nachhaltige Verbrauchs-Reduktion?

Die Bundesregierung hat sich die aktuelle Versorgungs-Krise im Zusammenhang des Ukraine-Krieges sicher nicht gewünscht. Täglich sind sehr folgenreiche Entscheidungen zu treffen. Aber trifft sie dabei auch mutig jene Entscheidungen, um dem Energie-Mangel wirksam durch eine Verbrauchs-Reduktion zu b

Der „Donut-Effekt“ macht Innenstädte leer

Das Ifo-Institut diagnostiziert überraschende Veränderungen im Alltagsleben deutscher Städte nach der Pandemie. Von Ifo-Institut

Selenskyj stellt Fünf-Punkte-Formel für Frieden vor

Die Rede des ukrainischen Präsidenten auf der diesjährigen Generaldebatte der UN-Vollversammlung sorgt für Weltschlagzeilen. Selenskyj schildert neue Gräueltaten mit Massenkastrationen und fordert von der Welt eine harte Bestrafung Russlands. Er stellt zugleich Bedingungen für Friedensverhandlu

Mobile Sliding Menu