Der triumphale Feind

Andreas Althoff15.08.2013Gesellschaft & Kultur

Fußballfreunde wünschen dem FC Bayern mit großer Leidenschaft Schlechtes. Fans des Vereins stört das wenig – und Schützenhilfe bekommen sie ausgerechnet von Toten-Hosen-Sänger Campino.

Durch eine beeindruckende sportliche Entwicklung hat sich das Ansehen des FC Bayern in den vergangenen Jahren ordentlich verändert. Vor vier Jahren noch verlor man im Viertelfinalhinspiel der Champions League am 8. April 2009 sang- und klanglos mit 0:4 beim FC Barcelona, dessen Trainer ein gewisser Pep Guardiola war. Dieses Spiel verlief zwar deutlicher als der FC Bayern das von seinem Selbstverständnis her gewohnt war. Eine wirkliche Sensation war das unter Beachtung der individuell erheblich besser besetzten Mannschaft aus Spanien aber eigentlich weniger. Die einzige Sensation war, wie weit Bayern München bei all seinen Möglichkeiten von der Elite des Weltfußballs entfernt war. Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger spielten an besagtem Abend mit, die weiteren neun Spieler, unter anderem Massimo Oddo, Christian Lell und Hamit Altintop, sind heute nicht mehr dabei.

Erfolg macht sexy – aber sympathisch?

Heute ist der FC Bayern amtierender Deutscher Meister, Pokal- und Champions-League-Sieger. Bezwang auf dem Weg dorthin den FC Barcelona im Halbfinale insgesamt mit 7:0. Präsentierte vor einigen Wochen mit jenem Pep Guardiola den wohl begehrtesten Trainer der Welt und verstärkte sich nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte kurzerhand mit zwei der größten Fußballtalente Europas: Mario Götze und Thiago Alcántara. Dieser völlig unerwartete Transfer Götzes wird durch den Thiagos beinahe noch übertroffen. Thiago ist frischgebackener U21-Europameister und wurde als wertvollster Spieler des im Juni 2013 ausgetragenen Turniers ausgezeichnet, gewiss nicht nur ob seiner drei Tore beim 4:2-Finalsieg über Italien. Er gilt als eines der herausragenden Talente Spaniens und war nach Meinung zahlreicher Experten der designierte Nachfolger Xavis beim FC Barcelona. Eigentlich völlig undenkbar, dass ein ebenso junger wie mit 14 Titeln stattlich dekorierter Spieler den FC Barcelona in Richtung Bundesliga verlässt. Eigentlich. Denn neben seinem neuen alten Trainer spricht das vor allem für eines: die beachtliche Entwicklung des FC Bayern. In vier Jahren mauserte er sich vom weltbekannten Münchner Klub mit goldener Historie zur gegenwärtigen Speerspitze des Vereinsfußballs.

Das ist Kritikern und Anhängern anderer Mannschaften kaum verborgen geblieben und dennoch wird sich voraussichtlich nie etwas daran ändern, dass Fußballfreunde und sogar ansonsten Desinteressierte mit großer Leidenschaft dem FC Bayern Schlechtes wünschen. Wer es mit Bayern München hält, wird damit leben können, denn diese Missgunst entsteht nicht zuletzt durch Erfolg. Und wie sagte schon Toten-Hosen-Frontmann Campino: „Man kann mit Bayern München nur ordentlich als Feind umgehen, wenn man unsachlich bleibt. Sobald man sich an Fakten hält, wird es schwierig.“

Bayern München wird nie ein Sympathieträger für Fans anderer Mannschaften sein, so wie es Borussia Dortmund wohl zuletzt in der Champions League gewesen ist. Es wird immer Dinge geben, die auf andere arrogant oder befremdlich wirken, schon allein, weil manche es gerne so hätten. Grundsätzlich ist die Wahrnehmung eines Fußballklubs auch höchst subjektiv, wahrscheinlich lässt sich unvoreingenommen nicht sagen, ob es beim FC Bayern einen positiven Wandel in der Wahrnehmung gegeben hat. Man könnte das durchaus meinen – oder eben nicht, weil der Verein womöglich gar nichts unternehmen kann, was beim eifrigsten Kritiker ein gewisses Reflektieren anstoßen würde. Erfolg macht bekanntermaßen vielleicht sexy, aber sympathisch?

Das Böse dieser Welt

Matthias Sammer zum Beispiel, den kann man wohltuend sachlich und eloquent finden und meinen, so einer hat dem FC Bayern für die Außendarstellung lange gefehlt. Einer, der entweder gekonnt auf Bescheidenheit und Demut machen kann, oder wirklich so ist. Einer, der bedingungslos den Erfolg sucht und ihn offenbar findet und netterweise zum FC Bayern bringt. Doch natürlich kann man Sammer auch anders registrieren. Wer ihn schon vorher nicht mochte, dem wird das jetzt wahrscheinlich nicht anders gehen. So oder so könnte die Wahrnehmung Sammers eng mit der des ganzen Vereins verbunden sein.

Auf emotionaler Ebene wird sich der Eindruck des FC Bayern für Außenstehende aber so schnell nicht ändern. Möglicherweise auf sportlicher, wenn die Anerkennung für die erbrachte Leistung insgeheim vielleicht doch höher ist, als es einem lieb ist. Hört man hier und da, ob online oder offline, aber Meinungen von Fans anderer Vereine, die seit Jahr und Tag mit allergrößter Hingabe den FC Bayern verteufeln und in ihm das Böse dieser Welt sehen, merkt man schnell, dass sich weder mit Hoeneß’ zunehmender Zurückhaltung noch mit Sammer als öffentlichem Interessenvertreter des Hauses und selbst mit dem großen Triumph in der Champions League nichts am Sympathiegrad verändert hat. Das muss es aber auch gar nicht – solange es friedlich bleibt, ist das völlig okay, und rivalisierende Fanlager sind ebenso Teil des Fußballs wie Sieg und Niederlage.

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