Wir können Gott nicht einfach abschreiben. Martin Walser

Lieber Porno und Tinder statt Treue und Liebe?

Kann man in Zeiten von Tinder, Porno und ungezwungenem Sex noch eine Einrichtung, wie die Ehe oder überhaupt lebenslange Beziehungen verteidigen, die das komplette Gegenteil von dem bedeutet, was anscheinend ein Großteil der Bevölkerung lebt?

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Wünscht man sich überhaupt noch Werte, wie Treue und Vertrauen? Sicher sind genau diese Werte für die meisten Menschen erstrebenswert. Warum aber leben wir sie dann so selten?

„Wie, du hast keinen Sex?!”, diese und ähnliche Fragen hört man recht häufig, wenn man mit Menschen zwischen 15 und 30 spricht und ihnen offenbart, dass man sich darauf vorbereitet, katholischer Priester zu werden. Denn das bedeutet auch, dass man zölibatär leben muss, also ein Leben lang auf die Ehe und partnerschaftliche Beziehungen allgemein verzichtet. Mittlerweile wundere ich mich nicht mehr, wenn solche Reaktionen kommen, zu Beginn meiner Ausbildung sah das noch anders aus.

Es gibt nach meiner Erfahrung viele Menschen, gerade in der genannten Alterskategorie, die Sex als das sehen, was eine Beziehung am meisten ausmacht. Andere Dinge sind dann nicht so wichtig, eben auch nicht Treue und Vertrauen. Dann macht es auch Sinn, dass man mal schnell in der Tinder-App nach rechts wischt, vielleicht für den nächsten One-Night-Stand, oder man zieht sich abends noch einen Porno rein, ist ja völlig normal, macht doch jeder.

Gut ist, was sich gut anfühlt

Deshalb sind die meisten, die ein Leben wie oben beschrieben führen, auch ganz zufrieden mit sich selbst. Aber früher oder später überlegt man sich dann doch, ob es nicht mehr geben kann, weil jeder noch so tolle Sex letztlich etwas ist, das vorübergeht, etwas Vergängliches ist. Es versetzt kurze Zeit in Ekstase, doch dann ist es auch schon wieder vorbei – bis zum nächsten Kick. Diese kurzen Beziehungsmomente prägen uns Menschen.

Im schlimmsten Fall sorgen sie dafür, dass wir nicht mehr dazu in der Lage sind, überhaupt Vertrauen zu anderen zu haben oder den Wunsch nach Treue zu verspüren. Wer weiß denn schon, mit wem und wie vielen der oder die andere schon vorher zusammen war? Wenn wir nur auf unsere Gefühle schauen, aber nicht mehr versuchen, uns auch selbst zu hinterfragen, an uns zu arbeiten, um eine lange und glückliche Beziehung zu führen, dann muss man wirklich sagen, dass die Ehe eine Institution ist, die heute keinerlei Bedeutung mehr haben kann. Aber ist es das, was wir Menschen wirklich wollen?

Alternative: Liebe, Treue und Vertrauen auf Lebenszeit

Bei allen Gesprächen, die ich bisher mit Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft geführt habe, ist mir besonders aufgefallen, dass die Menschen sich wünschen, glücklich zu sein, ein gutes Leben zu führen und das am besten ohne dabei mit Sorgen an den nächsten Morgen denken zu müssen. Auf der Beziehungsebene sollte man sich schon fragen: Will ich wirklich dieses zwanglose Leben, jeden Tag aufs Neue auf der Suche nach schneller Liebe und noch schnellerem Sex? Hinter all dem steckt meiner Meinung nach etwas anderes, nämlich die Sehnsucht nach echter Liebe.

Warum sollte der Mensch sonst ständig auf der Suche sein? Will man nicht eigentlich diejenige oder denjenigen finden, mit der oder dem man sein Leben verbringen will, und das jeden Tag? Gelingen kann diese Suche aber nur, wenn wir auch mal von uns selbst weggehen, wenn wir auf den anderen schauen und den Mut haben, für eine Beziehung zu kämpfen, sie nicht beim ersten Anzeichen von Unzufriedenheit aufgeben, sondern jeden Tag aufs Neue versuchen treu zu sein. Diese Treue schließt auch das Vertrauen zum nächsten ein, letztlich beruhen beide auf dem gleichen Wortstamm. Denn nur, wenn wir dem anderen vertrauen, kann eine Beziehung von Dauer sein.

Und das ist ein großartiges Geschenk: Einen Menschen zu haben, den man bedingungslos lieben kann, durch schlechte, gute und normale Zeiten hindurch. Es ist auch eine Kopfsache. Man muss an sich selbst arbeiten und mit dem anderen ins Gespräch kommen, um mögliche Probleme aus der Welt zu räumen. Erfolg haben kann das vielleicht nicht immer, aber wenn man sich darauf einlässt, kann es zumindest ein gutes Stück weit auf demLebensweg gelingen, zumindest habe ich die feste Hoffnung darauf.

Auf die Spitze getrieben: lebenslange Liebe

Wenn wir diese Treue und Liebe ein Leben lang erfahren wollen, kann man ein besonderes Zeichen setzen, indem man eine Ehe schließt. Öffentlich sagt man so zu seiner Partnerin oder seinem Partner, dass man ein Leben lang treu sein will, dass man ein Leben lang Seite an Seite stehen und das gemeinsame Leben bestreiten will. Gelingen kann das sicher, wir müssen uns nur darauf einlassen.

Quelle: f1rstlife

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Henryk Broder, Rainer Zitelmann, Stefan Groß.

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