Religionsfreiheit wäre ein hohler Begriff, würde sie nur für die Glaubensrichtungen gelten, mit denen wir einer Meinung sind. Mitt Romney

Auf Eis gelegt

Kind und Karriere? Nicht mit Apple und Facebook. Die setzen jetzt auf „Social Freezing“. Wo haben wir uns nur hin entwickelt?

All die Jahre hat sich Frau emanzipiert, bis zum Chefsessel hochgeackert und nebenbei auch noch Kind und Kegel gemanagt. Doch diese Vorstellung von der „starken Frau“ scheint nun genauso veraltet wie die vom Heimchen am Herd. Apple und Facebook sollen nämlich eine ganz andere Version der Frau von heute haben. Einzig und allein auf Karriere programmiert, soll sie nur den Weg nach oben vor Augen haben.

Warum nicht auch den Lebenspartner einfrieren?

Damit da ja kein schreiendes Blag in die Quere kommt, das die Mama mal für Monate, wenn nicht gar Jahre aus dem Verkehr zieht, möchten Apple und Facebook nun das Einfrieren der Eizellen finanzieren. Von der Entnahme, die laut NBC gerade mal schlappe 10.000 Euro kosten soll, über die Lagerungskosten, alles inklusive. Warum haben sie nicht auch gleich den Lebenspartner bedacht. Der ist doch schließlich in vielen Jahren, wenn die biologische Uhr der Frau eigentlich langsam ausgetickt haben sollte, nicht mehr so anziehend wie mit Mitte 30. Könnte also auch gut auf Eis gelegt werden.

Doch der ausgeklügelte Plan hat einen großen Haken: Frauen bekommen immer später Kinder. Was die beiden Markenbonzen nicht auf dem Schirm haben, dass Mami mit 70 eventuell damit Schwierigkeiten haben könnte, mit Klein-Julia mitzuhalten, die gerade mal aus dem Gröbsten raus ist. Wann soll die Karriere der Mütter, deren Eizellen fröhlich gekühlt auf die Einpflanzung warten, eigentlich enden? Gibt es für diese auch eine Art „Haltbarkeitsdatum“? Pünktlich zur Rente und dann kann es losgehen mit Fläschchen, Windelwechseln und Co.? Müsste doch für eine toughe Lady, die es im Bürodschungel mit den stärksten Charakteren aufnehmen konnte, kein Problem sein.

Halbtagsstellen, von denen Großkotzkonzerne nichts gehört haben

Ich dachte immer, ein modernes Unternehmen ließe es eben gerade zu, dass Frauen Kinder und Job unter einen Hut bringen. Ja, sie würden dies sogar unterstützen! Doch von Halbtagsstellen und Vier-Tage-Wochen haben solche Großkotzkonzerne anscheinend noch nichts gehört. Oder sind es die Frauen selbst, die diesen Wandel möglich machen? Hört die sonst so klischeebehaftete Multitaskingfähigkeit in Bezug auf Karriere und den Nachwuchs auf?

Natürlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, wann und ob sie Kinder in die Welt setzen möchte. Doch verhindern das nicht gerade Unternehmen wie Apple und Facebook, indem sie das späte Kinderkriegen auch noch honorieren?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alissia Passia: „Alles wird für etwas gut sein“

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