Der Samba-Krampf

Alissia Passia8.06.2014Gesellschaft & Kultur

Snack-Fabrikanten, Supermarktketten und Elektronik-Stores ziehen sich zur Fußball-WM den Stock aus dem Arsch und wackeln mit den Hüften. Ein Werbesupergau, meint Passia.

Diese Werber, dank vieler Soap-Formate kann sich auch jeder fernab des Metiers ein Bild von diesen Menschen machen: Dauerhigh koksen sie sich zur nächsten Idee, reiten auf Elefanten zum Pitch und feuern mal eben so ihre Untergebenen, wenn sie nach der 100sten abgeschossenen Idee Tränen in den Augen haben.

Man mag von diesen Klischees halten, was man will, doch irgendwas muss in den Kreativen vorgehen, wenn große Ereignisse vor der Tür stehen. Die WM zum Beispiel. Ich verdrängte das Unheil gekonnt, bis mir in einer Elektromarkt-Kette eine Gruppe Samba-Tänzer entgegen wackelte. Wie originell, auf so etwas wäre ich im Zusammenhang mit Rio gar nicht gekommen, Sie etwa? Da ist es auch kaum verwunderlich, dass fast jeder Schlaukopf so gedacht haben mag und sich für seinen Kunden eine Samba-Idee aus dem Leib schnitzte.

Rio-Reißer und Fangesänge

Tollkühne Claims aus einem heißen Denglish-Mix entstanden, Fußballstars hatten plötzlich Rhythmus in den Hüften und auch der Griff in die Chips-Tüte wurde nun mit el ritmo de la Unfug untermalt. Die Deutschen können es also doch, den Stock aus dem Arsch befördern, wenn es drauf ankommt, mag sich da einer gedacht haben. Oder etwa nicht?

Neben Rio-Reißern erfreuen sich Fangesänge auch großer Beliebtheit, je oller, desto toller. Hauptsache mitreißen, für Stimmung sorgen, mag hier die Devise sein, oder nach dem xten vom Kunden abgeschossenen Konzept endlich klein beigeben und doch irgendeine Anekdote zu Brasilien verwursten.

Ach ja Wurst, typisch deutsche Rezepte lassen sich auch ganz clever auf Brasilien pimpen, hat sich eine große Werbeschmiede wohl gedacht, als sie auf der schräg animierten Unterseite ihres Supermarktskunden Geschmacksverirrungen der besonderen Art kreierten.
Vergleicht man das Vorgehen mit Formaten aus Amerika, Glanzleistungen höchster Originalität, die beim Super Bowl ordentlich Eindruck schinden, wirken die WM-Hits eher wie ein aufgewärmter Witz.

Klassisches Mitläuferverhalten

Und irgendwann kann man Herrn Schweinsteiger, der für Sport-, Chips- und andere Hersteller seine Visage herhält, auch nicht mehr sehen. Meiner Meinung nach zeigt diese Form der Werbung klassisches Mitläuferverhalten. Man muss jetzt etwas mit Rio bringen, sich irgendwie, so platt es auch sein mag, auf die WM beziehen. Macht man es nicht, Thema verfehlt, aus die Maus.

Aber Hand aufs Herz: Wo ist in diesen Zeiten dieser immense Stolz auf die ach so vielen gewonnenen Kreativpreise, wenn man mit einer Kampagne aufschlägt, die sich auch Hans-Günther aus dem Spätkauf mal in fünf Minuten hätte aus den Ärmeln schütteln können – nach dem zehnten Glas Korn? Denn am Ende des Tages steht hinter jeder Kampagne ein Gesicht: das Gesicht der Werbeagentur. Jede WM geht auch mal vorbei und dann will es keiner gewesen sein.

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