Angela Merkels Verhalten zeigt, dass sie in der DDR viel gelernt hat. Thilo Sarrazin

Lang lebe Facebook …

Zuckerbergs Schätzchen wird stolze zehn Jahre alt und beschenkt seine Anhängerschaft mit einem eigenen Movie. Eine Meinung zum (a)sozialen Netzwerk.

Facebook, du Werk des Teufels, wie sah unser Leben nur vor dir aus? Wie haben wir unsere Kollegen und Chefs mit volltrunkenen Bildern überrascht oder über Weltbewegendes, das so spannend ist wie die Farbe des Morgenurins, schweigen können?

Du allein hast uns gezeigt, dass es völlig ok ist, seine Beziehung öffentlich als „kompliziert“ darzustellen und das Wort „liken“ in unser Grundvokabular mitaufzunehmen. „Geteilt“ wird selbst das Brot nicht mehr, lieber „Sharen“ wir es mit der gesamten „Community“ und wer braucht auch schon ein paar reale Freunde, wenn er – dank dir – um die 1000 haben kann?

Schicksalsschläge und Privates sharen

Du hast uns all die Gruppen gründen lassen und machst dabei keinen Unterschied, ob es sich dabei um rassistische Institutionen, Fäkalhumor oder das Verticken von Drogen und Waffen dreht. Du dienst nicht nur als unser aller Unterhalter, wenn in der U-Bahn gerade mal Netz ist, sondern auch als komplexe Gedächtnisstütze.

Nicht umsonst hast du uns die Timeline geschenkt, in der wir von nun an auch Schicksalsschläge und andere private Dinge sharen können. Du bringst die ganze Familie wieder an einen Tisch und bietest die Pinnwand für die schönsten Tragödien, die sonst totgeschwiegen werden würden.

Emotional wie Apple

Und nun, pünktlich zu deinem Geburtstag, machst du uns das größte Geschenk: einen eigenen Facebook Movie. Ein Film, der die schönsten Ereignisse aus unserem Leben zusammenfasst. Alles, was eigentlich gelöscht zu sein schien, hast du auf irgendeinem deiner vielen Server sorgfältig abgelegt, nur um es für diesen ganz besonderen Film herauszuholen.

Mit einer Emotionalität, wie sie Apple nicht besser hätte inszenieren können, untermalst du dieses ganz individuelle Werk auch noch mit herzerwärmender Musik. Klänge, die sich tief in unser aller Wesen hineinzufressen scheinen, sodass wir uns innerlich dazu genötigt fühlen, diesen Film zu sharen, zu liken und vielleicht sogar zu loven. Momentchen, das gibt es ja noch gar nicht.

Facebook, auf die nächsten zehn Jahre. Bis dahin mach es wie die NSA: Spioniere uns weiterhin so gekonnt aus und sichere dir unsere schönsten Momente, Fotos und Schicksalsschläge. I don’t like.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alissia Passia: „Alles wird für etwas gut sein“

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