Anteilnahme auf Twitter, Facebook und Co. | The European

Mein Twittleid

Alissia Passia5.01.2014Medien

Misserfolge, Unfälle oder andere Unglücke: sobald etwas in der Welt passiert, ist der erste Beileidstweet nicht weit. Ein Wutbrief.

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Getty Images

Wie funktionierte das eigentlich, die stille Anteilnahme, ganz ohne verbale Ausbrüche via Twitter und Co.? Wie teilte man sein Mitgefühl mit Angehörigen und Freunden? Ach ja, man schrieb Postkarten oder nutzte das Telefon. Man wählte sozusagen den persönlichen Weg.

Unvorstellbar, wenn man sich die Twitteraktivitäten der letzten Tage von so manchem Schumi-Sympathisanten ansieht. Bereits nach Minuten der Tragödien-Bekanntgabe überschlugen sich die Promis mit ihren „Du schaffst das“-Botschaften und auch so mancher in Vergessenheit geratene Stern kroch aus seinem Versteck und nutzte das Unglück, um mal wieder auf sich aufmerksam zu machen. So bekommt man schließlich auch eine Schlagzeile oder wird zumindest mit seinem Tweet in einem Boulevardblatt abgebildet. Toll.

Aufgeblasene Worthülsen

Ist das echtes Mitgefühl oder möchte man einfach zu denjenigen gehören, die auch etwas zu diesem aktuellen Thema zu sagen haben? Tweet geschrieben, kurz geheult, abgehakt, zum nächsten Posting. Der komatöse Betroffene wird diese Botschaften wohl kaum lesen können und auch die Angehörigen haben in diesen Minuten sicherlich Besseres zu tun, als ihre Social-Media-Kanäle nach aufgeblasenen Worthülsen zu durchforsten.

Oder erinnern wir uns an den Tod von Nelson Mandela oder den tödlichen Autounfall von Schauspieler Paul Walker. Das Internet heulte und füllte sich mit R.I.P.-Nachrichten. Apropos R.I.P., warum alles in der Welt diese stupiden Anglizismen, wie wäre es mit „Ruhe in Frieden“ oder anderen gängigen Beileidswünschen, die nicht so sehr nach Gangsta-Hinterhof klingen?!

R.I.P. Tweet-Beleidsbekundungen

Ich persönlich finde diese Art von „Mitleid“ einfach nur unangemessen. Möchten Sie, liebe Prominenz oder Fan, dadurch anderen mitteilen, dass Sie, ja Sie, den Verunglückten gekannt haben? Was verfolgen Sie mit solch einer Art von Beileid? Oder – können Sie es einfach nicht (mehr) anders?

Social Media hat hier seinen Nutzen vollends verfehlt, unpersönlicher geht’s nicht mehr. In diesem Sinne: R.I.P. Tweet-Beileidsbekundungen, auf zu alten Ufern.

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