Sylt? Mutig!

von Alissia Passia25.01.2014Gesellschaft & Kultur

Urlaub heißt heute nicht mehr sich ­erholen, sondern sich beweisen. Doch die hippen Abenteurer von heute sind die öden Spießer von morgen.

„Wo warst du noch gleich?“– „An der Nordsee“. Stille, Augenrollen und ein schockiertes „Bist du dafür nicht zu jung?!“ habe ich schon oft zu hören bekommen.

Im Friesennerz genieße ich dort gerne dekadenzfrei meine Freizeit und erlebe die reinste Genugtuung, wenn ich den Strand auf und ab laufe und das muntere Dünentreiben im Wind genieße. Wie langweilig,­ nicht? Und so was von out. Schließlich stellt sich das Urlaubsvolk von heute in Kambodscha, Namibia und Co. den kühnsten Herausforderungen. Zig Impfungen und die Ungewissheit, ob man ­lebend nach Hause kommt, verleihen den besonderen Kick.

Je exotischer das Ziel für das Abenteuer des Lebens, umso besser. „Reise dich interessant“ lautet nicht umsonst der aktuelle­ Claim eines Online-Reisebüros und der trifft genau ins Schwarze. Man hilft beim Weinanbau, hilft beim Brunnenbau, ackert für lau und genießt am Abend die Schmerzen der Arbeit. So lässt sich am Ende des Urlaubs so richtig entspannt in den ­Arbeitsalltag starten. Doch um Entspannung geht es eben den Wenigsten.

Ohne Smartphone und Tablet geht selbst am Arsch der Welt nichts

Fremde Kulturen, Radtouren am Ende der Welt und frittierte Taranteln zum Frühstück sind der letzte Schrei und ebenso beliebt, wie die Wahl einer ranzigen Absteige im Nirgendwo. In den Surfurlaub fahren ist auch nur was für Softies, Vulkansurfen heißt der neue Funsport, und wer davon noch nicht genug hat, der kann sich beim Helikopter-Bungee-Jumping den letzten Adrenalin-Kick holen. ­Dokumentiert wird alles detailverliebt im eigenen Blog oder auf diversen Social-Media-Kanälen. Ohne Smartphone und Tablet geht selbst am Arsch der Welt nichts.

Richtig extrem – vor allem, für die bloggenden Abenteurer – wird es jedoch beim Digital-Detox. Hier finden sich die Abhängigen der Smartphone-Computer-Droge, abgearbeitete Großstädter und Workaholics ein, um von ihrer alltäglichen Sucht Abstand zu gewinnen, abzuschalten.­ Stellen Sie sich das mal vor, ein Hotelzimmer ohne WLAN und ohne Telefon, stattdessen Bücher und Atemübungen im Entspannungsraum. Womöglich müsste man sich auch noch mit seinem Partner unterhalten, anstatt im Café lustig auf ­seinem Telefon die neusten Statusmeldungen, Fotos und weltbewegenden Ereignisse zu teilen.

Und dann werden die Urlauber auch noch dazu genötigt, sich neben dem digitalen Entgiften, Übungen und Wanderungen zum „Runterkommen“ zu widmen. Urlaub wie vor 50 Jahren sozusagen und auch das Essen scheint ganz „normal“ zu sein – frei von Giftstacheln und Hysterie. Statt Nerven kostet dieser Spaß auch noch ordentlich Geld.

Wo bleibt da der Kick, das Erlebnis, wird sich manch einer nun denken, oder sieht so etwa der Urlaub der Zukunft aus? Findet man in ein paar Jahren Hipster,­ Abenteurer und andere Konsorten nicht in der Arktis beim Schlittenfahren oder in Afrika beim Tanz mit den Einheimischen, sondern in der Domrep beim ­relaxten All-Inclusive-Urlaub? Heute als geradezu typisch deutsch verschrien und plötzlich doch voll angesagt? Wird mein Gespräch mit den Kollegen 2030 eventuell so ablaufen: „Wo warst du im Urlaub?“ – „Auf Sylt.“ – „Boah, das nenn’ ich mal mutig!“ Wir werden’s erleben.

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