Die Plastik-Ekstase

Alissia Passia28.09.2013Gesellschaft & Kultur

Ist die Apple-Mania schon vorbei oder werden sich die hartgesottenen Apple-Fans von einem Plastik-Smartphone noch einmal begeistern lassen?

Erinnern Sie sich noch an die ersten Mobiltelefone? Die dicken Klopper mit hervorstechender Antenne, die penetrant aus der Hosentasche herauslugten, sofern sie überhaupt dort Platz fanden? Kurz darauf war Mini die neue Maxime. Und plötzlich konnte das Mobiltelefon E-Mails verschicken und entwickelte sich zum wahren Alleskönner: dem Smartphone. Maßstäbe bei dieser Entwicklung setzte vor allem Apple, so meint es zumindest das US-amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“, das das iPhone 2007 zur Erfindung des Jahres kürte.

Seitdem Apple sein erstes Brikett auf den Markt warf, blieb sich das iPhone optisch treu: runde Ecken, handliche Größe. Extreme Weiterentwicklungen, wie bei Macs und iPods, waren nun wirklich nicht zu verzeichnen. Das tat jedoch der Begeisterung für das Telefon keinen Abbruch. Selbst Exemplare, die von geringer Höhe stürzten und das Display in 1000 und einen Splitter verwandelten, führten seine Anhänger stolz mit sich. Auch wenn gar große Löcher Einblick ins Innere gewährten und das Telefonieren deutlich schwieriger gestalteten als vorher. Das Pieken der Scherben beim Sliden über das Glas schreckt ebenso kaum einen Appler ab. Sind sie womöglich der Chuck Norris unter den Handy-Nutzern?

Das Zuckerbonbon aus der Apfelfabrik

Zu wünschen wäre es ihnen, denn sie müssen nun ganz stark sein. Sehr, sehr stark. Apple bringt sein erstes Plastik-Smartphone auf den Markt, das dank eines ausgeklügelten Schutzhüllen-Designs mit einer Rückseite in Käsereibe-Optik auftrumpft. Der verloren gegangene Zwilling des Nokia Lumia erfreut die Gemüter in sanften Bonbonfarben oder wie der Powerseller auf seiner Seite zu sagen pflegt: „Es ist nicht nur für alle, die bunt lieben. Sondern für alle, die bunt leben.“ Das Telefon mit Kinderspielzeug-Touch soll für über 500 Euro den Markt revolutionieren und die kaufkräftige Kundschaft, die ständig nach Neuem schreit, in Ekstase versetzen. Da können auch im Internet kursierende Vergleiche mit durchlöcherten Kunststoffschuhen und Gesellschaftsspielchen der Achtziger nichts daran ändern. Oder doch? Vielleicht zielt das Zuckerbonbon aus der Apfelfabrik aber auch auf die jüngere Generation ab, die Kinder der Hipster aus den Trendbezirken Berlins zum Beispiel. Für das übliche Spielzeug viel zu cool, setzen die Kleinen die Smartphone-Tradition der Familie fort und amüsieren sich prächtig mit Apps und Papas privater Bildersammlung.

Ein selbstverliebtes Loblied auf das Geschaffene

Ich persönlich glaube ja auch, dass das „C“ beim iPhone 5C für „Cool“ steht und kann mir schon den dazugehörigen Spot vorstellen, der sich in bekannter Erklärbär-Manier in den Gehirnen der Fans manifestiert: „Das ist das iPhone 5C. Das C steht für Cool. Und damit ist das Telefon so cool wie du. Cool ist auch das Design der neuen Hüllen. Die sind nicht nur bunt, sondern haben ganz viele Löcher. Damit Siri atmen kann.“
Passt das wirklich zum neuen Image, das sich Apple durch seine Kampagne „Das ist unsere Unterschrift“ verpassen wollte? Ein selbstverliebtes Loblied auf das bereits Geschaffte? Eine Glorifizierung jedes einzelnen Produktes, das durch die Unterschrift „alles“ wäre, womöglich alles, worauf es im Leben ankommt?

Falls Sie es sich nicht schon denken können, nein, ich gehöre nicht zu der Riege, die vor den Apple-Stores campt und sich von den verstrahlten Animateurfähigkeiten der Mitarbeiter zu einer La-Ola-Welle verleiten lässt. In diesem Sinne: Viel Freude mit einem Telefon, das billiger aussieht, als es ist.

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