Kein Herz für Hotpants

Alissia Passia16.07.2015Gesellschaft & Kultur

Eine Realschule in Baden-Württemberg verbietet ihren Schülerinnen Hotpants. Andernorts wirft man leicht bekleideten Damen ein Büßergewand über. Eine großartige Idee – vor allem für deutsche Flaniermeilen!

Bauchfrei, frischer Wind um die Achseln, Mini-Rock oder ausgefranste Hotpants, die den Pobacken Freigang gewähren – der Sommer ist erst wenige Wochen alt, doch hat er uns schon so manchen Anblick und so manche Einsicht beschert. Denn selbst das Alter schützt vor dem Schlampen-Stempel nicht, wenn Mädels vor den Sweet Sixteen ihre primären Geschlechtsmerkmale ungehemmt ausführen – meist sogar in Begleitung von Mami und Papi. Die scheint es nicht zu stören oder graut es ihnen davor, beim Verbot solcher Fetzen als spießig dazustehen?

Übeltäter in XXL-Shirts an den Pranger gestellt

Ob als spießig zu gelten oder nicht, scheint einer Schule in Baden-Württemberg herzlich egal zu sein und so verbietet diese ihren Schülern einfach zu viel Freizügigkeit. Auch wenn ein Aufschrei und Unverständnis durch die Bevölkerung ging, scheint es zumindest die Hälfte davon jetzt mit anderen Augen zu sehen: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov würden sich 51 Prozent der 1.462 Befragten für ein solches Verbot aussprechen.

Auf einer evangelischen Privatschule in Stuttgart geht man hingegen ganz anders mit dem Problem Freizügigkeit um. Dort treibt man es noch bunter, bzw. „weißer“, indem ein Straf-Leibchen in Übergröße die Übeltäter markieren soll. Richtig gelesen: weiße T-Shirts in XXL demaskieren und verhüllen zugleich die jungen Hühner, die zu leicht bekleidet die Schule betreten.

Flaniermeile gleich der Strandpromenade von El Arenal

Gut so! Gerne würde auch ich im Alltag T-Shirts verteilen und Verbote aussprechen, um mir so manchen Anblick zu ersparen. Denn kaum ist die 30-Grad-Marke geknackt, gleichen Flaniermeilen Deutschlands eher der Strandpromenade von El Arenal. Da trifft man auch schon auf Männer, die ihre guten Manieren, falls sie überhaupt jemals welche besessen haben sollten, mitsamt ihrer Oberteile zu Hause gelassen haben. Auch halbnackt ins Büro ist für viele kein No-Go mehr und so lösten eng anliegende Achselshirts bereits die tief ausgeschnittenen T-Shirts ab. Auch Flip-Flops scheinen zu einer gepflegten Meeting-Kultur zu gehören.

„Ist es nicht aber egal was man trägt, Hauptsache ist doch, dass man sich wohl fühlt“, höre ich Kritiker sagen. Gegen das Wohlfühlen ist nichts einzuwenden, nur gehört es nicht zu einer guten Erziehung, sich nicht in jedem Moment seines Lebens – und dazu gehört auch nun mal Arbeit – den eigenen Vorlieben hinzugeben? Da tun sich mir gleich noch ganz andere Bilder auf, so kann man sich ja glatt glücklich schätzen, dass es bei blanken Füßen und an Sitzflächen klebenden Oberschenkeln bleibt.

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