The Grünen are watching us

Alissia Passia20.04.2015Gesellschaft & Kultur

Friedrichshain-Kreuzberg geht gegen sexistische und stereotype Außenwerbung vor. Mehr Achtung vor der Frau wird proklamiert, während sie in diesem Bezirk oft religiöse Unterdrückung erfährt. Armes, grünes Kreuzberg.

„In Kreuzberg sind die Narren los“, hätte folgende Meldung auch bestmöglich zusammenfassen können: Seit einem Jahr tüftelte eine Arbeitsgemeinschaft aus 14 Frauen und einem Mann (Quote?) zehn Kriterien aus, die fortan über die Werbung an bezirkseigenen Flächen entscheiden sollen.

Demnach dürfen keine Motive mehr zu sehen sein, die die Frau in bestimmten Rollenbildern zeigt oder in denen farbliche Stereotypen aufgegriffen werden. Frau darf ebenso nicht „zwar schön, aber hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig“ inszeniert worden sein.

Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau

Wie gerne hätte ich zu diesen hart erarbeiteten Punkten die passenden Bilder gesehen. Schön möchte man sie haben, aber bloß nicht hysterisch. Spricht hier nicht auch die pure Diskriminierung heraus? Ebenfalls zu freizügige Motive, wie man sie von Dessous-Werbungen kennt, sind fortan unerwünscht. Auch eine „optische Unterdrückung“ durch eindeutige Posen ist der Formation ein Dorn im Auge. Ein Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau, das bei den in Kreuzberg lebenden 35.000 Muslimen (Stand 2014) kulturell verankert ist. Gibt es hierfür auch irgendeine Arbeitsgruppe der Grünen, die sich für die Rechte der Frau einsetzt? Sind wirklich die halbnackten Damen auf den Plakaten ihre größten Probleme?

Die Grünen brüsten sich mit falscher Rücksichtsnahme, während sie sich mit ihren Verboten mehr und mehr gegen das Grundgesetz stellen. In einem freien Land sollte sich jeder Bürger seine Meinung selbst bilden dürfen und nicht bevormundet werden – ob das Abgebildete nun eine „Diskriminierung“ der Frau zeigt oder die Posen der Bier-Reklame devot wirken könnten.

Werbung aus der Sicht der Grünen: möglichst alle Völkergruppen vereinend

Wir brauchen keine Watchgroup, die den Tag, an dem Werbung geboren wurde, verpennte und nun den Menschen vorschreiben will, was sie zu denken haben. Mal ein kurzer Crashkurs, nur für Sie allein: Es geht hier um den Verkauf von Produkten an eine bestimmte Zielgruppe, die im Vorfeld analysiert wird. Hierbei werden soziale Aspekte und Vorlieben ermittelt. Da mir das ab jetzt schon zu blöd wird, stelle ich mir lieber vor, wie die Dessous-Werbung aus der Sicht der Grünen auszusehen habe: sie würden wohl alleine auf die eigene Vorstellungskraft vertrauen. Eine Frau, möglichst in ihrem Aussehen alle Völkergruppen vereinend und neutral in die Kamera blickend, bekleidet mit einem langen Gewand. Darunter das Logo der Dessous-Marke und eine erklärende Line, wie „Sie trägt rote Spitzenunterwäsche der Marke XY darunter“.

Oder ist selbst das zu sexy für die Wollsocken? Mit roter Spitzenunterwäsche könnte man dem Model glatt unterstellen, sie würde einen Mann verführen wollen – oder wurde sie gar in ein falsches Rollenbild gezwängt? Man kann auch aus allem ein Problem machen und davon gibt es ja in Berlins Problembezirk wahrlich noch nicht genug.

Darum bitte Licht aus, Wollschlüpper an, Scheuklappen auf und bleiben Sie bei klarem Verstand. Wenn nicht, wissen Sie ja: The Grünen are watching us.

_Update: In einer früheren Version des Artikels wurde fälschlicherweise angegeben, dass in Kreuzberg 249.000 Muslime leben. Dies ist jedoch die Gesamtzahl der Berliner Muslime, in Kreuzberg leben lediglich 35.000._

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