Friday for Fanatismus

von Alexandre Kintzinger8.05.2019Außenpolitik

Zur der Friday for Future Bewegung wie zu Greta Thunberg mag ja jeder seine eigene Meinung dazu haben. Im öffentlichen Diskurs ist die Diskussion über die streikenden Jugendlichen jedoch zu einer Polemik ausgeartet, welche nur den Fokus darauflegt, wer denn jetzt das bessere Argument hat.

*Genauer betrachtet stellt sich jedoch viel mehr die Frage mit welchem Wert heutzutage eigentlich noch das rationale Denken der Aufklärung bemessen wird. Und in Anbetracht der Radikalität der Forderungen ob die Klimastreikenden denn überhaupt daran interessiert sind einen konstruktiven Dialog zu führen.*

Zur der Friday for Future Bewegung wie zu Greta Thunberg mag ja jeder seine eigene Meinung dazu haben. Im öffentlichen Diskurs ist die Diskussion über die streikenden Jugendlichen jedoch zu einer Polemik ausgeartet, welche nur den Fokus darauflegt, wer denn jetzt das bessere Argument hat. Genauer betrachtet stellt sich jedoch viel mehr die Frage mit welchem Wert heutzutage eigentlich noch das rationale Denken der Aufklärung bemessen wird. Und in Anbetracht der Radikalität der Forderungen ob die Klimastreikenden denn überhaupt daran interessiert sind einen konstruktiven Dialog zu führen.

Das gesellschaftliche Umfeld, in dem die meisten der jugendlichen Klimastreikenden leben ist eines indem jeder einzelne normalerweise die Freiheit besitzt das zu Glauben und zu Denken was er für richtig hält. Es herrscht, eine sagen wir mal weitestgehende Freiheit seine Meinung auszudrücken und diese sogar in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Jedoch hat man dadurch noch lange kein Monopol auf die Wahrheit.

Ist deine Meinung nämlich eine Lüge oder von einem realistischen Standpunkt her schlichtweg falsch, ist dies eine Tatsache. Hält man dann immer noch an der Richtigkeit seiner Aussagen fest, trotz jeglicher Vernunft, dann kann man dies getrost als Fanatismus bezeichnen.

Irgendwann kommt es dann dazu, dass aus Meinungen Forderungen werden und sich Menschen zu einer Bewegung zusammenschließen, um ihrer Meinung und denen damit verbundenen
Forderungen stärker Gehör zu verschaffen. Ab diesem Augenblick jedoch, wo mehrere hunderttausend Menschen diese Forderungen unterstützen, muss die Bewegung dann auch eine gewisse Verantwortung übernehmen.

Jeder der also Forderungen stellt, deren Einflüsse sich nicht nur auf das eigene Leben auswirken, sondern auch auf das von anderen, muss daher falls diese Forderungen später mal verwirklicht werden, sich mit den Auswirkungen derer befassen.

Schwierige Zeiten für rationales Denken

Würden wir uns derzeit in rationaleren Zeiten befinden, dann würde in einer konstruktiven Debatte geklärt werden, welche Forderungen der Klimaaktivisten entweder umsetzbar sind und welche halt realitätsferne Utopien sind. Man würde sich gemeinsam im Dialog verständigen, auf kritische Stimmen von Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft würde ohne ideologische Vorbehalte gehört werden.

Jedoch ist dies leider aktuell nicht der Fall. Die kritischen Stimmen, welche die Seite der Vernunft vertreten, werden im übertragenden Sinne mundtot geschrien. Ihnen wird vorgeworfen, die Meinungen der Jugendlichen aufgrund von fehlender Erfahrung und mangelnden Fachwissen zu marginalisieren oder den Jugendlichen vorzuwerfen nur demonstrieren zu gehen, um am Freitag die Schule zu schwänzen. Man hat den Eindruck als wäre der jugendliche Idealismus der Demonstranten ein Synonym für Fachkompetenz und Lebensweisheit.

Das sich Jugendliche manchmal kompromisslos für etwas einsetzen ist das eine, jedoch wird es aber problematisch wenn ein Teil der sogenannten Eliten aus Medien und Politik die Jugendlichen in ihren fehlgeleiteten Eifer auch noch unterstützten. Als die deutsche Bundeskanzlerin Merkel über Twitter ihre Unterstützung für die Bewegung kundgab, konnte man dies schon fast als peinliche Realsatire verstehen.

Vernunft und Rationalität haben es sehr schwer in einem Umfeld wo „Fähnchen in den Wind“ Politiker mit ihrer „Catch them all“ Attitüde bei jeder Bevölkerungsgruppe ihre Umfragewerte verbessern müssen. Bei jedem neuen Trend erleben wir eine regelrechte Boulevardisierung politischer Themen. Zudem entsteht ein nicht voraussehbarer Schaden für das gesellschaftliche Klima, wenn man die Jugendlichen noch in ihrer „ich bin laut, jung und gehe auf die Straße – ergo meine Meinung ist die einzig richtige„ Mentalität stärkt.

Von heute auf morgen sind wir plötzlich politische Aktivisten

Junge Menschen, und schließe ich mich selbst nicht aus, sind heutzutage viel stärker als jede Generation davor, den Fängen einer gewaltigen kommerziellen Industrie ausgesetzt. Diese ist hat sich als Ziel gesetzt unsere Ansichten was Konsum und Nachhaltigkeit betrifft mit den mittlen der modernen Zeit für ihre Zwecke zu beeinflussen.

Multimedia Games, Mode,Technologie oder Musik Trends, welche über Social Media Kanäle, Video – und Streaming Portale generiert werden – dies alles ist eine gewaltige Masse an zu verarbeitenden Informationen mit den Zweck unsere Denkweise und unser Verhalten nach Belieben zu beeinflussen.

Es ist zudem das Zeitalter der Influencer wo kommerzielle Vermarktung und Werbung mit gesellschaftlichen Werten und dem Lebensumfeld vermischt werden, so dass es heutzutage immer schwieriger wird zu unterscheiden ob es sich um eine echte oder nur um eine Scheinrealität handelt.

Daher klingt es nicht so sehr weit hergeholt zu sagen, dass die grobe Mehrheit der unter 22- jährigen wohl kaum in der Lage ist werteurteilsfrei, ohne die Zwänge des Mainstreams, eine eigene freie Gewissensentscheidung zu treffen.

Dies mag eine gewagte These sein und sicherlich nicht auf jeden zustimmen, doch jeder der dies nur als eine Fantasterei abtut, lebt entweder in einer abgegrenzten Lebensrealität ohne echten Bezug zu aktuellen Jugendkulturen oder verschließt schlichtweg die Augen vor dem was offensichtlich ist.

Die plötzliche Begeisterung jener Jugendliche für Klima Aktivismus kommt wohl weniger durch eine „Wut auf die da oben“, sondern fast mehr wegen dem Bedürfnis, Teil eines kollektiven Trends zu sein.

War die Wut der 68er auf die Gesellschaft damals noch eine reale, geht es heute den meisten Mitläufern der „Friday for Future“ Bewegung nur darum mal was Gutes zu tun, am Wochenende drauf dann wieder in den Flieger zum Kurztrip nach Gran Canaria. Man könnte dies auch als folkloristischen Lifestyle Protest bezeichnen, mit Snapchat Story und Selfie Stick einbegriffen.

Rattenfänger und die Gefühle der Masse

Bei der „Friday for Future“ Bewegung geht es der Umweltlobby einerseits im Kern darum über diese Bewegung eine neue „Graswurzelrevolution“ auszulösen und andererseits viel mehr noch darum durch den entstandenen medialen Impact der schulschwänzenden Jugendlichen diese als ein Sprachrohr für ihre Forderungen zu benutzen.

Die Geschichte zeigte uns, dass die „Rattenfänger“ aus vergangen Zeiten es stets leicht hatten, aufgrund von Gefühlslagen und vermeintlichen Bedrohungen, Menschen für ihre Zwecke zu Instrumentalisieren. Die „Friday for Future“ Bewegung könnte man im Kontext unserer heutigen Zeit schon als eine Art „grünen Kinderkreuzzug“ bezeichnen.

Eine Möglichkeit zudem, ohne jegliche demokratische Legitimation Druck auf die Politik auszuüben. Ein Teil der Medien ihrerseits ungestützt diese teils undemokratischen Anmaßungen der Bewegung, beispielsweise beim Umgang mit Kritik.

Als der FDP Politiker Christian Lindner die Bewegung kritisierte, brach über ihn in den Sozialen Medien ein Shitstorm ein. Unter denen die Lindner angriffen, befand sich auch der eine oder andere Medienvertreter. Es sind gerade jene Medienvertreter, die deswegen auch, sei es aus Gründen der Aufmerksamkeitssteigerung oder aus ideologischer Überzeugung, auf eklatante Weise jegliche Form kritischer Herangehensweise bei der Berichterstattung, wie es sich für einen guten Journalisten gehört, vermissen lassen.

Auch wenn der Journalist heutzutage nicht mehr die klassische Gatekeeper Rolle erfüllt, trägt er dennoch im Gegensatz zu anderen Berufen eine Verantwortung für die demokratische Meinungsbildung und sollte daher stets auf gesellschaftliche Massenbewegungen ein kritisches Auge haben.

Doch Lindner war nicht der einzige, denn jegliche aktuelle Kritik an der Bewegung wird stets damit abgetan, dass es sich hier um Meinungen von rückwärtsgewandtem Erwachsen handele, die sich von „Kindern“ nichts sagen lassen wollen.

Und wer es wagt die Ikone der Bewegung Greta Thunberg zu kritisieren muss sich dann auf den Zorn einer ganzen Bewegung gefasst machen. Ein zeitloses Zitat von Gustav Le Bon, französischer Arzt und Begründer der Massenpsychologie, beschreibt die aktuelle Situation um die „Friday for Future“ Bewegung nahezu perfekt:

„Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“

Fazit: In unserer heutigen Zeit benötigen wir mehr denn je Stimmen aus der Zivilgesellschaft, welche im Sinne der Aufklärung Werte wie Vernunft und Rationalismus verteidigen sowie offen für ein forschrittsoptimistisches Weltbild eintreten.

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