Es ist nicht die Zeit der Kontrollfreaks. Alec Ross

Die Faszination der fünf Ringe

Die Olympischen Winterspiele 2018 finden in Südkorea statt und nicht in München. Nun hat Thomas Bach eine erneute Kandidatur Münchens angekündigt – dabei hätte Berlin doch viel größere Chancen.

Die Enttäuschung war groß an diesem 6. Juli 2011 im südafrikanischen Durban; bei Katharina Witt flossen gar die Tränen. Das IOC hatte soeben die Olympischen Winterspiele 2018 an Pyeongchang und nicht an München vergeben. Jahrelange Arbeit und sogar die Bürgerentscheide in Garmisch-Partenkirchen – umsonst.

Beharrlichkeit lohnt sich

Nun hat sich der DOSB-Präsident bei der Abschlussveranstaltung von „München 2018“ auf eine erneute Olympiabewerbung Münchens festgelegt. „Wir können Olympia in München und Garmisch-Partenkirchen, das ist die klare Ansage – die Frage ist, wann!“ Vielleicht will es München ja wie Pyeongchang machen – die Südkoreaner unterlagen bei der Vergabe der Spiele für 2010 und 2014 und ließen sich trotzdem nicht entmutigen. Der Ausgang ist bekannt. Beharrlichkeit lohnt sich. Wobei – die Aussicht auf einen noch zu erschließenden Wintersportmarkt hat bei der Vergabe sicher eine nicht ganz unwesentliche Rolle gespielt. Wie dem auch sei: mit der Verkündung des Herrn Bach sind andere Städte, darunter auch Berlin, bis auf Weiteres außen vor. Die Funktionäre sind ob dieses Alleingangs erbost und das letzte Wort ist in dieser Sache hoffentlich noch nicht gesprochen.

Ich fände Olympia in Berlin nämlich richtig gut. Das Argument „Die hatten Olympia doch schon“ zieht nicht, denn München durfte auch schon mal und das ist noch nicht so lange her. Natürlich ginge es dann um Sommer- und nicht um Winterspiele. Berlin könnte Olympia und ist bereit dafür. Klaus Wowereit ging in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ sogar so weit, zu behaupten: „Ich bin aber der festen Überzeugung, dass Deutschland nur mit Berlin eine reelle Chance hätte.“ Auch von den anderen Parteien in der Hauptstadt kamen zustimmende Signale.

Olympiataugliches Publikum

Es gibt sicherlich mehr als genug Gründe, die man gegen das IOC und die Olympischen Spiele vorbringen kann. Und wie eine simple Bewerbung schon Millionen von Euro kosten kann, ist mir schleierhaft. Aber es geht eine große Faszination von den fünf Ringen aus. Eine Olympia-Teilnahme ist wohl der Höhepunkt eines jeden Sportlerlebens. Selbst ein Dirk Nowitzki nahm im Sommer 2008 die Strapazen auf sich, nach der langen NBA-Saison noch ein Qualifikationsturnier für die Spiele in Peking zu bestreiten. Eine erneute Bewerbung Berlins wäre auch die Chance zu zeigen, dass man es besser kann als bei den Bemühungen um die Spiele im Jahr 2000. Ein Aushängeschild wären auch die erfolgreichen Sportveranstaltungen, welche die Stadt jetzt schon beherbergt. Ob Fußball-WM 2006, Leichtathletik-WM 2009, ISTAF, Schwimm- und Eisschnelllauf-Weltcups, DFB-Pokalfinale oder Berlin-Marathon: Es ist jedes Mal ein Fest. Das liegt nicht zuletzt am Berliner Publikum, was schon jetzt olympiatauglich ist. Auch die Sportler kommen gern hierher. Fanbasis und Infrastruktur wie Hotellerie, Flughäfen und Bahnhöfe sind vorhanden. Das Olympiastadion ist umgebaut und modernisiert und selbst bei einem – im Vergleich – banalen Bundesligaspiel von Hertha BSC ist die Atmosphäre dieses Stadions gigantisch. Nicht zu vergessen, würde solch ein Projekt vermutlich auch eine Menge Arbeitsplätze mit sich bringen – worauf warten wir also noch?!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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