Die Merkel-Regierung hat die Vorschusslorbeeren nicht zu nutzen gewusst. Andrea Nahles

Berlin, ick liebe dir

Mit einem Video-Wettbewerb wird der größte Fan Berlins gesucht. Dabei sitzt er bei uns in der Redaktion.

Es mag Menschen geben, die die Erfindung von Facebook für den Untergang des Abendlandes und virales Marketing für totalen Quatsch halten. Für andere ist beides wiederum der absolute Heilsbringer. Und wie üblich liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen.

Die Berliner S-Bahn setzt auf Altbewährtes, um ihr mehr als ramponiertes Image wieder aufzubessern. So flattert dieser Tage den Stammkunden – so wie auch mir und glauben Sie mir, ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum ich das noch bin – ein Brief ins Haus, in dem auf die Initiative „Mein B und ich“ aufmerksam gemacht wird. „Ihr Ziel: maßgeschneiderte Services und Ideen, mit denen Berliner und Brandenburger besondere Orte entdecken und attraktive Vorteile genießen können.“ Hm, da ich mir darunter absolut nichts vorstellen kann, spricht es mich auch kein Stück an. Aber wenigstens ist der mitgelieferte rote Button ganz hübsch; liegt vielleicht auch daran, dass dort nicht S-Bahn Berlin draufsteht.

Berlin ist die beste Stadt der Welt – überzeugt?

Ganz anders macht es die Stadt Berlin. Die nahm 2008 viel Geld in die Hand und rief die „be Berlin“-Kampagne ins Leben. Die stieß zwar gerade in Berlin nicht nur auf Gegenliebe, aber das sollte sie vermutlich auch nur in zweiter Linie. Leider haben es die eingereichten Slogans noch immer nicht geschafft, Klaus Wowereits unsägliches „Berlin ist arm, aber sexy“ abzulösen. Aber etwas anderes ist geglückt. Mich brauchte man ja nicht davon zu überzeugen, dass Berlin die beste Stadt der Welt ist, aber seit dieser Woche haben wir es sozusagen blau auf weiß: Berlin hat die Marke von einer Million Fans bei Facebook geknackt. Das offizielle Ziel „Make it a Million“ ist erreicht worden.

Verbunden mit dem Ziel war ein Wettbewerb: Mit einer Video-Aktion wird der größte Berlin-Fan gesucht. Bis zum 9. Dezember kann noch für das Lieblingsvideo abgestimmt werden. Auf der Homepage findet man eine Auswahl und es lohnt sich wirklich, einen Blick darauf zu werfen. Da gibt es natürlich auch ein paar Beiträge, die unter die Rubrik „Grütze“ fallen. Leider zählt für mich da auch der Beitrag Klaus Wowereits dazu. Hätte man den nicht wenigstens vernünftig schneiden können? Keine Sorge, Perlen gibt es auch. Mit viel Liebe zum Detail drücken die unterschiedlichsten Menschen ihre Begeisterung für diese Stadt aus. Meine Favoriten sind ja „Bööp again!“ und „Berlin in one word“. Auf der Facebook-Seite gibt es noch mehr Beiträge zu sehen.

Heimat und Sehnsuchtsort

Vielleicht hätte ich auch mitmachen sollen, denn ich bin ein riesen Fan. Berlin ist meine Welt und ich möchte hier nie wieder weg. Hier wohne und arbeite ich nicht nur, ich bin hier aufgewachsen und zu Hause. Berlin ist für mich Heimat und Sehnsuchtsort zugleich, Weltstadt und großes Dorf, Hipstertum und Bodenständigkeit. Übrigens: Seit gestern bin auch ich Teil der Facebook-Million.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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