Viele Länder nutzen Währungen als politische Waffe. Dominique Strauss-Kahn

Komm' ich jetzt ins Fernsehen?

In Berlin beginnt mit dem Wahlkampf auch die Diskussion um die Zukunft der Stadt. Kandidaten liefern sich den verbalen Schlagabtausch auch im Fernsehen – muss man sich das angucken?

Das Sommerloch scheint dieses Jahr noch größer als sonst. So lesen wir über eine Brasilianerin, die ein Kondom in einer Konservendose gefunden hat und nun mit Geld dafür entschädigt wird oder wie – ebenfalls in Brasilien – der Tod eines gelähmten Löwen namens Ariel von zehntausenden Menschen betrauert wird.

Hurra, bald ist Wahl!

Zum Glück wird in Berlin am 18. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Der Wahlkampf beginnt so langsam und bietet somit ein wenig Abwechslung in der täglichen Berichterstattung. In dieser Woche wurden die ersten Plakate vorgestellt und die FDP überraschte mit Humor (was bleibt ihr angesichts der miserablen Umfragewerte auch anderes übrig?). Auf einem der Plakate sieht man den mit eher lichtem Haupthaar ausgestatteten Spitzenkandidaten Christoph Meyer und den Slogan: „Wenn er damit fertig ist, hat er gar keine Haare mehr. Christoph Meyer gegen 63 Milliarden Haushaltsschulden.“

Eine andere Ankündigung war aber viel interessanter. Der RBB plant zwei Fernsehduelle Wowereit vs. Henkel und Wowereit vs. Künast – sowie eine „Elefantenrunde“ mit allen Spitzenkandidaten der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien im Vorfeld der Wahl. Mal davon abgesehen, dass Die Linke beleidigt ist, weil sie kein eigenes TV-Duell Wowereit vs. Wolf bekommt, stellt sich die Frage nach Sinn und Unsinn von Fernsehduellen, noch dazu auf Hauptstadt-Ebene, wo die meisten von uns vermutlich noch nicht einmal die Mitglieder des Senats benennen könnten. Von den vielen schlechten Sendungen, die in den letzten Jahren im deutschen Fernsehen liefen, steht für mich das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier vor der Bundestagswahl 2009 sehr weit oben: zwei Politiker, die in der Großen Koalition sehr gut zusammen gearbeitet hatten und eher nicht so die krawalligen Typen sind, sollten sich nun vor den Augen der Nation rhetorisch gegenseitig an die Gurgel gehen. Nur richtig glaubwürdig schien das nie. Was vielmehr in Erinnerung geblieben ist, ist die unterirdische Leistung der moderierenden Journalisten; das Stichwort „Tigerenten-Koalition“ sollte an dieser Stelle genügen.

And the winner is….

Meine Wahlentscheidung hat das Duell damals jedenfalls nicht beeinflusst und ich glaube auch nicht, dass die Berliner Fernsehduelle dies tun werden. Ich wage auch zu bezweifeln, dass man den Kandidaten damit einen Gefallen tut, Klaus Wowereit vielleicht ausgenommen. Der ist schlagfertig und wird in so einem Duell sicher zu Höchstform auflaufen. Aber Renate Künast und Frank Henkel? Frau Künast mag Herrn Wowereit vielleicht rhetorisch das Wasser reichen können, aber im direkten Vergleich liegt sie in der Gunst der Wähler schon jetzt weit zurück. Und ob so ein Fernsehduell dazu geeignet ist Sympathiepunkte zu sammeln, ist sehr fraglich. Schließlich handelt es sich ja um einen Zweikampf, an dessen Ende im Idealfall ein klarer Sieger auszumachen ist, Nettigkeiten also per se fehl am Platz sind. Tja, und Frank Henkel? Der ist zwar inzwischen schon fast zehn Jahre im Abgeordnetenhaus, hat sich mir aber in der politischen Landschaft Berlins nicht besonders ins Gedächtnis eingebrannt. Die meisten Menschen – die CDU-Anhänger einmal ausgenommen – kennen ihn vermutlich gar nicht. Ein Duell zwischen ihm und dem Regierenden Bürgermeister wird also eher keins auf Augenhöhe werden.

So steht der Sieger dieser Duelle in meinen Augen schon vor Austragung der Duelle fest und er heißt Klaus Wowereit. Warum sich die Dinger also anschauen?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Klaus-wowereit, Berlin, Wahlkampf

Debatte

Langeweile durch Formatversagen

Medium_6ba4b331d1

Vom TV-Duell zu den Sondierungsgesprächen

Vielleicht ist es nur mir negativ aufgestoßen, doch in den letzten Monaten hat es sich ein Begriff im politischen Journalismus gemütlich gemacht, der mir aufstößt: Langeweile. weiterlesen

Medium_3f1f68414a
von Andreas Plöger
02.11.2017

Kolumne

Medium_dba9904677
von Sebastian Pfeffer
02.09.2013

Kolumne

Medium_056fc3650d
von Richard Schütze
02.09.2013
meistgelesen / meistkommentiert