Danke, gute Nacht zusammen! Joseph Ratzinger

Einfach mal die Fresse halten

Vermutlich haben Sie bereits Ihren Sommerurlaub gebucht. Und wenn Sie fliegen und dann auch noch von Berlin aus, dann steht auf Ihren Tickets sehr wahrscheinlich als Abflughafen BER. Daraus wird nun erst einmal nichts.

Wie aus dem Nichts platzte am Dienstag die Bombe, dass die Eröffnung des Flughafens Willy Brandt am 3. Juni 2012 nicht stattfinden würde. Als Grund wurden Probleme mit dem Brandschutz genannt.

Eilig wurde eine Pressekonferenz einberufen. Klaus Wowereit sprach von einem schlechten Tag, Matthias Platzeck erklärte, dass er „stocksauer“ sei und Flughafenchef Rainer Schwarz sagte: „Wir können uns nur entschuldigen.“

Verständlicherweise sind viele Menschen verärgert. Nicht sicher ist, dass bereits gebuchte Flüge von den jetzt länger in Betrieb seienden Flughäfen Schönefeld und Tegel aufgefangen werden können. Unklar ist mir auch, wieso man erst einen Monat vor der geplanten Eröffnung feststellt, dass man es nicht schafft. Der Tagesspiegel hatte bereits am 21. April von Problemen mit der Entrauchungsanlage berichtet. Damals wurde von offizieller Seite noch am 3. Juni als Eröffnungsdatum festgehalten. Und nicht zu vernachlässigen sind die geschätzten Kosten von 15 Millionen Euro je Monat, den die Verzögerung andauert.

Und ewig wird lamentiert

Was mir aber unglaublich gegen den Strich geht, ist das ewige Lamentieren über Berlin. In Leserkommentaren und auch bei Twitter meint man fast eine gewisse Genugtuung über das Scheitern der Eröffnung nachlesen zu können. Von wegen, dies sei ein weiteres Beispiel für die große Klappe der Hauptstadt, hinter der sich wie immer nichts verberge und dass wir hier eigentlich gar nichts können. Das sei beim Hauptbahnhof damals auch schon so gewesen. Überall wimmelt es jetzt vor selbsternannten Brandschutzexperten und Umsetzern großer Bauvorhaben. Besserwisser waren schon in der Schule nicht cool, warum haben daraus nur so wenige fürs Erwachsenenalter gelernt?

Offenbar muss das hier noch mal so klar gesagt werden – Klaus Wowereit und Matthias Platzeck haben den Flughafen nicht selbst gebaut. Damit sind aus gutem Grund Unternehmen beauftragt worden und irgendwer hat jetzt ganz offensichtlich großen Mist gebaut. Das wird zu klären sein, Wirtschaftsakteure sind nun aber bekanntermaßen viel schwerer zu fassen als die Politik und so sind die beiden Regierungschefs als Sündenböcke sehr willkommen. Dass sie allenfalls nur mittelbar schuld an der Verzögerung sind, da sie – neben einer ganzen Menge anderer Leute – im Aufsichtsrat sitzen, verkompliziert die Dinge für viele nur unnötig.

Froh, dass es strenge Vorschriften gibt

Völlig aus dem Fokus gerät außerdem, dass wir eigentlich verdammt noch mal froh sein sollten, dass in Deutschland ein fehlerhafter Brandschutz nicht einfach so durchgewinkt wird. Ich bin mir sehr sicher, dass es genügend Länder auf dieser Welt gibt, in denen diese Bedenken beiseite gewischt worden wären, weil man schöne Bilder von der Eröffnungsfeier in den Zeitungen sehen möchte.

Ich habe vereinzelt auch die Forderung gelesen, den Standort Sperenberg noch einmal in Betracht zu ziehen. Bei aller Liebe – nein. So unversöhnlich sich Gegner und Befürworter in unserer Region auch gegenüberstehen, der Flughafen Willy Brandt wird eröffnet. Nicht am 3. Juni 2012, aber sicherlich noch in diesem Jahr.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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