Energie darf kein Luxusgut werden. Winfried Kretschmann

Ha Ho He – Hertha das tut weh

Die Offiziellen bei Hertha BSC blamieren sich öffentlich in so schöner Regelmäßigkeit, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Manager Michael Preetz sollte am Ende der Saison seinen Hut nehmen.

Fußball ist ein beliebtes Gesprächsthema; natürlich auch bei uns in der Redaktion. Vor ein paar Monaten wetteten der Kollege Barfuss und ich, wer am Saisonende aus der Bundesliga absteigen würde. Thore wettete dabei auf die Hertha, ich dagegen. Nicht etwa, weil ich in der Mannschaft ein ungeheures Potenzial gesehen hätte, sondern weil ich glaubte, es gäbe ausreichend andere Mannschaften, die den Abstieg unter sich ausmachen würden – Kaiserslautern, Augsburg, Freiburg. Wetteinsatz: Der Verlierer müsste einen ganzen Tag lang mit einem hertha-blauen Gesicht durch die Gegend laufen. Das erschien mir dann doch zu riskant und so murmelte ich etwas wie „Ich überleg’s mir“ und die ganze Sache verlief im Sande.

Neues Kapitel in Sachen Provinzialität

Zum Glück, denn inzwischen halte ich den Gedanken an den Abstieg für nicht mehr so abwegig wie noch vor einigen Wochen. Weit mehr als die sportliche Talfahrt seit der Entlassung von Markus Babbel erstaunt mich aber immer wieder das Talent der Offiziellen, sich regelmäßig öffentlich zu blamieren.

Zur von mir schon einmal bemängelten Provinzialität des Vereins kam am Wochenende ein neues Kapitel hinzu. Nach der 1:4-Niederlage gegen Wolfsburg am Samstag, konnte man am Sonntag dann ein Interview lesen, was Manager Michael Preetz mit … sich selbst geführt hat! Ob des Veröffentlichungsdatums hätte man auf einen Aprilscherz gehofft, aber nein, das war tatsächlich ernst gemeint. Hier ein paar Kostproben:

Hertha BSC, unser Verein, ist noch lange nicht abgestiegen!

Wir sind im Spiel, kämpfen auf Augenhöhe und werden auch das Glück zurückerobern.

Der Wille ist ungebrochen und im Übrigen gilt für Herthaner sowieso, dass wir niemals aufgeben!

Neben dem ganz offensichtlichen „Warum?“ stellt sich in dieser peinlichen Affäre noch die Frage „Für wen?“ Weder Fans noch Hauptstadtpresse stellen die Mannschaft auf, geschweige denn schießen sie die Tore. Das müssen die hochbezahlten Profis schon bitte selber tun. Die wären auch viel eher die Adressaten der Botschaft von Michael Preetz. Erreicht er sie womöglich nicht mehr? Das wäre schlecht, vor allem im Abstiegskampf. Vielleicht will er auch den Druck von der Mannschaft nehmen, indem er die Aufmerksamkeit auf seine Person lenkt. Prima Idee, schlechte Umsetzung. Gut gemeint, ist eben nur selten auch gut gemacht.

In Bezug auf Hertha BSC kommt man dieser Tage nicht aus dem Kopfschütteln heraus. Preetz wurde wegen seines Selbstinterviews harsch von der Hauptstadtpresse gescholten. Sicherlich waren nicht alle Vorwürfe gerechtfertigt. Ganz im Stile einer beleidigten Leberwurst fiel allerdings die Gegenreaktion der Hertha-Verantwortlichen aus. Auf der Vereinshomepage nimmt der Pressesprecher Stellung zu den Vorwürfen, insbesondere dazu, dass Preetz nicht für die Medienvertreter zu erreichen gewesen sei. Hätte er es doch nur dabei belassen! Aber nein, darunter kann der geneigte Leser nun detailliert nachlesen, was der Manager zwischen Samstag- und Sonntagabend alles getan hat. Danke, dass ich nun weiß, dass er den Waldlauf gemeinsam mit dem Team absolviert hat (Ironie aus)!

Irgendwer wird den Kopf hinhalten müssen

Ich glaube Michael Preetz, dass ihm der Verein sehr am Herzen liegt. Schließlich hat er hier die erfolgreichste Zeit seiner aktiven Fußballerkarriere erlebt. Allerdings möchte ich ihm immer mehr raten, seine Managerfunktion bei der Hertha aufzugeben. Ich fände es schön, wenn er ihr in einer anderen Position erhalten bliebe, aber eben nicht mehr als Kämpfer an vorderster Front. Vieles ist in dieser Saison schiefgelaufen – das ist auch Michael Preetz anzulasten. Wäre die Mannschaft sportlich erfolgreich, könnte man all die Skandale und Skandälchen als Exzentrik abtun. Ist sie aber nicht. Irgendwer wird am Saisonende den Kopf dafür hinhalten müssen. Und vermutlich ist dieser jemand Michael Preetz.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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